Erste Liebe in Österreich: 95 Prozent vergessen sie nie
Fast alle erinnern sich an ihre erste große Liebe, auch Jahrzehnte später. Eine neue Parship-Studie zeigt, warum frühe Gefühle so langlebig sind.
Mit 16,7 Jahren verlieben sich ÖsterreicherInnen im Schnitt zum ersten Mal so richtig, zeigt eine aktuelle Parship-Studie. Die erste Liebe hält selten ewig, aber sie bleibt erstaunlich präsent: als Erinnerung, als Maßstab, als Kapitel, das man nicht einfach aus dem inneren Archiv löscht.
Sie bleibt also bemerkenswert gut konserviert. Nicht unbedingt als sehnsuchtsvoller Schmerz, auch nicht immer als die eine große, tragische Geschichte. Eher als unauslöschlicher Eindruck: ein Mensch, ein Geruch, ein Satz, ein Kuss, ein Nachmittag. Fertig ist das private Erinnerungsmuseum.
Die aktuelle Parship-Studie unter 1.069 Menschen in Österreich zeigt ziemlich schön, wie langlebig diese erste Erschütterung ist:
- Im Schnitt passiert sie mit 16,7 Jahren.
- Die meisten erleben sie zwischen 13 und 18.
- Nur vier Prozent sagen überhaupt, noch nie verliebt gewesen zu sein.
Das allein erzählt schon viel: Diese erste starke Regung ist für die allermeisten keine Randnotiz, sondern Teil ihrer Biografie. Allerdings führt diese erste Liebe meist nicht automatisch in ein gemeinsames Happy End mit Reihenhaus, Hund und Silberhochzeit:
- Bei etwa jeder fünften Person blieb sie platonisch, unerwidert oder kurz.
- Acht Prozent sind bis heute mit ihrer ersten Liebe zusammen.
- Sieben Prozent sind noch befreundet.
- Elf Prozent hören gelegentlich über gemeinsame Bekannte noch etwas vom ersten Schwarm, sechs Prozent stehen sogar in direktem Kontakt.
Und ein kleiner, diskreter Nostalgie-Teil googelt hie und da nach, was aus ihm oder ihr geworden ist. Natürlich tut man das. Nicht immer, weil man zurückwill, sondern weil die erste Liebe für viele mehr war als nur eine frühe Beziehung. Sie markiert eine Wende.
Alles neu, alles einzigartig
Die Parship-Psychologin Caroline Erb erklärt das sehr plausibel: Die erste Liebe werde meist besonders intensiv erlebt, weil alles neu und einzigartig erscheine. Man betrete eine völlig neue Gefühlswelt, noch weitgehend unbelastet von negativen Erfahrungen.
Deshalb setzt diese Zeit erste Weichen für die Identitätsentwicklung. Logisch: Wer zum ersten Mal liebt, entdeckt ja nicht nur den anderen, sondern immer auch sich selbst: Wie mutig bin ich? Wie eifersüchtig? Wie verletzlich? Wie groß ist meine Sehnsucht, gesehen zu werden?
Und doch lohnt sich an dieser Stelle ein kleiner Realitätscheck. Denn so romantisch die Sache im Rückblick oft wirkt: Die erste feste Beziehung formt uns offenbar nicht automatisch von Grund auf um.
Das zeigte schon 2015 eine Studie deutscher PsychologInnen. Demnach macht die erste Beziehung junge Erwachsene zwar zufriedener als das Singleleben. Ein großer Persönlichkeitsschub stellte sich aber nicht bei allen und nicht sofort ein.
Die erste Liebe führt also nicht automatisch in die ultimative Transformation, sie fällt schlicht in eine Lebensphase, in der sowieso vieles gleichzeitig in Bewegung ist.
Erinnerungen verändern sich mit den Jahren
Schön ist die erste Liebe trotzdem: Man erinnert sich nicht nur an einen Menschen, sondern an eine frühere Version von sich selbst. An das Mädchen, das zu viel hoffte. An den Burschen, der unbedingt cool wirken wollte und dabei völlig durchschaubar war. An dieses Schmetterlinge-im-Bauch-Gefühl, dass ein einziger Blick reichen könnte, um den ganzen Tag zu ruinieren oder zu retten. Darum wird die Erinnerung mit den Jahren oft freundlicher:
- Laut Parship denkt mehr als jede fünfte Person gern an die erste Liebe zurück.
- Bei den Unter-30-Jährigen tun das nur zwölf Prozent, bei den Über-40-Jährigen 25 Prozent.
- Besonders nostalgisch zeigen sich Männer ab 60: Rund ein Drittel blickt gern auf diese Zeit zurück.
Und ja: 95 Prozent der Befragten wissen noch genau, wer ihre erste Liebe war. Was zeigt: Die frühen Gefühle verschwinden nicht einfach, selbst wenn die Beziehung längst Geschichte ist.
Sie wandern nur an einen anderen Ort. Weg aus dem Alltag, hinein ins Archiv des Zwischenmenschlichen. Dort liegen sie dann: zwischen Kassettenrekorder, Jugendzimmer, unbeholfenen Küssen, großen Hoffnungen und diesem leichten Schauder, wenn man Jahrzehnte später doch noch einmal einen Namen liest und sofort wieder das Gesicht dazu sieht.
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