Schladming: Warum die Alpen immer mehr zur Partyzone werden
In Schladming steht mit dem Nightrace das erste, aber nicht letzte Großevent des Jahres 2026 an. Warum immer mehr Orte die Berge zur Bühne und Partyzone machen.
Die Musik könnte genauso gut in einem Beachklub auf Ibiza laufen, doch statt Sand gibt es Schnee und statt Meerblick Bergpanorama. In der schicken Alpen-Hütte „da Sepp“ auf 1.859 Meter Seehöhe herrscht hippe Partyatmosphäre: Die Bude ist draußen und drinnen voll, die Speisekarte wartet mit Millennial-Favoriten wie Burrata und Pulled Beef Burger auf und zu den House-Klängen aus den Boxen spielt ein herumwandelnder Saxofonist.
Das Logo: ein rosa Einhorn mit Skibrille. Weil hier eben alles einzigartig und vor allem instagramtauglich anmutet. Jedenfalls anders, als man es von früheren Skihütten-Einkehrschwüngen mit Humtata-Musik und Fritattensuppe gewohnt ist.
Der Boyband-Effekt in Schladming
Wobei: So einzigartig ist das Konzept gar nicht mehr. Immer mehr Skihütten und -hotels in den Alpen wollen ein jung(geblieben)es Publikum mit hoher Partyneigung und Lifestyle-Affinität ansprechen. Und Party wird in Schladming – für die, die sie suchen – ausreichend geboten. Im Winter konzentriert sich die Après-Ski-Szene im Ort auf die Hotspots Hohenhaus Tenne, Platzhirsch und Siglu (ein Iglu mit Bar). Besonders voll war es Anfang Dezember, als keine Geringeren als die Backstreet Boys (kreisch!) die Skisaison mit drei ausverkauften Konzerten im Planai-Stadion einläuteten.
Die Backstreet Boys lockten Anfang Dezember 50.000 Gäste ins Ennstal.
©Harald SteinerFünfzigtausend Besucher, davon achtzig Prozent Frauen mit einem Durchschnittsalter von siebenunddreißig Jahren, reisten an diesem Wochenende ins steirische Ski-Mekka und verwandelten die Fußgängerzone in eine dreitägige Freiluftdisco mit Neunzigerjahre-Soundtrack. Nostalgie lag in der Luft, schwärmte anschließend auch eine Besucherin mit glänzenden Augen: „Das war mehr als ein Konzert, das war ein gemeinsames Erinnern, Mitsingen, Loslassen.“
Reise-Tipps für Schladming
Klimafreundliche Anreise
Mit der Bahn, etwa von Wien mit Umstieg in Bruck/Mur in knapp 4 Stunden. oebb.at
123 Pistenkilometer
bietet die 4-Berge-Skischaukel Schladming-Dachstein, allein auf der Planai sind es rund 30. In dieser Wintersaison fahren alle Kinder bis sechs Jahre kostenlos Ski. planai.at
Nightrace 2026
Am 27. 1. findet der Riesentorlauf und am 28. 1. der Slalom auf der Planai statt.
Tickets von 13,50 € (Jugendliche) bzw. 27 € bis 737 €. thenightrace.at
Neue Unterkünfte in Schladming
- Alpine Boutique Hotel wollée: wollee.at
- Haus Zirngast Hotel & Camping: haus-zirngast.at
- nōa Hotel (ab 1. 6. 2026, Restaurant bereits geöffnet): noa-schladming.com
Von einem „Ski-Opening der Superlative“ spricht auch Mathias Schattleitner, Geschäftsführer der Tourismusregion Schladming-Dachstein. Dass das Mega-Event ohne Zwischenfälle verlief, wurde im Nachhinein auch auf den hohen Frauenanteil zurückgeführt. „Wir hatten neunzigtausend Nächtigungen, viele Konsumationen und das zu einer Zeit, in der es normalerweise noch ruhiger ist“, sagt Schattleitner zum KURIER.
Besonders hoch sei der Werbewert gewesen, Stichwort Generation Instagram: „Es waren viele glückliche Zuseherinnen da, die begeistert auf ihren Social-Media-Kanälen gepostet haben“, freut man sich beim Tourismusverband.
Die Wertschöpfung betrifft aber nicht nur Hotels und Lokale. Glücklich war am Opening-Wochenende auch Elisabeth Stocker, die den Concept Store „Hufschmiede“ am Rande der Fußgängerzone führt. Alles hier wirkt wie auf die Backstreet-Boys-Fan-Zielgruppe zugeschnitten: Es gibt Hot Aperol und Matcha Latte, man kann sich die Nägel machen lassen, Duftkerzen und Kosmetikprodukte shoppen. „Wir haben es am Umsatz ganz deutlich gemerkt, dass so viele Frauen beim Konzert waren“, sagt die Unternehmerin.
Von Schladming bis Bad Gastein: die Berge als Bühne
Anfang Juni möchte Event-Profi Klaus Leutgeb, der die Backstreet Boys ins Ennstal holte, seinen Erfolg mit dem ersten Summer-Opening wiederholen. Unterdessen wird in den verschneiten Bergen weitergefeiert – nicht nur in Schladming. In Bad Gastein etwa – das sich selbst als „Monaco der Alpen“ tituliert – fand am Wochenende das ausverkaufte Lighthouse Festival statt, wo unter Sternenhimmel zu elektronischer Musik getanzt wird.
Keine zwei Monate nach dem Opening steht auch in Schladming bereits die nächste Großveranstaltung auf dem Programm: Während der FIS-Weltcup-Zirkus am Wochenende noch in Kitzbühel gastierte, macht er diese Woche halt an der Planai. Der Flutlicht-Slalom ist seit 1997 Fixpunkt im Weltcup-Kalender der Herren, 2023 kam auch ein nächtlicher Riesentorlauf dazu.
Am Dienstag und Mittwoch finden Skiweltcup-Rennen bei Flutlicht auf der Planai statt.
©Martin HuberBuffet, Whirlpool und Live-Musik für die Generation Instagram
Auch hier hat man die Mischung aus (Passiv-)Sport und Feiern über die Jahre perfektioniert. Kauft man die teuersten Tickets, genießt man die Sicht auf die Strecke vom Dach der Hohenhaus Tenne – Buffet, Whirlpool und Live-Musik inklusive. Andere Tickets garantieren zwischen den Durchgängen einen warmen Platz und ein Abendessen auf der auf 1.800 Meter gelegenen Schafalm.
Im Idealfall locken die Bilder vom Nightrace in der Nebensaison noch Touristen an, sagt Schattleitner. Ziel sei eine Entzerrung: „In den Semesterferien und Mitte August ist die Nachfrage schon sehr hoch.“ Vor allem aus Mittel- und Nordeuropa kämen zunehmend Gäste, die bereit sind, für den „Lifestyle“-Faktor im Skiurlaub mehr Geld auszugeben. Dafür bekommen sie dann nicht nur Pulverschnee und Panorama, sondern Hütten-Burrata und goldene Saxofon-Spieler.
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