30 Höhepunkte in 10 Minuten: Frau verblüfft Wissenschaftler
Wie eine Frau mit rhythmischen Muskelkontraktionen ihr Sexleben revolutioniert und Kegelübungen ein „Must-have“ sind.
Sodala. Nun stellen Sie sich bitte mal vor, Sie sitzen im Wartezimmer Ihrer Gynäkologin, und neben den üblichen Broschüren über Blasenschwäche liegt auch eine mit dem Titel: „Beckenboden-Training – jetzt mit Orgasmus-Garantie!“
Humbug? Von wegen! Die Wissenschaft hat soeben bewiesen: Orgasmen ohne jegliche Berührung der Genitalien sind möglich.
Eine 55-jährige Frau nach der Menopause hat Forschern der Karls-Universität in Prag vorgeführt, was die meisten für Legendenbildung hielten: Sie konnte sich einzig durch rhythmisches Anspannen und Entspannen ihrer Beckenbodenmuskulatur zum Höhepunkt bringen.
Nein, sie hat sich das nicht eingebildet, ihr genitales Glück wurde per Bluttest nachgewiesen, konkret mit Prolaktin. Dieses Hormon schießt beim Orgasmus in die Höhe, bei Frauen und Männern. Es ist sozusagen der biologische Fingerabdruck des Höhepunkts.
Hui: Nach einem 2,5-minütigen Beckenboden-Work-out stieg es bei der Probandin auf 110 Prozent des Ausgangswerts, nach zehn Minuten sogar auf satte 141 Prozent. Der Satz „Schatz, ich muss heute noch unbedingt zum Sport“ bekommt damit eine völlig neue Bedeutung. Die Frage ist nur: Wie geht das?
Ein gut trainierter Beckenboden verbessert nicht nur die Kontinenz, sondern auch die Orgasmusfähigkeit. Je stärker die Muskulatur, desto intensiver die Durchblutung, desto berauschender das Erlebnis.
Massage von innen
Nun: Die Dame hatte die sogenannte „Wellen-Technik“ trainiert, ursprünglich mit einem kleinen Jade-Ei zur Sensibilisierung der Muskulatur, später ohne Hilfsmittel. Die Forscher vermuten, dass die Beckenbodenmuskulatur jene Nerven stimuliert, die normalerweise Informationen von Klitoris, Vagina und Gebärmutterhals ins Rückenmark leiten. Quasi eine Massage von innen, aber ohne Fingerspiel.
Wie schön: Denn das funktioniert auch nach der Menopause, völlig unabhängig vom Hormonstatus. Die Teilnehmerin hatte eine Hysterektomie hinter sich, sie nahm keine Hormonersatztherapie, ihre Eierstockhormone spielten keine Rolle mehr.
Und trotzdem erlebte sie innerhalb von zehn Minuten über dreißig Höhepunkte, die ein Bluetooth-fähiges Biofeedback-Gerät als rhythmische Kontraktionen im 7- bis 15-Sekunden-Takt aufzeichnete.
Was man eh schon ahnte, ist nun fix: Ein gut trainierter Beckenboden verbessert nicht nur die Kontinenz, sondern auch die Orgasmusfähigkeit. Je stärker die Muskulatur, desto intensiver die Durchblutung, desto berauschender das Erlebnis.
Studienleiter James Pfaus bringt’s auf den Punkt: „Orgasmus ist nichts, das Ihnen Ihr Partner ,gibt’, sondern etwas, das Sie in Ihrem eigenen Körper und Gehirn kontrollieren.“ Eine Frage des Trainings.
Die Forschung will nun mit fMRI-Scans ins Gehirn schauen und herausfinden, ob diese „Non-Genitally Stimulated Orgasms“ (NGSOs) dieselben Hirnareale aktivieren wie klassische Orgasmen. Außerdem hoffen sie, dass diese Technik Frauen mit lebenslangen Orgasmusschwierigkeiten helfen könnte.
Fazit: Während die einen noch über die Existenz eines G-Punkts debattieren, hat die Wissenschaft längst das nächste Tor (ins Paradies) aufgestoßen. Also, meine Damen: Kegel-Übungen sind ab sofort keine lästige Pflicht mehr, sondern ein Investment in die eigene Lust-Infrastruktur. Und das autonom, überall machbar. Möge die Übung gelingen – und beglücken.
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