Hütte in den Bergen, Schneeschuhwanderer im vordergrund

Dachsteinquerung für Rookies: Wer steht, friert

Eine Dachsteinquerung in zwei Tagen bei zweistelligen Minusgraden – geht das ohne Erfahrung? Ja – mit guter Vorbereitung, der richtigen Ausrüstung und einer soliden Grundkondition.

Vorbereitung ist alles. Sie ist entscheidend für das Sicherheitsgefühl und für den tatsächlichen Erfolg einer Bergtour – besonders im Winter. Schlechte oder die falsche Ausrüstung, zu wenig Kondition oder Ahnungslosigkeit können fatal enden, wenn man sich mitten in die ungezähmte Natur begibt.

Zum Glück gibt es Menschen, die gerne planen, tüfteln und andere an ihrem Wissen teilhaben lassen. Einer davon ist Kollege Christoph K., der alle Jahre wieder eine lustige Truppe zusammenstellt und diese mitnimmt auf eine Dachsteinquerung. Da sind nicht nur Menschen mit viel Erfahrung und Kraft dabei, sondern auch solche, die sich erstmals im Winter mit Schneeschuhen ins hochalpine Gelände wagen. Dazu zählt die Autorin dieses Artikels.

Bestens vorbereitet

Im Vorfeld bleibt keine Frage offen: Ausrüstung, Route, Verpflegung, Anreise, Übernachtung, Kosten, Schwierigkeitslevel – alles wird erklärt, die Infos sind genau, die Vorfreude steigt. Bei der gemeinsamen Gondelfahrt zur Bergstation Krippenstein knüpfen alle, die sich nicht kennen, erste Kontakte. Immerhin sind wir zwei Tage eine Schicksalsgemeinschaft in Eis, Schnee und bei unwirtlichen Minusgraden.

Zwei Menschen im Schnee in Outdoor-Montur

Gut einpackt: KURIER-Redakteurin Claudia Stelzel-Pröll (re.)

©Claudia Stelzel-Pröll

Immer in Bewegung bleiben

Der erste Tag umfasst die Etappe zum Wiesberghaus. Der schneidende Wind auf 2.100 Metern Seehöhe macht klar: Wir müssen in Bewegung bleiben. Wer steht, friert. Finger und Zehen kühlen besonders schnell aus – trotz mehrerer Schichten an Gewand.

Das Fortbewegen mit Schneeschuhen funktioniert auch für Neulinge einwandfrei und macht großen Spaß. Ohne sie wären wir an diesem Jänner-Wochenende aufgeschmissen, der Schnee ist teils meterhoch, Spuren gibt es meist nicht. Zum Glück gehen ein, zwei „Schneepflüge“ voran, besonders Erfahrene mit viel Kraft, die den Weg für uns dahinter ebnen.

Schneeschuhwanderer im Tiefschnee

In der Spur bleiben - sonst wird es sehr anstrengend.

©Severin Mair

Navigiert wird mit Erfahrung, GPS-Geräten und anhand von markanten Punkten in der Landschaft. Die Sonne zeigt sich an Tag eins keine Sekunde, gegen Ende hin zieht ein fieser Schneesturm auf. Sturmhauben zurechtrücken, Kapuze ins Gesicht ziehen und die letzte Etappe zielgerichtet und flott absolvieren. Alle Abstecher, die auf dem Weg geplant gewesen wären, etwa zur Simonyhütte, müssen aufgrund des immer schlechter werdenden Wetters ausfallen.

Nacht im Wiesberghaus

Nach guten fünf Stunden Wanderung erreichen wir das Wiesberghaus, eine imposante Unterkunft mitten im Dachsteinmassiv. Hüttenwirtin und Pächterin Teresa Kritzinger schaukelt die siebenundsiebzig Schlafplätze. Gekocht wird frisch und exzellent – mehrere Auszeichnungen an den Wänden in der Stube erzählen davon. Das ist beeindruckend, weil das Wiesberghaus nur mit der Materialseilbahn und dem Hubschrauber mit Lebensmitteln und Co. versorgt werden kann.

Infos

Anreise
Mit dem Auto, mit 
der Bahn (Haltestelle „Obertraun Dachsteinhöhlen Bahnhof“ + Weiterfahrt mit der Bus-Linie 452) oder dem Bus. Der Parkplatz bei der Talstation in Obertraun ist im Winter kostenlos zu benutzen.

Startpunkt
Start für verschiedene Routen ist die Bergstation Krippenstein. Oben sind auch viele Touristinnen und Touristen unterwegs. Von dort erreicht man nämlich nach einer kurzen Wanderung die spektakuläre Aussichtsplattform 5fingers.


Übernachtung
Buchung und Infos  auf wiesberghaus.at

Am nächsten Morgen erwarten uns rund fünfzig Zentimeter Neuschnee – und erhöhte Lawinengefahr. Auch an diesem Tag müssen Extra-Abstecher und ein Gipfelkreuz, das wir auf dem Rückweg mitnehmen wollten, ausfallen. Sicherheit geht immer vor. Dafür begleitet uns ab den ersten Schritten im frischen Tiefschnee die Sonne. Dass der Schnee tiefer ist als noch am Vortag, merken die, die teils bis zur Hüfte einsinken und nur mithilfe wieder rauskommen. Wer in solchen Situationen allein unterwegs ist, muss eventuell Hilfe anfordern.

Gemeinsam unterwegs

Umso sinnvoller sind Touren dieser Art in einer Gruppe und mit Menschen, die Erfahrung haben. Wenige Tage nach unserer Dachstein-Expedition geistert diese Meldung durch viele Medien: Eine 59-jährige Deutsche brach mit ihren Schneeschuhen auf dem Weg zum Wiesberghaus derart tief ein, dass sie sich nicht mehr befreien konnte. Zwei Alpinpolizisten suchten nach ihr. Tatsächlich war ihr linker Fuß bis in den Schritt versunken. Nach einigen Minuten Schaufelarbeit konnte sie unverletzt aus ihrer misslichen Lage befreit werden.

Fazit: Kondition und keine Angst vor der Kälte sind entscheidend für eine Tour dieser Art. Für Schneeschuhe braucht man kein Studium und Vorsicht ist im hochalpinen Raum Pflicht. Hauruck-Aktionen, speziell in Lawinen-gefährdetem Gelände, können tödlich enden. Durch eine völlig unversehrte Tiefschnee-Decke zu stapfen, das Glitzern bei Sonneneinstrahlung und das imposante Bergpanorama als Begleiterscheinungen zu inhalieren, macht sehr glücklich. Das alles eingebettet in spannende Gespräche, gutes Essen und beste Laune ist eine unschlagbare Kombi.

Claudia Stelzel-Pröll

Über Claudia Stelzel-Pröll

Claudia Stelzel-Pröll schreibt seit 2003 im Chronik-Ressort des KURIER. Nach langem Einsatz in Wien, arbeitet die gebürtige Linzerin seit Mai 2015 in der Oberösterreich-Redaktion mit. Dabei ist sie immer auf der Suche nach spannenden Menschen mit ebenso spannenden Geschichten - bestenfalls berührend und packend, gerne anders als erwartet und dabei immer stilvoll unterhaltsam.

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