Ein älteres Paar sitzt gemeinsam unter einer Decke auf einem Holzsteg am Meer und blickt auf das Wasser.
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Wenn ein Partner aktiver ist - wie die Beziehung das aushält

Man will Dinge unternehmen, der Partner aber nicht? Eine Psychotherapeutin erklärt, warum das oft ein Problem ist, aber keines sein muss.

Mit über 40 ändert sich, worauf es in der Beziehung ankommt. Die Fitness des Partners wird wichtiger, während es davor Parameter wie Einkommen oder Altersunterschied sind. Endet der Abend auf der Couch oder geht man lieber auswärts essen?, ist die Frage, die Paare beschäftigt. Das ergab eine Umfrage unter über 1.000 Personen von Marketagent.com im Auftrag der Partnervermittlungsagentur ElitePartners

"Gerade in längeren Beziehungen oder im Pensionsalter kommt es häufig vor, dass sich die Partner unterschiedlich entwickeln", sagt Psychotherapeutin Katrin Wippersberg von der Wiener Praxis. 

Sie habe beobachtet, dass manche Menschen, vor allem in der Pension, neue Freiheiten entdecken, reisen möchten oder soziale Kontakte ausbauen. Andere ziehen sich stärker zurück, bevorzugen Ruhe und Vertrautheit. Nicht selten sind es die Frauen, die aktiver bleiben. Dahinter stecke aber mehr als nur unterschiedliche Interessen. Oft sind es laut Wippersberg unterschiedliche Bedürfnisse nach Sicherheit, Energie, Gesundheit oder Sinn.

Das muss aber kein Problem sein. "Ein ähnliches Aktivitätsniveau kann eine Beziehung erleichtern, ist aber keine Voraussetzung für eine glückliche Partnerschaft." Wichtig sei, laut der Psychotherapeutin, dass der Partner die Bedürfnisse des anderen respektiert. "Schwierigkeiten entstehen meist dann, wenn Unterschiede als persönliche Zurückweisung erlebt werden oder wenn einer von beiden das Gefühl hat, ständig verzichten oder sich anpassen zu müssen."

„Die glücklichsten Paare sind jene, die einander die Freiheit schenken, ganz sie selbst zu sein.“

Katrin Wippersberg Psychotherapeutin

Sehnt sich ein Partner nach mehr Aktivität als der andere, sei es wichtig, nicht vorschnell zu urteilen. "Hinter einem Rückzug können körperliche Beschwerden, Erschöpfung, depressive Entwicklungen, Ängste oder schlicht veränderte Lebensprioritäten stehen." Partner sollten miteinander reden, um herauszufinden, was dahintersteckt. Während für die einen Reisen etwa Lebensfreude und Verbundenheit bedeutet, kann das für den anderen stressig oder überfordernd sein. 

Gemeinsam könne man Kompromisse suchen. Nicht immer müssen Paare alles gemeinsam unternehmen. Kleine gemeinsame Rituale und hin und wieder etwas zusammen zu unternehmen, reichen laut Wippersberg für ein Gefühl der Verbundenheit oft aus. 

Glücklich einsame Österreicher

Laut einer Marketagent-Studie in 14 Staaten geben 44 Prozent der über 30.000 Befragten an, oft allein zu sein.  

72 Prozent der Österreicher genießen ihre Zeit allein. Nur 13 Prozent fühlen sich hierzulande oft oder fast immer einsam (Durchschnitt 19 Prozent). Im Ländervergleich ist das der niedrigste Wert.

Im Schnitt fürchten sich 46 Prozent vor Einsamkeit, in Österreich hingegen sind es nur 35 Prozent.

Wie man den Partner motivieren kann

"Ein gewisses Maß an Ermutigung ist durchaus sinnvoll, vor allem wenn gesundheitliche Probleme oder depressive Verstimmungen eine Rolle spielen könnten", rät die Expertin. Druck auszuüben oder dem Partner Vorwürfe zu machen, bringe jedoch nichts. Stattdessen empfiehlt sie, Interesse zu wecken, gemeinsame positive Erfahrungen zu schaffen und auch kleine Schritte wertzuschätzen. "Problematisch wird es jedoch, wenn aus Motivation ein permanenter Veränderungsversuch wird." Niemand könne dauerhaft gegen seine eigenen Bedürfnisse oder seine Persönlichkeit verändert werden. Der richtige Ansatz sei, herauszufinden, wie beide Partner mit den unterschiedlichen Bedürfnissen gut leben können. 

Schwierig wird es, wenn der Partner einerseits wenig unternehmen will, es gleichzeitig dem anderen aber verbietet oder missgönnt, die eigenen Bedürfnisse zu leben. Wippersberg: "Dahinter stehen häufig Verlustängste, Eifersucht oder die Befürchtung, zurückgelassen zu werden." Eine funktionierende Beziehung bedeutet laut der Psychotherapeutin nicht, alles gemeinsam machen zu müssen.

Stattdessen sind individuelle Freiräume wichtig und oft beziehungsstabilisierend. Aus Rücksicht auf den Partner das eigene Leben einzuschränken, führt langfristig häufig zu Frustration und Verbitterung. Paare profitieren, wenn sie lernen, zwischen gemeinsamer und eigener Zeit zu unterscheiden. "Nähe und Autonomie sind keine Gegensätze, sondern zwei Grundbedürfnisse, die in einer guten Beziehung nebeneinander Platz haben dürfen."

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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