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Frühling am Meer: Wo schon Stars an der Adria Urlaub machten

Frühlingszauber in Opatija – das ehemalige Seebad der österreichisch-ungarischen Monarchie bietet prächtige historische Gebäude, wunderbare Parks und Gärten, feine istrische Küche und viel Lebensfreude.

Dem grau-nassen Wetter in Wien entflohen, ist der Reisende nach nur wenigen Autostunden in einer anderen Welt und einer anderen Zeit angekommen. Hier in Opatija, dem Sehnsuchtsort der Monarchie an der Adria, lässt das milde Frühlingsklima Bäume und Sträucher in den zahlreichen Parks austreiben, bereits im März blühen die Kamelien, das Wahrzeichen der Stadt. Ein Drink am zwölf Kilometer langen Uferweg, der Lungomare-Promenade, in der schon wärmenden Sonne, während man in Wien noch den Wintermantel braucht.

Man muss kein verkappter Monarchist sein, um die Schönheit der historischen Bauten, das nostalgische Flair und die Eleganz der Kleinstadt zu genießen, die einst als „Königin der Adria“ galt. Was dem russischen und englischen Adel die Côte d’Azur, war Opatija (früher auf italienisch Abbazia), für die österreichische und ungarische Aristokratie. Abgeschirmt vom Gebirgsmassiv Učka, entstand in der Kvarner Bucht im 19. Jahrhundert der zweitgrößte Kurort der Monarchie, nur Karlsbad war größer.

Zuerst die Royals ...

Der Aufstieg des ehemaligen Fischerdorfs begann mit dem Bau der Eisenbahn und der Villa Angiolina, einem Herrenhaus, das der reiche Geschäftsmann und Freimaurer Iginio Scarpa als Sommerresidenz für den Adel errichtete. Zuerst kamen die Royals, Kaiser Franz Joseph, Wilhelm II. und der schwedische König waren hier. Kronprinzessin Stephanie und Kronprinz Rudolf logierten im heute noch feudalen „Hotel Imperial“, dem zweitältesten Haus am Platz. Mit einem prächtigen Speisesaal, der jedem Ballroom der Wiener Palais Konkurrenz machen kann. Dem Adel folgte bald das wohlhabende Bürgertum. Opatija war billiger als die damals schon überteuerte Côte d’Azur und es entstand eine Villa nach der anderen. Inmitten von wunderbaren Gärten und Parks, in denen mehr als hundertfünfzig Pflanzenarten blühen, von Magnolien und Tausenden Rosen bis zu Eukalypten und Bambus. Dank des üppigen Grüns ist das Klima selbst im Hochsommer erträglich. Ein Erbe des 1889 zum „Curort“ ernannten Seebads sind heute die Wellness-Zentren in etlichen Hotels.

Bei so viel Schönheit passen sich auch die Gäste an und legen eher Wert auf gepflegte Feriengarderobe. Horden von Billig-Touristen in Badeschlapfen, tief ausgeschnittenen Tanktops und wenig kleidsamen Shorts sind im Stadtbild erfreulicherweise die Ausnahme.

... dann die Stars

Wer hierher kommt, um Badeurlaub zu machen, wird allerdings enttäuscht sein. Die Adria ist kristallklar, aber Opatija hat keine Strände, ins Meer gelangt man nur über Betonmolen und Metalltreppen. Doch nach Opatija reist man ohnehin nicht, um den Tag am Strand zu vergeuden. Opatija lockte Künstler und Wissenschafter an. Gustav Mahler, Albert Einstein, James Joyce, Kirk Douglas, Robert de Niro, Vladimir Nabokov, Isadora Duncan – im Stadtpark erinnern überlebensgroße Gemälde am „Wall of Fame“ an die prominenten Gäste.

Trotz aller Nostalgie ist die Stadt keineswegs verschlafen und altmodisch, sondern bietet hinter den historischen Fassaden der Grand Hotels und Gästevillen durchaus modernen Komfort.

Dazu gehört auch die feine, istrische Küche, basierend auf den Früchten des Meeres und kontinentalen Zutaten. Die Region ist bei Feinschmeckern bekannt für die Kvarner Scampi, wilden Spargel und Trüffel. Es muss nicht immer ein Haubenlokal sein, auch in den kleinen, rustikalen Konobas wird man bestens verpflegt. Viel Wert wird auch auf eine sehr gute Weinkultur gelegt. Und das „Café Strauss“ im Hotel „Palace Bellevue“ zelebriert Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre.

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Heritage Hotel Imperial

©Gitone

Retro-Festival

Und die rund elftausend Einwohner feiern leidenschaftlich gerne. Beim dreitägigen „Retro Opatija“, dem größten Festival in der Region, macht die ganze Stadt Party. Fast alle Bewohner stylen und kostümieren sich, als Charleston-Girls, Rock’n’Roller, Hippies oder 1980er-Jahre Glamour-Sirenen. Der Oldtimer-Klub stellt dazu seine chrompolierten Glanzstücke aus.

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„Retro Opatija“ – die ganze Stadt feiert im Sommer drei Tage lang Party. 

©Andrea Hodoschek

„Wir haben jeden Monat Feste, nur im Jänner nicht, da müssen wir ausruhen“, erzählt Liliana Stipanić. Die Tochter eines Fischers war viele Jahre Managerin in der regionalen Spitzenhotellerie und ist heute als Chefin einer Tourismus-Agentur quasi die Botschafterin von Opatija.

Auf dem Holzschiff

Ein Erlebnis sind die Ausflüge auf der Bracera „Tornado Blu“, einem liebevoll sanierten Holzschiff aus dem Jahr 1898. Ehemann Roni steht am Steuerruder, Liliana bereitet in der Bordküche das Menü zu. Am Morgen gefangenen Fisch und Bio-Gemüse aus ihrem Garten. Dazu ein Gläschen Malvasia, während man fröhlich die adriatische Riviera entlangschippert.

Info

Anreise Mit der Bahn keine Direktverbindung, umsteigen z. B. in Ljubljana oder Triest, dann weiter mit Bus  oder Abholung per Shuttle. Mit dem Auto von Wien rund 500 Kilometer, Fahrzeit knapp sechs Stunden. In der Sommersaison Flüge nach Rijeka (vierzig Kilometer entfernt).

Übernachten Die Liburnia-Hotelgruppe betreibt zwölf Häuser in Opatija. Historisches Flair mit Komfort bieten die Heritage-Hotels Imperial, Kvarner (mit  berühmter Seafood-Terrasse direkt am  Meer), Palace Bellevue und die Villa Amalia. Frühbucher-Aktion ab 105 € pro Zimmer inkl. Frühstück (Imperial).  

Ausflug Mit einem alten Holzboot entlang  der Küste, an Bord wird frisch aufgekocht.  rivieraboattours.com

Auskunft

visitopatija.com 
liburnia.hr 
croatia.hr/de-de 

Andrea Hodoschek

Über Andrea Hodoschek

Leidenschaft: Wirtschaft. 2011 und 2012 von den Lesern des Branchenmagazins Extradienst zur "Wirtschaftsjournalistin des Jahres" gewählt 2012 Auszeichnung mit dem "Wiener Journalistinnenpreis" In der Begründung der unabhängigen Jury des Frauennetzwerk Medien wird vor allem Mut und Beharrlichkeit der journalistischen Arbeit herrausgestrichen: "Andrea Hodoschek recherchiert akribisch auch durchaus trockene Wirtschaftsmaterien und macht aus ihren Recherche-Ergebnissen gut lesbare, spannende und auch bei komplexen Sachverhalten verständliche Geschichten. Sie deckt Missstände auf, berichtet wie sich's die, "die das Gold haben", richten können, zeigt Verknüpfungen zwischen Wirtschaft und Politik auf, auch wenn dies manch Mächtigem aufstößt. Andrea Hodoschek steht kontinuierlich für qualitätsvolle Wirtschaftsberichterstattung, die sich auch an den Interessen ihrer Leserschaft orientiert", erklärt die Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien, Karin Strobl, die Entscheidung der Jury. 2017 Auszeichnung mit dem "AREX 2017" in der Kategorie "investigativer Journalismus" Die Jury-Vorsitzende Helga Tomaschtik begründete die Entscheidung mit der "kontinuierlich hohen Anzahl an qualitativ hochwertigen Exklusiv-Stories seit vielen Jahren". Eine der wesentlichen Grundregeln des Journalismus, "be first, but be right", treffe auf die Preisträgerin hundertprozentig zu. Im Mai 2019 mit dem Prof. Horst Knapp-Preis ausgezeichnet. Der Jury-Vorsitzende, Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, hielt die Laudatio bei der feierlichen Preisverleihung im Bank Austria Kunstforum. Doris Tomanek, langjähriges Vorstandsmitglied der Bank Austria, überreichte den Preis für herausragende Leistungen im österreichischen Wirtschaftsjournalismus. Andrea Hodoschek "ist eine Vollblutjournalistin. Ihr Name bürgt für höchste journalistische Qualität. Sie bietet Woche für Woche spannende, zum Teil auch brisante Exklusivgeschichten aus dem Wirtschaftsleben, sozusagen aus dem Maschinenraum wichtiger österreichischer Unternehmen". Im Oktober 2024 zur Vizepräsidentin des Klubs der Wirtschaftspublizisten gewählt. Hobby: Schach

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