Design statt Deko: Die festlichsten Hotels Europas
m Advent zeigen renommierte Hotels von London über den Comer See bis nach Hamburg, was sie haben, und Floristen, was sie können: Die Kunst der großen Geste. Das schreit doch nach einem spontanen Wochenend-Trip.
Von Nicola Afchar-Negad
Frühmorgens, wenn die Binnenalster noch glatt wie Glas daliegt und die Gäste tief schlafen, widmet sich Yvonne Ückert mit ihrem Team der Weihnachtsmagie im Hotel Vier Jahreszeiten.
„Nicht anders als zuhause kommt auch hier das Aufstellen der Tannenbäume nicht ganz ohne lose Nadeln und Dreck aus“, lacht die Hotel-Floristin. „Die Gäste erwachen, wenn der schöne Teil des Dekorierens beginnt.“ 60.000 kleine Lichter und 8.000 Christbaumkugeln sind es, die das in dieser Zeit achtköpfige Team an allen Ecken des ehrwürdigen Hauses am Neuer Jungfernstieg platziert und drapiert, sodass sich die Wärme der Gastfreundlichkeit in Lichterglanz verwandelt.
„Unsere Lichterketten werden extra für uns angefertigt – in einer speziellen Lichtfarbe, die es so nicht im Handel gibt.“ Nichts anderes würde man sich erwarten von einem Grand Hotel, in dem schon Mick Jagger und Sophia Loren eincheckten. Glitzernde Austern und handgefertigte Glas-Hummer im Sternerestaurant – andere dekorieren, im Vier Jahreszeiten wird designt. Ihre liebste Tageszeit im Advent sei der Nachmittag, verrät Ückert. „Wenn überall die Lichterketten leuchten, in der Wohnhalle am Flügel gespielt wird und der Kamin knistert.“
Vorhang auf für den Comer See! Weihnachten in der „Villa d’Este“.
©Ftfoto.itUnd genau diese goldenen Stunden bringen uns als Nächstes an den Comer See, in die Villa d’Este. Ein Stück Panettone mit warmer Mandarinen-Creme, dazu ein Glas Rotwein Donnafugata und der Blick auf den ruhig daliegenden See – das ist das perfekte Weihnachtsglück. Zudem lädt die hoteleigene Patisserie dazu ein, bei der Panettone-Produktion zuzusehen – Tipps inklusive.
Festlich mit Skulpturen
Aber er ist nicht allein. In den Four Seasons-Häusern in Paris (George V) und Philadelphia sorgt Jeff Leatham für die ganz große Show, seine Blumenarrangements ähneln mehr Skulpturen als Gestecken.
„Unwirklich, Jeff!“, kommentieren Follower auf Instagram, das Wort „magisch“ fällt gefühlt in jedem zweiten Satz. Leatham führt auf Instagram sogar den Titel „Chevalier/Ritter“ an, den er vom französischen Kulturministerium für sein Schaffen verliehen bekommen hat. Monochrome Farbblöcke, starke Kontraste, durchaus strenge Linienführung – aber es darf schon glänzen.
Weihnachten am See
Die Vorweihnachtszeit am Wasser hat einen ganz eigenen Reiz, insbesondere in der Lombardei. „Die Temperaturen sind mild, nur die höchsten Berggipfel sind ab und an angezuckert. Unsere Gäste können selbst in dieser Jahreszeit auf der sonnigen Terrasse sitzen oder sogar eine Bootstour machen.“ Maria Gasparella, Sales- und Marketing-Direktorin der Villa d’Este La Collezione, weiß um den besonderen Zauber ihrer Location, der mit souveräner Grandezza inszeniert wird: „Möge Weihnachten in der Villa d’Este beginnen!“ Mit diesen Worten – naturalmente auf Italienisch – öffnen sich an einem späten Nachmittag die Türen zum „Greenhouse“ der Villa d’Este am Comer See.
Was dann folgt, ist ein gemeinsamer Toast auf das, was kommt, die vermutlich schönste Zeit des Jahres. Die majestätische Lobby, die historischen Säle der Villa, der barocke Garten mit seinen Statuen, all das erleuchtet an diesem Tag zum ersten Mal in diesem Advent – und spiegelt sich teils im Comer See. Das Hotelteam kooperiert für „Natale al Lago“ (also Weihnachten am See) mit Blumen-Designer Vincenzo Dascanio zusammen. Einer der Großen im Business.
Der US-Amerikaner beherrscht die „cozy couture“ wie kaum ein anderer. Wobei der junge Brite Hamish Powell merklich aufholt. Sein Stil: mehr Rock und noch mehr Roll. Passend zum ME London by Melia, das er als „supersexy“ bezeichnet, ließ er 2024 die metallene Architektur des Interieurs mit Silber- und Weiß-Tönen korrespondieren.
Mit „Blumenschmuck“ hat das wenig zu tun, mit Kunst dafür umso mehr. Powell selbst kommentierte es so: „Wenn ich von einem Weihnachtsbaum träume, sehe ich ihn sanft schweben und wirbeln – ein organisches Gewirr aus Frost und Kiefernduft.“ Na dann.
Schachfiguren & Goldkrone
London also. Da wären wir. Was der Nordpol für die Kinder ist, ist die britische Metropole im Dezember für die Eltern. Hier hat alles begonnen und wird bis zur Perfektion getrieben. Beispiel Savoy: Es gehörte zu den ersten Hotels, das elektrische Beleuchtung in die Weihnachtsdekoration integrierte, eine hell erleuchtete Fassade stand im 20. Jahrhundert für Luxus und Weltoffenheit.
Häuser wie das Claridge’s, The Langham und The Connaught entwickelten früh eigene Lichtkonzepte – und spätestens ab den 2000ern fing es an, so richtig überdrüber zu werden.
Legendär: Christbaum im Claridge’s Hotel, London – heuer designt von Daniel Lee für Burberrey.
©Claridge'sMit John Galliano designte 2009 der erste Mode-Mogul einen Baum für die Lobby des Claridge’s – und seitdem wuchs der Hype Jahr für Jahr.
Legendär: der umgedreht aufgehängte Baum von Karl Lagerfeld! Heuer ist es Daniel Lee, der der Tanne 600 Burberry-Schleifen verpasst, aus Stoff-Resten gefertigt. Dazu gesellen sich Schachfiguren und Goldkrone statt Sternspitze. Es wird also durchaus britisch-traditionell, natürlich mit Twist.
Auch das Hôtel de Paris in Monte-Carlo schmückt sich heuer mit einem großen Namen – Chopard hatte beim Lobby-Lichtertraum seine Finger im Spiel. Riviera-Romantik, wie sie besser nicht geht! Dazu Tee und ein „Yule Log“, ein klassisches Gebäck neu interpretiert von Patissier Cedric Grolet. Na, wer kann schon die Vanille und den Zimt riechen?
Ein Hauch Chopard im Hôtel de Paris Monte-Carlo. Jeff Leatham, Kreativdirektor des Four Seasons Hotel George V in Paris, sorgt jedes Jahr für Extravaganz
©Monte-Carlo Société des Bains de MerEbenso sind das Mandarin Oriental (goldener Fächer über dem Eingang) oder The Connaught (personalisierte Briefe des Weihnachtsmanns) Fixstarter. Im Brown’s (Rocco Forte Hotels) lädt man zum Spaziergang durch glitzernde Straßen und das legendäre Savoy erinnert mit seinem heurigen Arrangement an die historischen Frostjahrmärkte auf der Themse. Festlich.
Das Savoy in London thematisiert heuer die Frostmärkte, die im 17. Jh. auf der zugefrorenen Themse stattfanden.
©The SavoyWer aber bei dieser ganzen Advent-Action doch nicht aus Österreich wegkommt: Im Ritz-Carlton in Wien kann man bis Ende Dezember eine Christmas-Suite buchen – inklusive eigenem Weihnachtsbaum im Zimmer, unter dem schon ein hübsches Päckchen liegt, zumindest für die Kinder. Und oben auf der Dachterrasse gibt’s warme Buchteln. Hört schon jemand ein Glöckchen?
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