Nach Christo-Hype: So sieht es heute am Iseo-See aus
Ein Steg erinnert noch an die "Floating Piers"-Aktion des Verhüllungskünstlers Christo. Von Sulzano aus kann man die größte bewohnte Binnenseeinsel Europas.
Seinen großen Auftritt hatte der Iseo-See im Sommer 2016. Da installierte der weltbekannte Verhüllungskünstler Christo für sechzehn Tage seine „Floating Piers“: einen sechzehn Meter breiten, aus 220.000 Kunststoffkuben gefertigten gelben Steg, der es ermöglichte, vom Festland zu Fuß auf die Insel Monte Isola zu spazieren. Die Aktion war ein Riesenerfolg: Bis zu 80.000 Menschen pro Tag wollten sich die Gelegenheit, über das Wasser zu wandeln, nicht entgehen lassen.
Die „Floating Piers“ von Christo lockten 2016 vielen Menschen an.
©Wolfram KautzkyAxel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele. Hier geht es zur aktuellen Folge.
Heute erinnern nur mehr Fotos an das damalige Event, und das ist gut so. Angenehm beschaulich geht es hier, wenigstens unter der Woche, zu. Der kleinste der vier oberitalienischen Seen ist nicht so mondän wie der Comer See, nicht so überlaufen wie der Gardasee, nicht so pittoresk wie der Lago Maggiore. Dafür hat er eine Besonderheit: die oben erwähnte Monte Isola. Sie ist die größte bewohnte Binnenseeinsel Europas und ragt wie ein Berg aus dem See in die Höhe.
Monte Isola: die größte bewohnte Binnenseeinsel Europas.
©Wolfram KautzkyDie Insel ist nahezu autofrei
Nach Ende des Christo-Spektakels kann sie wieder ausschließlich per Schiff erreicht werden, am besten von Sulzano aus, wo die Boote im 20-Minuten-Takt ablegen. Fünf Minuten später landet man in Peschiera Maraglio, dem winzigen Hauptort der Insel. Wer von dort auf der Strada dei Pittori (Straße der Maler) am Ufer ins drei Kilometer entfernte Sensole flaniert, bleibt ungestört – die Insel ist nahezu autofrei, nur ab und zu knattert ein Moped vorbei. Auch das am Festland liegende Städtchen Iseo im Süden präsentiert sich ausgesprochen einladend: palmengeschmückte Uferpromenade, verkehrsfreies Ortszentrum, enge Gassen und kleine Cafés.
Turm mit Käfig
Kurioses hat der Ort Pisogne zu bieten. Hier steht der vier Stockwerke hohe „Turm des Bischofs“ (Torre del Vescovo), der im 13. Jahrhundert als bewaffneter Stützpunkt des Bischofs von Brescia errichtet wurde. Letzterer ließ – nicht ungewöhnlich – von den Stadtbewohnern Steuern eintreiben, säumige Zahler aber – heute doch eher unüblich – in einem am Turm angebrachten Käfig zur Schau stellen.
Wem das suspekt ist, der besucht die größte Sehenswürdigkeit der Stadt, die Klosterkirche Santa Maria della Neve mit ihrem bemerkenswerten Freskenzyklus des italienischen Renaissancemalers Romanino. Für die Rückfahrt nach Iseo empfiehlt sich statt des Schiffs der Zug – die im Osten der Insel verkehrende Nebenstrecke nach Brescia ist eine Attraktion für sich.
Info
Schlafen Das 4*-Hotel Rivalago in Sulzano liegt am See und ist idealer Ausgangspunkt für den Besuch der Monte Isola (DZ N/F ab 180 €).
Monte Isola Am Gipfel (600 m) befindet sich eine Wallfahrtskirche, die zu Fuß in ca. 75 min. erreichbar ist.
Essen Spezialitäten sind die Sardine alla griglia (sonnengetrocknete, in Öl eingelegte Sardinen) und die über Lorbeerholz geräucherte Salami di Monte Isola.
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