Reise-Experten verraten: Das sind unsere Lieblingsländer
Das Reisen verändert sich, doch Lieblingsdestinationen überdauern Trends. Ein Gespräch über Orte, die man ins Herz schließt.
Claudia Jörg-Brosche, Harald Braun und Conny Derdak haben eines gemeinsam – alle drei schreiben regelmäßig auf diesen Seiten im KURIER über das Reisen. Wir haben ihren Besuch genutzt, um mit ihnen über Lieblingsländer, Trends und veränderte Reisebedürfnisse zu sprechen.
KURIER: Es ist immer die gleiche Frage. Wohin soll ich reisen?
Claudia Jörg-Brosche: Die Situation ist nicht einfach momentan bei Fernreisen über die Golfregion. Die großen Hubs sind sehr volatil, sehr begrenzt. Die Leute überlegen, fliege ich in die Ferne? Bleibe ich lieber da? Ich glaube, der Reisegewinner wird Europa sein, vielleicht auch Österreich, vielleicht auch Afrika.
TV Hinweis KURIER Talk Reisen 2026
Das ausführliche Gespräch mit KURIER Reiseautor/innen über Trends, Geheimtipps und unterschätzte Destinationen. Sonntag, 5.4. um 17.30 Uhr auf kurier.tv
Welches europäische Reiseziel ist noch nicht allen bekannt?
Harald Braun: Skandinavien, Westschweden ist absolut im Trend, Göteborg. Aarhus in Dänemark könnte ich jedem empfehlen – im Gegensatz zu Kopenhagen noch nicht überlaufen und so bunt, so kreativ. Kroatien ist in den letzten Jahren extrem in den Vordergrund getreten. Die haben Italien, finde ich, ein bisschen abgelöst, was Strandurlaub angeht.
Und abgesehen davon bin ich jedes zweite Jahr in Australien. Das ist ein Land, das unbegrenzte Möglichkeiten aufweist, von Tasmanien angefangen, Westaustralien mit Perth ist großes Thema. Die sind sind sehr reich geworden durch die Bodenschätze, die sie haben, sie setzen es aber auf eine gute Art und Weise ein. Eine Sache, die ich immer interessant finde, ist, wie einzelne Menschen bestimmte Atmosphären in einer Stadt oder in einem Landstrich beeinflussen können. In Perth wird das ganze Nachtleben von Clint Nolan beeinflusst. Er hat acht oder neun unterschiedliche Bars, Restaurants, Eventräume. Und da entwickelt sich ein ganzes Nachtleben rum, auch Nachahmer. Und da passiert unglaublich viel.
Conny Derdak: Queensland ist auch sehr sehenswert, da hast du einfach alles: Dschungel, Outback, das Great Barrier Reef. Kann man auch gut mit dem Wohnwagen bereisen, das habe ich gemacht.
Und in Europa?
Conny Derdak: Ich glaube, dass die Flugtickets jetzt teuer werden. Südtirol ist im Moment sicher ein gutes Ziel. Die Menschen in Südtirol sind ganz toll. Die haben einerseits das Tirolerische, aber auch das Mediterrane, Laissez-Faire von den Italienern. Ich finde es landschaftlich wahnsinnig schön. Es gibt aber auch tolle Städte. Zum Beispiel Glurns, die kleinste Stadt Südtirols, ist mittelalterlich, da fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Südtirol hat auch extrem gutes Essen, viele Michelin-Sterne, ausgezeichnete Hotels.
Aktuell sind Zugreisen empfehlenswert: Zum Beispiel nach Südtirol.
©Cornelia DerdakWird bei all den Krisen der Heimaturlaub wieder groß?
Jörg-Brosche: Ich glaube, die Leute wollen schon verreisen, nicht zu Hause bleiben. Mein Tipp wäre Korsika. Ist auch mit dem Zug oder mit dem Auto und der Fähre erreichbar. Und es gibt neue Flüge von Air Corsika. Korsika bietet hohe Berge, Sandstrände wie in der Karibik, nette Städte, großartiges Essen, man kann wandern ohne Ende oder in Flüssen baden. Das ist ganz toll: Die werden im Sommer warm, das heißt, du kannst im Süßwasser und im Salzwasser baden.
Welche Destinationen liegen euch besonders am Herzen?
Derdak: Kambodscha. Das ist ein Ort, der vielleicht im Moment nicht so gut erreichbar ist. Aber irgendwann wieder. In Kambodscha freuen sich die Menschen über Tourismus, weil sie gerade dabei sind, ihre Identität wiederzufinden. In den Siebzigern wurden durch die Roten Khmer ungefähr zwei Millionen Menschen umgebracht, die Kultur ausgerottet, Künstler, Intellektuelle. Jetzt ist dort die Durchschnittsbevölkerung 26 Jahre alt. Das sind junge Leute, die herzeigen wollen, was sie zu bieten haben.
Braun: Ich fahre gern nach Finnland, weil man da die dubiosesten, bizarrsten, absurdesten Menschen vorfindet. Sie haben wirklich eine sehr merkwürdige Art und Weise, dem Leben zu begegnen.
Sauna, Outdoor-Pool und lustige Hauben: Die Finnen sind die glücklichsten Menschen der Welt.
©Harald BraunJörg-Brosche: Ich habe ein Lieblingsland: Georgien. Eine Mischung aus alter Kultur, aus krachmoderner, neuer Architektur und hohen Bergen. Mich begeistert die Bevölkerung. Die sind zwar bitterarm, aber gut drauf und feiern ständig Feste. Wir waren in einem Gästehaus, im Nebenzimmer war Krach und Party. Man hat uns gesagt: „Kommt nachher rüber, wir feiern Geburtstag.“ Wer hat den Geburtstag? „Der Sohn des Hauses.“ Wem dürfen wir gratulieren? Sie schaut uns groß an und sagt: „Der ist nicht da, der lebt ja im Ausland. Aber wir feiern ihn.“ Das ist typisch Georgien.
Was ich auch sehr gern mag, ist die norwegische Fjordküste. Mich fasziniert immer die Kombination aus Bergen, Natur, Meer und Licht. Im Juni oder Mai wird es mit der Mitternachtsonne nie finster. Wir hatten in Tromsø ein Erlebnis. Wir waren um Mitternacht in einer alten Kirche in einem Konzert. Dann gehst du um halb zwei Uhr in der Früh raus und setzt die Sonnenbrille auf, weil das Licht so hell ist. Und das ist ein ganz eigenes, ganz goldenes Licht. Und du denkst dir: Wie soll ich jetzt schlafen? Du kannst auch nicht die Batterien runterfahren. Du bist ja hyperaktiv. Du rennst um eins noch irgendwo auf einen Berg rauf.
Georgien: Für Reiseautorin Claudia Jörg-Brosche das tollste Land der Welt.
©Claudia Jörg BroscheBraun: Noch ein Lieblingsort von mir ist Norderney. Das galt in den 60er und 70er-Jahren als Kegelklub-Hochburg. Dann hat eine Familie aus Bremen ein Hotel aufgemacht und dann noch zwei, drei mehr. Die haben eine Allee mit ein paar sehr modernen Hotels und Eventräumen aufgemacht - die Milchbar, den Seesteg. Es ist noch nicht Sylt, aber es geht in die Richtung. Da hat sich eine Mischung gebildet aus Leuten, die es ein bisschen schöner haben wollen. Da wird auch sehr nachhaltig gearbeitet, auch was Kulinarik angeht. Da kommt immer mehr dazu. Da hat ein Physiker in seinem eigenen Haus eine Brauerei eröffnet. Man findet inzwischen tolle Urlaubsverhältnisse vor, gerade im Sommer. Auch für Familien. Und das es landschaftlich schön ist, an der Nordsee, das ist eh klar.
Klingt auch nach Retro-Urlaub.
Derdak: Retro-Urlaub kannst du in Apulien verbringen. Ähnlich schön wie die Amalfiküste. Die Menschen sind auch sehr ursprünglich. Das ist nicht Etepetete. Da gibt es viele Bauern und einfache Leute. Das Essen ist gut und günstig. Du kannst einen ganz tollen Roadtrip machen. Es ist sehr abwechslungsreich und schön und gut und günstig.
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