Wie Cortina d'Ampezzo mit Olympia, Kultur und Catwalk punktet
Wo einst Toni Sailer und Kristian Ghedina am Podest standen, lodert das Olympische Feuer. Cortina d'Ampezzo wetteifert neben sportlichen Disziplinen in Sachen Kunst, Kulinarik und neuen Luxus-Hotspots.
Schon von weitem sieht man die rote Gondel vor blitzblauem Himmel schweben. Wer vom schicken, mit Sternen gesegneten Alto Adige über den Falzarego-Pass vorbei an der Talstation der spektakulären Lagazuoi-Gondelbahn nach Cortina fährt, kann sich über zahlreiche neue Fünf-Sterne-Hotels freuen, die zudem dank der fünf olympischen Ringe erstrahlt sind. Cortina d’Ampezzo hat sich modernisiert.
Hier in Cortina d'Ampezzo brennt das Olympische Feuer. Die Original olympischen Ringe sind auch in der Online-Ausstellung Stormy Peaks zu sehen
©Welley FlorentinaCortinesi (Familien, die zugezogen sind) und Ampezzani (Familien, die seit Generationen hier leben) wollten sich anlässlich der Eröffnung der Olympischen Spiele neu aufstellen, denn die Olympia-Lorbeeren von 1956 waren längst verblasst. Luxusgeschäfte hatten viele Ruhetage, Sportanlagen, Hotels und Restaurants waren veraltet. Nur die Dolomitenkulisse mit den Cinque Torri (fünf Türme, siehe Cover) blieb immer imposant. Sie zählt zu den Wahrzeichen von Cortina d’Ampezzo.
Es brauchte Zeit, bis sich der legendäre Wintersportort wieder modernisiert hat. Auch das Olympische Feuer der Milano Cortina 2026 hat 2.200 Kilometer zurückgelegt, bevor das Hauptfeuer bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele am Freitag im San-Siro-Stadion in Mailand angekommen ist. Natürlich bringt es auch Cortina selbst bis zum 22. Februar zum Glühen. Wie etwa das legendäre Olympia-Eisstadion, über dessen Eingang die Feuerschale aus 1956 und die fünf olympischen Ringe im Original erhalten wurden. Oder auch das neue Cortina Sliding Centre.
Über den FalzaregoPass kommt man von Südtirol nach Cortina. Hier ist auch die Talstation der Gondel auf den Lagazuoi
©bandion.itObwohl die Diskussion um die Restaurierung der ehemaligen Eugenio-Monti-Bobbahn im Vorfeld ebenso hitzig war wie das Feuer selbst. Schließlich soll die Bobbahn im Ortsteil Ronco, die sich jetzt komplett überdacht über Cortinas Hänge bis ins Zentrum schlängelt, rekordverdächtige 120 Millionen Euro gekostet haben.
Die neue Bobbahn schlängelt sich über die Hänge bis ins Zentrum von Cortina
©CreditIm Zuge des Makeovers wurden auch Luxushotels restauriert und erweitert, etwa das legendäre Hotel Ancora Cortina am Corso Italia oder das Wellness-Hotel de Len. Zudem wurden neue Luxusgeschäfte eröffnet und das Gastro-Angebot auf den Berggipfeln und in Cortina verbessert.
Mitten am Corso Italia: das neu renovierte Hotel Ancora Cortina
©CreditWinterspiele mit Kunst & Kultur
Auch auf Kunst und Kultur haben die Veranstalter nicht vergessen und gleichzeitig mit Olympia 2026 eine Kultur-Olympiade eröffnet, die sich mit Side-Events in Milano und Cortina wie auch mit virtuellen Ausstellungen bemerkbar macht, um olympische und paraolympische Werte durch die Kultur, das Erbe und den Sport im Zeichen der Winterspiele Milano Cortina 2026 zu fördern. Ansonsten geben sich die Cortinesi selbst eher gelassen gegenüber dem Olympia-Fieber. Nur manche Bewohner zeigen Flagge und haben das offizielle dunkelblaue Gedenkemblem für die Olympischen Spiele 1956–2026, das die Gemeinde Cortina d'Ampezzo an alle Einwohner verteilt hat, sichtbar angebracht – an Hausfassaden und in den Schaufenstern der Geschäfte, vom Luxusschneider bis zur kleinen Bäckerei.
Der schicke Coros Italia mit Luxusshops und der Basilika Philippus und Jakobus im Hintergrund
©CreditUnd in vielen kleinen Pasticcerie, Bars und Hotellobbys flimmern Videos über Screens, die das legendäre Olympia von anno dazumal mit der Schickeria und dem bunten Jetset-Lifestyle der 1960er-Jahre zeigen, um an Zeiten zu erinnern, die den Ruf von Cortina 1956 als „Königin der Dolomiten“ und noblen Wintersportort begründeten.
Catwalk am Corso
Wer heute im Zentrum über den Corso Italia und die kleinen Nebengassen flaniert, wird nicht nur von den internationalen Luxusshops von Dior, Tod’s oder dem neuen Modetempel von Franz Kraler geblendet, sondern auch von Kunstgalerien mit sündteuren Werken von Igor Mitoraj bis Julian Schnabel in den Auslagen am Corso Italia. Hier flanieren neben Wintersportlern in Luxus-Skioutfits auch die eleganten Ampezzani, um auch im einzigen Kaufhaus der Stadt, der Cooperativa di Cortina zu shoppen, das seit 1893 zum Wahrzeichen Cortinas zählt.
Wellnessen im neu renovierten Hotel de Len, mitten in Cortina
©CreditAuch neue Kulinarik ist in Cortina eingezogen und Ampezzani wie Cortinesi pilgern in die neue Antica Bottega del Vino am Corso Italia oder auf die schöne Terrasse des Feinkostgeschäfts Le Eccellenze di Esselunga mit freiem Blick auf die Olympia-Pisten auf der Tofana.
Das berüchtigte „Kanonenrohr“, eine schwarze Rennpiste der Olympischen Spiele
©CreditWährend andere die ruhige Lobby und die kleine Bar im Hotel de la Poste bevorzugen, die heute noch den diskreten Vintage-Charme von damals versprüht und nach wie vor Treffpunkt von internationaler Prominenz ist.
Im gemütlichen Restaurant Hotel de la Poste trifft sich nach wie vor die Prominenz
©Welley FlorentinaNatürlich wurden auch die Gebäude der Architekten für die Olympischen Spiele 1956 restauriert: Edoardo Gellner baute neben dem bekannten Villaggio ENI in Borca di Cadore auch das Telve-Kommunikationsgebäude, in das damals die Journalisten strömten sowie ein Nebengebäude der Post, in dem die Olympioniken wohnten. Skisprungschanze, Bobbahn und Eisbahn sowie die Gebäude Telve und Postamt bildeten die für die Spiele 1956 konzipierte Infrastruktur und wurden zum Sinnbild für neue Architektur in den Dolomiten.
Kunst, Pisten & Olympia
Wer auf dem Weg zum berühmten Eisstadion ist, könnte sich im paläontologischen Museum wärmen, bevor es weiter zur neuen Eisbobbahn geht. Oder sich in der Lobby im schicken Traditionshotel Ancora Cortina niederlassen, um dort gemütlich Schnee und Berge der Kultur-Olympiade am iPhone zu genießen. In Form der Online-Ausstellung „Stormy Peaks“ von Photology, die über eine interaktive 3-D-Plattform zugänglich ist und die Beziehung zwischen Landschaft, Erinnerung und zeitgenössischer Transformation untersucht.
Fotokunst von Olivo Barbieri in der Online-Ausstellung Stormy Peaks
©courtesy photology/olivo barbieri„Wir wurden direkt vom Olympischen Komitee angefragt mitzumachen, weil Kunst die Seele öffnet und die Kultur der Region verbreitet“, erzählt Davide Faccioli, der auch 1992 die erste Helmut-Newton-Fotoausstellung nach Cortina brachte und seine Photology Online-Galerie während der Pandemie gründete.
Online sind die Berge zwar einladend, machen aber Lust auf Schnee und die eisigen Olympia-Pisten Cortinas. Und auch dort gibt es neue Gondeln und Seilbahnen, von denen manche noch nicht fertiggestellt sind. Denn was das Olympische Feuer eint, trennt wiederum so manche Diskussion, etwa über die lange geplante Socrepes-Bahn, die direkt vor dem Hotel de la Poste zur Piste und zum schicken neuen Gourmet-Tempel auf 1.360 Metern, dem Chalet Franz-Kraler-Club-Moritzino, führen soll.
Das schicke 5-Sterne-Chalet Franz Kraler-Club-Moritzino in Socrepes
©Welley FlorentinaAm Fuße der Tofana speist man köstliche 5-Sterne-Plini von Chefkoch Graziano Prest. „Luxushütten waren in Italien nicht so verbreitet wie bei uns in Südtirol“, sagt Alexander Craffonara, Mitbegründer der Hütte. Er hat auch hier, wie schon am Piz la Ila in Alta Badia, die junge Hautevolee mit feinster Sterne-Küche und besten live DJ-Auftritten bewirtet, um an den Après-Ski-Glam der 1960er-Jahre anzuknüpfen.
Sterne-Küche im Franz Kraler-Club-Moritzino in Socrepes
©Welley FlorentinaIn Cortina gewann ja 1956 Toni Sailer, und auch Kristian Ghedina ist auf der Rennstrecke „Olimpia delle Tofane“ zu Hause. „Früher bin ich die Tofana Schuss gefahren für die WM-Damenrennen als Vorläufer, mit offenen Skischuhen, Normalgewand und 130 km/h“, erzählte einmal Ex-Skichampion Kristian Ghedina über die Pomedes-Piste, auf der er oft noch als VIP-Skilehrer unterwegs ist. „Die Rennen bin ich immer mit derselben Unterhose gefahren, obwohl ich nicht abergläubisch bin.“ Damals auch die Herrenabfahrt mit dem berühmten Ghedina-Sprung. Auf der Tofana liegt auch das berüchtigte „Kanonenrohr“, eine schwarze Rennpiste der Olympischen Spiele. „Die Piste 43 wurde vor Olympia komplett vereist und gesperrt. Die Athleten haben ihre Skikanten auf 86 Grad geschliffenen, normal sind bei uns 89, 90 Grad“, erzählt Skilehrer Mauro Devich auf der urigen Hütte Duca d’Aosta. „Il Caminetto, bei der Tribüne im Rumerlo Zielbereich, ist die einzige Hütte die bei Olympia geöffnet hat. Sie gehörte bis vor zwei Jahren Flavio Briatore.“
Die urige Hütte Duca d Aosta
©Welley FlorentinaAuch auf dem gegenüberliegenden Monte Faloria gibt es einen neuen Gourmet-Hotspot: Zur Berghütte fährt man mit der Faloria-Seilbahn auf 2.123 Metern auch schnell einmal nur zum Dinner hinauf in die Lounge-Bar, mit Blick auf den Monte Cristallo und über das schöne Ampezzaner-Tal.
Vom Falzarego Pass aus hat man auch eine herrliche Aussicht auf die Dolomitenkulisse von Cortina, die Cinque Torri
©Marco SantiniKuriose-Fakten. Wussten Sie, dass…
… die Bobbahn 1956 offen war und sich jetzt komplett überdacht auf 1.445 Metern mit einem Höhenunterschied von 107 Meter durch Cortina schlängelt?
… die ersten Medaillen schon ab heute vergeben werden?
... dass die olympischen Feuerschalen am Arco della Pace in Mailand und auf der Piazza Dibona in Cortina stehen?
Und hier die olympischen Disziplinen die in Cortina stattfinden:
- Women Alpine Skiing 8-18 February, at Tofane Skiing Centre (Olympia delle Tofane slope)
- Curling 4-22 February, at Curling Olympic Stadium
- Bob 15-22 February, at the Cortina Sliding Centre
- Skeleton 12-15 February, at the Cortina Sliding Centre
- Luge 7-12 February, at the Cortina Sliding Centre
- Wheelchair Curling 4-14 March, at Curling Olympic Stadium
- Para Alpine Skiing 7-15 March, at Socrepes Skiing Centre
- Para Snowboard 7, 8, 14 March, at Socrepes Skiing Centre
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