Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem rustikalen Holztisch im schwedischen Wald und genießt gemeinsam ein Essen.

Outdoor-Paradies Schweden: "Die 1. Regel des Pilzklubs lautet, stirb nicht!"

In den Wäldern Smålands findet man neben Pilzen und Beeren, auch Fine Dining zum Mitmachen, beheizte Badewannen und Kaffeekultur.

Pilz-Guide Stuart Hippach ist es, der der Gruppe mit einem Augenzwinkern rät, am Leben zu bleiben, als er den Anwesenden Körbe in die Hand drückt. Er sorgt dafür, dass seine Schützlinge sich auf der Suche nach Essbarem in den schier endlosen Wäldern von Småland weder verirren noch vergiften

Der gebürtige Engländer macht sich im Frühling auf die Suche nach frischen Kräutern, im Sommer und Herbst nach Pilzen. Vor vier Jahren hat er seinen Job als Berater für multinationale Konzerne aufgegeben. Seither stapft er durch die Wälder in Schwedens idyllischer Mitte und erklärt Interessierten, welche Köstlichkeiten die Natur zu bieten hat.

100 essbare Pilze - und 10 tödliche

Tausende Pilzarten gibt es in Schweden, schwärmt er, zehn davon sind tödlich, jedoch hundert essbar. Davon werden aber nur ein bis fünf Prozent gesammelt. Eine Verschwendung, die ihn ärgert.

Karte von Südschweden mit Städten, Seen, Inseln und Nachbarländern sowie einem Europa-Ausschnitt zur Lageeinordnung.

Småland liegt im Zentrum Südschwedens. Hier lebten Astrid Lindgren und ihre Pippi Langstrumpf, aber auch der Gründer von Ikea stammt aus Småland. 

©Grafik

Einmal habe er einen fünfunddreißig Kilo schweren gelb-orangen Pilz aus dem Wald geschleppt, der nach Huhn schmeckt. Angeberei? Ein Blick aufs Handy bestätigt, den „Chicken of the Woods“ gibt es wirklich. Er wächst auf Baumstämmen und kann bis zu fünfundvierzig Kilo schwer werden. Auf Deutsch heißt er Gemeiner Schwefelporling, sein Aroma nach Geflügel entwickelt er erst bei der Zubereitung.

An diesem Tag sucht die Gruppe jedoch nach Steinpilzen, die gut zu Irish Whiskey passen, oder Eierschwammerl, die mit Cognac harmonieren. Neben Wissenswertem über Pilze und Beeren hat Stuart auch kulinarische Empfehlungen im Repertoire.

Infos

  • Anreise: Flug ab Wien mit Austrian Airlines direkt nach Göteborg-Landvetter. Dann weiter mit dem Mietwagen. -Kompensation via atmosfair.de: 32 €
  • Übernachten und Dining: Die Dining-Experience „Edible Country“ ist vom Do-it-yourself-Paket bis zum Dinner mit eigenem Koch buchbar. Dining und Zimmer im Asa Herrgård über asaherrgard.se
  • Übernachten und Waldbaden: Das Trakt Forest Hotel bietet Hütten mit Panoramafenstern zwischen den Bäumen, Sauna am Seeufer und Whirlpool sowie die beheizbare Badewanne, traktforesthotel.com
  • Mehr Infos über Schweden: visitsweden.de

Wer suchet, der schlemmet

Sammeln zum Eigengebrauch ist in Schweden erlaubt. Das Allemansrätten (Jedermannsrecht) garantiert jedem, sich frei in der Natur zu bewegen, zu wandern, zu zelten und Essbares zu sammeln. Vorausgesetzt, man respektiert die Natur, stört und zerstört nichts. Beim Streifzug zwischen moosbewachsenen Steinen und hoch aufragenden Nadelbäumen versteht man, warum das den Schweden so wichtig ist.

An diesem kühlen Tag ist die Ausbeute allerdings gering. „Der nicht“, lautet allzu oft Stuarts Urteil, bevor der wider Erwarten doch nicht wohlschmeckende Pilz in hohem Bogen zurück in den Wald fliegt.

Koch Potus kocht im Wald an einer Feuerstelle mit mehreren Töpfen und Pfannen über offenem Feuer.

Koch Potus beim Schwammerl-Brutzeln über offenem Feuer.

©Marianne Lampl

Plötzlich taucht zwischen den Bäumen eine aufwendig gedeckte Tafel auf, daneben sind Koch Potus vom Hotel „Asa Herrgård“ und sein Team emsig am Lagerfeuer beschäftigt. Sie legen letzte Hand an ein Drei-Gänge-Menü und warten schon auf die Pilze. Scharf über dem Feuer angeröstet sollen sie auf die Teller. Zum Glück hat das Personal zur Sicherheit selbst welche mitgebracht – für den Fall, dass die Pilzsammler ohne reiche Beute eintreffen, wie uns Koch Potus zuflüstert.

Das Hotel, ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, liegt nur wenige Kilometer entfernt am nördlichsten Punkt eines hundertzwanzig Kilometer langen Seenkomplexes. Von dort könnte man sich auch per Quad zur Tafel im Wald bringen lassen. Den „Edible Table“, wie das Fine-Dining-Erlebnis, bei dem Gäste mitanpacken dürfen, heißt, wird nur nach Voranmeldung angeboten. Denn wenn die Crew in den Wald abtaucht, bleibt die Küche im Resort kalt. 

Kochen, Whirlpool, Sauna - alles spielt sich draußen ab

Orte, um die Seele in der Natur baumeln zu lassen, gibt es trotzdem genug. Beim Fischen oder Kanufahren, beim im „Asa Herrgård“ angebotenen Kochkurs, beim Yoga, Fischen, Jagen, im Outdoor-Whirlpool oder der Sauna.

Ein gefangener Fisch hängt an einer Angelschnur über einem ruhigen See mit bewaldetem Ufer und blauem Himmel.

Traumdestiantion für Angler: In Småland reiht sich ein idyllischer See an den nächsten. 

©Marianne Lampl

Währenddessen haben die Gäste beim Anrichten der Speisen mit angepackt. Die geschmorten Pilze, Salat, zart schmelzendes Reh mit Erdäpfelschmarrn und den in Schweden omnipräsenten Preiselbeeren in Oberssauce kommen auf den Tisch.

Vielleicht ist es das Moos unter den Füßen, der Himmel über den Köpfen oder die Befriedigung, dass man selbst an der Entstehung des Festmahls beteiligt war, die das Essen so gut machen. Selbst die Nachspeise kommt direkt von der Feuerstelle: Am Lagerfeuer gepopptes Popcorn mit Beeren und Karamellsauce. Dazu gibt es Kaffee.

Zwei Personen schenken auf einer Holzbank im Wald Kaffee aus Thermoskannen aus.

Volkssport Kaffeepause
Fika ist in Schweden nicht nur eine Kaffeepause, es ist ein soziales Ritual und findet zu jeder Tageszeit und an jedem Ort statt. Dazu gehören Filterkaffee, etwas Süßes (wärmstens empfohlen: schwedische Zimtschnecken Kanelbullar) und Gesellschaft. Unbedingt Handy weglegen! 

©Marianne Lampl

Schwedisches Lebensgefühl ist trinkbar und hat einen Namen: "Fika"

Der wird in Schweden nicht nur getrunken, sondern zelebriert, erklären uns die Einheimischen stolz. „Fika“, schwärmen sie, bedeutet bewusstes Entschleunigen. Eine Pause, für die morgens oft ganze Firmen stillstehen und für die man beim Wandern gern eine Thermoskanne mitschleppt.

Durchgefroren, aber glücklich geht es zurück zum Herrenhaus. Dort warten am Seeufer Sauna und Whirlpool, um den Tag mit dem schwedischsten aller Zeitvertreibe wohlig warm zu beenden. Auf das Zimmer geht es anschließend nur zum Schlafen.

Zwei Frauen entspannen in einem mit Holz beheizten Badezuber im Wald.

Baden unter Bäumen
Waldbaden im eigentlichen Sinne: Silva Spa, nach dem lateinischen Wort für Wald, nennt sich die mit Holz beheizte Badewanne zwischen Bäumen im Trakt Forest Hotel, ein Stück weiter stehen Open-Air-Whirlpools. Die Stille verleiht dem Erlebnis eine neue Dimension. Perfekt, um runterzukommen  – allein oder zu zweit.

©Marianne Lampl

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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