Lagos, Nigeria: Schock-Reise in die Chaos-Metropole
Ein Lokalaugenschein in der Millionenmetropole Lagos. Um überhaupt nach Nigeria zu kommen, braucht man aber gute Nerven, Glück und Geld.
Einen Urlaub in Nigeria wird wohl kaum jemand buchen, obwohl der Süden des Landes zumindest politisch ziemlich safe ist. Ein Aufenthalt in Lagos, die Metropolregion hat etwa 25 Millionen Einwohner und ist fast so groß wie die Steiermark, hat aber durchaus einiges zu bieten, und zwar nicht nur das angeblich hipste Nachtleben Afrikas.
Floating Villa, Fischmarkt, Lagos, Nigeria
©Wolfgang GodaiDass Lagos mit seinen Menschenmassen ein Problem hat, merkt man schon auf der Fahrt ins Hotel. Auf den meisten Stadtautobahnen herrscht hoffnungsloser Stau. Wer die neue Mega-Brücke in die „besseren“ Hotel- und Wohnviertel Victoria Islands endlich erreicht hat, kann nur kurz aufatmen. Bereits bei der Abfahrt steht wieder alles. Vor der Brücke liegt der Stadtteil Makoko, und dessen Bewohner haben andere Probleme als den Stau.
Er liegt teils unter dem Meeresspiegel der ohnehin häufig überfluteten Stadt, hier lebt fast eine Million Menschen in elenden Stelzenhütten zwischen Müll, Schlamm und Dreck. Sie nennen es selbst das „Venedig Afrikas“, weil man sich nur mit Booten durch die zahlreichen engen Kanäle fortbewegen kann. Touristen können eine Tour buchen, brauchen dafür aber gute Nerven. Die Armut ist schrecklich, man bekommt die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Wenigstens verdienen ein paar der meist freundlichen und gar nicht fotoscheuen Menschen dort ein wenig Geld damit. Es ist die größte und traurigste Attraktion.
Erholung im Naturschutzgebiet
Die meistbesuchte ist allerdings der Lekki-Park, ein Naturschutzgebiet im Osten Victoria Islands. Vor allem lärmgeplagte Städter suchen hier Erholung im Grünen, für Touristen ist die geführte Tour auf Holzbrücken durch einen Sumpfwald den langen Stau nicht wert. Nach zwanzig Minuten endet sie auf einem Spielplatz mit Fast Food-Lokalen, mit etwas Glück sieht man Affen. Eine kleine Stadtrundfahrt mit einem Tuk-Tuk wird auch angeboten, allerdings nur mit teurem Polizeischutz.
Lekki Park in Nigeria
©Wolfgang GodaiEinreise-Schwierigkeiten
Um überhaupt nach Lagos zu kommen, braucht man aber gute Nerven, Glück und Geld. Der viel gereiste Autor dieser Zeilen hatte noch nie so große Probleme, ein Touristenvisum zu bekommen.
Unzählige Formulare sind zunächst für das E-Visum auszufüllen (unter anderem mit Kontoauszügen der letzten drei Monate). Danach regiert der Zufall. Und all das nützt wenig, wenn man für die Ankunft keinen „Airport Service“ bucht.
Info
Anschauen Die Nike Art Gallery ist die größte Kunstgalerie Westafrikas, der Lekki Arts and Crafts Market der größte Kunstmarkt Nigerias.
Übernachten Lagos Continental Hotel: moderner Glasturm mit guter Küche und österreichischem Manager. thelagoscontinental.com
Airport Service Der Autor machte gute Erfahrungen mit der Agentur Cedarlinks, flexibel und verlässlich. cedarlinksng.com
Erster Schritt: Online ein E-Visum beantragen, unter https://evisa.immigration.gov.ng/ . Dort gilt es zahlreiche Seiten mit einer Unzahl an Attachments auszufüllen, die teils aber gar nicht funktionieren. U.a. Kontoauszüge der letzten drei Monate, sehr private persönliche Daten und Anhänge, eine Reisehistorie, die bei Normaltouristen zu lang ist, um in das Formular zu passen, den genauen Reiseverlauf, bei wem man gebucht hat, und eine Einladung oder die Hotelbuchung. Das heißt, man muss alle Flüge und Hotels schon buchen und bezahlen, bevor man die Zusage für ein Visum hat, sonst kann man den Antrag nicht ausfüllen. Wenn das Visum verwehrt wird, bleibt man auf den Kosten sitzen. Man muss beim Ausfüllen des Formulars manchmal unkorrekte Angaben oder Attachments machen, um auf die nächste Seite zu kommen. Der Autor hat dann endlich elektronisch einen Termin beim Konsulat in der Wiener Botschaft Nigerias erhalten, wo man mit dem ausgedruckten E-Visum, Pass und Foto erscheinen muss. Als er von Kärnten nach Wien reiste, war die Botschaft an diesem Tag geschlossen. Die Botschaft war übrigens für mich wochenlang weder telefonisch noch per Email erreichbar. Ein Visadienst wurde dann beauftragt, der vom Konsulat immer wieder vertröstet wurde. Dann verlangte die Botschaft plötzlich eine persönliche Einladung eines nigerianischen Staatsbürgers, der in Lagos lebt. Da der Autor nie zuvor in Nigeria war und dort niemand kennt, wollte man das Visum verweigern. Erst nach einem Hilferuf und einer Intervention der österreichischen Botschaft in Abuja bei der nigerianischen Botschaft in Wien kam die Bestätigung, dass (wie im Visaformular ohnehin vermerkt war) eine bestätigte Hotelbuchung ausreicht. Der Autor musste trotzdem bis zwei Tage vor Abflug zittern, als er dann doch den Pass mit Visum wieder bekam.
Man muss sich unbedingt die LogIn-Daten des E-Visums aufschreiben, denn kurz vor der Einreise muss man auch noch online am Handy eine "Landing Card" sowie kurz vor der Ausreise eine Departure Card ausfüllen, und dafür benötigt man das Passwort. Der Autor füllte das Einreiseformular eine Woche vor der Ankunft aus, kurz darauf wurde es gelöscht.
Absolutes Muss: Zusammen mit dem Transfer vom Flughafen Lagos zum Hotel auch ein Airport-Service buchen!
Das kostet jeweils 25 US-Dollar. Dann wartet eine Person nämlich gleich nach der Landung noch vor den ersten Kontrollen (!) und lotst die Kunden an hunderten, bei vielen Ankünften tausenden drängelnden und schreienden Menschen vorbei, passiert zig schikanöse Pass- und Gepäckskontrollen im Vorübergehen, bis zum letzten, entscheidenden Einreiseschalter. Dort konnte der Polizeibeamte nichts mit meinem Visum anfangen, er kannte Wien einfach nicht. Mein Begleiter holte die oberste Vorgesetzte, nach kurzer Diskussion durfte ich den Flughafen verlassen. Ohne diesen Service braucht man wahrscheinlich Stunden oder wird gar nicht ins Land gelassen. Anmerkung: Laut Korruptionsindex 2024 liegt Nigeria auf Platz 150 von 180 untersuchten Ländern.
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