Gut gelaunt durch die deutsche Wachau: Flusskreuzfahrt über Rhein und Mosel
Unterwegs auf Rhein und Mosel mit Zwischenstopps in Rüdesheim, Bernkastel-Kues, Trier und Koblenz.
Am Wasserweg von Mainz bis Trier ist das Doppelstädtchen Bernkastel-Kues ein kunterbuntes Schatzkästchen. Das punktet mit Giebelfachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert und einem Sammelsurium verschiedener Epochen: Römerzeit, Mittelalter, Renaissance ... Und beim atemberaubenden Blick hoch oben von der Burgruine Landshut in die Landschaft auf Natur, Kultur und Geschichte ist es offensichtlich: Mit einer ganze 132 Meter in den Himmel ragenden Schieferwand hat der Rhein eine ganz einzigartige Loreley, die Mosel hingegen quasi in jeder ihrer 25 spektakulären Schleifen eine.
Der Zwischenstopp bei der Flusskreuzfahrt auf Rhein und Mosel entlang der Weinregion mit Orten wie Rüdesheim, Traben-Trarbach und Cochem mit ihrer über dem Wasser thronenden Reichsburg endet eher früher als später beim Weinverkosten und der Legende vom Trierer Kurfürsten, der anno 1360 am Weine gesundete. Süß muss er sein. So lieben die Moselaner ihren Riesling. Sogar „edelsüß“ ist eine kredenzte 2020-Bernkasteler-„Doctor“-Riesling-Spätlese. Und irgendwo weist ein Witzbold von Wirt dem Gast den Weg mit dem Schild an der Tür: „Ende der Durststrecke“.
Blick auf die Reichsburg in der rheinland-pfälzischen Stadt Cochem an der Mosel.
©Werner RosenbergerMit an Bord der MS Charles Dickens mit GTA Touristik fährt das vom Genießer hochgeschätzte Gefühl von Gemütlichkeit und Geborgenheit. Flusskreuzfahrten haben ihren eigenen Reiz: Das Schiff – 110 Meter lang und 11,4 Meter breit für überschaubare 150 Passagiere – erspart einem als schwimmendes Hotel beim Ortswechsel lästiges Kofferpacken. Beim Unterwegssein immer mitten durchs Land statt drumherum, ist die Unterkunft zugleich Fortbewegungsmittel, Restaurant mit „Fine Dining“ und Ausflugsschiff. Und seekrank wird niemand, denn auf dem Wasser geht es sanft und geruhsam zu. Jeden Tag geht’s andernorts zu Fuß von der Komfortzone Kabine mit Balkon oder bodentiefen Fenstern zu einem anderen Ziel.
Das 4-Sterne-plus-Schiff MS Charles Dickens wurde 2015 gebaut und ist 110 Meter lang.
©Pressefoto GTA TouristikMusikalische Kuriositäten
Eine bezaubernde Attraktion von Rüdesheim ist im Brömserhof in der Altstadt oberhalb der berühmten Drosselgasse „Siegfrieds mechanisches Musikkabinett“ mit einer Kuriositäten-Sammlung von mehr als dreihundertfünfzig mechanischen Instrumenten aus drei Jahrhunderten. Kleine Spieluhren und Musikdosen, Leierkastenwagen, ein imposantes Orchestrion und selbstspielende Violinen, die das Parkett zum Vibrieren bringen, hat Museumsgründer Siegfried Wendel weltweit aufgespürt, gerettet, restauriert und die Oldtime-Music wieder zum Klingen gebracht.
Eine Zeitreise der anderen Art: Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett in Rüdesheim.
©Werner RosenbergerDas eine Wahrzeichen in Trier, an dem kein Weg vorbeiführt, ist die Porta Nigra. Das am besten erhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen steht da wie ein alter Wächter. Acht UNESCO-Weltkulturerbestätten, zu denen neben Liebfrauenkirche und Dom, Amphitheater, Kaiserthermen und Römerbrücke zählen, sind in und um die Innenstadt zu Fuß leicht erreichbar. Fast alle haben die Römer gebaut.
Trier ist stolz, aber unaufgeregt. Man weiß um die Geschichte, aber sie wird einem nicht aufgedrängt. „Wir haben hier zweitausend Jahre Gelassenheit“, sagt jemand im Café am Hauptmarkt. Zwischen römischen Mauern und barocken Fassaden scheint die Zeit langsamer zu gehen.
Der Ton der Stadt ist auf römische Gravitas und moselländische Leichtigkeit gestimmt. „Groß genug für Kultur, klein genug für ein Schwätzchen“, heißt es. Und wie ist er, der Trierer? Zurückhaltend, aber trockenhumorig. Anfangs gern einsilbig. Ein typischer Dialog in Trier geht so: „Unn?“ „Ja-e.“ Und die gesprächigere Alternative: „Muss.“
Der Kreuzgang im Stil der Gotik verbindet Dom und Liebfrauenkirche in Trier.
©Werner RosenbergerMini-Metropole Luxemburg
Nur eine Dreiviertelstunde jenseits der Grenze verbindet Luxemburg als eine Stadt der Kontraste mittelalterlich-romantischen Charme mit der Modernität einer Metropole. Die Hauptstadt des Großherzogtums hat in die Kunst investiert: einen architektonisch markanten Musikpalast in Tropfenform mit einer Fassade aus 823 weißen Säulen als „Lichthülle“ und spannende Museen wie das MUDAM mit Werken von Marina Abramovic oder Nan Goldin auf dem Kirchberg. Ein Bus-Ausflug lohnt sich, um durch die Altstadt mit Kathedrale, Konstitutionsplatz und der Statue der Gëlle Fra (Goldenen Frau), zum Palast mit seiner Fassade im Stil der flämischen Renaissance und durch enge Gassen mit alten Häusern zu spazieren. Die neugotischen Details im Bahnhofsviertel erinnern an Paris.
Luxemburg hat sogar eine Mini-Version der Champs-Élysées: Die Avenue de la Liberté vom Bahnhof auf das Plateau Bourbon nahe der Oberstadt ist geprägt von prunkvollen Gebäuden im Stil von Neoklassizismus, Art nouveau und Beaux-Arts-Architektur.
Ein charmanter Lausbub
Koblenz wiederum vermittelt die Attitüde eines gut gelaunten Gastgebers: geschichtsträchtig, aber nie steif. Am Deutschen Eck, wo Rhein und Mosel zusammenfließen, thront das Kaiser-Wilhelm-Denkmal – ein Monument so groß, dass selbst die Möwen ehrfürchtig wirken. „Hier hat Deutschland seinen Logenplatz“, sagt die lokale Geschichtenerzählerin Marlis Weiß und deutet auf die vorbeiziehenden Schiffe. Wer mit der Seilbahn hinauf zur Festung Ehrenbreitstein fährt, den erwarten oben ein Panorama, das sprachlos macht, und tausend Jahre Militärgeschichte. Unten in der Altstadt kann Koblenz auch Genuss. In den Gassen rund um den Münzplatz fließt der Riesling so selbstverständlich wie der Rhein selbst. Napoleon soll Koblenz geliebt haben – vermutlich, weil man hier schon damals wusste, wie man strategische Lage mit Lebensart verbindet.
Und dann ist da noch die Schängel-Kultur, ein Lebensgefühl – irgendwo zwischen Wein, Witz und einer sehr entspannten Art, die Dinge zu sehen. Mit einem Mix aus rheinischem Humor: herzlich und direkt ist der Koblenzer – und das vermittelt auch die Bronzefigur am Schängel-Brunnen in der Altstadt.
Der Bub speit etwa alle drei Minuten einen Wasserstrahl mehrere Meter weit. Unaufmerksame Passanten können dabei nass werden – zur Schadenfreude der Einheimischen. Genau dieses Augenzwinkern ist charakteristisch: ein bisschen respektlos, aber immer charmant. Koblenz nimmt sich selbst nicht zu ernst – und genau das macht seinen Zauber aus.
Weck, Worscht und Woi
Der Kombi-Trip aus Entschleunigung und Genuss endet, wo er begonnen hat: am Rhein in Mainz, deren wechselvolle Geschichte bereits in der Antike mit der Gründung eines römischen Legionslagers begann. Im Mittelalter war hier der Sitz des Heiligen Stuhls und Mainz damit die zweitwichtigste Stadt nach Rom. Aus dieser Zeit stammt auch das bürgerliche Wohnhaus „Zum Aschaffenberg“ im Ensemble des Kirschgartens. Es war schon von besonderer Bedeutung, als es errichtet wurde.
Denn vielleicht hat ja Johannes Gutenberg damals beim Bau dieses Hauses, zugesehen, das weniger Sehenswürdigkeit als Zeitzeuge ist – ein Stück Mittelalter im Originalzustand. Der geniale Erfinder des modernen Buchdrucks lebte schließlich zur gleichen Zeit in Mainz. Beeindruckend ist die Silhouette von St. Martin: An der Kathedrale aus rotem Sandstein, dem imposanten Mittelpunkt der Altstadt, kommen „Weck, Worscht und Woi“ auf den Tisch, gern genossen auf dem traditionellen Marktfrühstück. „Weißbrötchen, Wurst und Weißwein“ ist nicht nur ein lokaler kulinarischer Begriff, sondern auch ein Symbol für Lebensgefühl und die in Mainz vorherrschende gesellige Art des Zusammenseins.
Prächtige Bürgerhäuser in Mainz: Toleranz und Geselligkeit werden hier gepflegt.
©Werner RosenbergerInfo
Veranstalter
GTA Touristik ist auf Flusskreuzfahrten spezialisiert. Z. B. „Flussduett Mosel & Rhein (7 Tage ab 1.199 €) oder eine Wanderkreuzfahrt (7 Tage ab 1.528 €). Die Routen führen durch das romantische Rheintal und die kurvenreiche Mosel. Infos: gta.at
110 Meter lang ist das 4-Sterne-plus-Schiff MS Charles Dickens. Moderne Schiffe bieten Panorama-Salons, Sonnendecks und VP inkl. Getränke. Abends gibt es Unterhaltung, tagsüber Spaziergänge durch verwinkelte Altstädte und Ausflüge in Weinorte.
Natur und Technik Die Schleusungen an der Mosel sind technische Highlights, bei denen die Schiffe angehoben oder abgesenkt werden.
Beste Reisezeit Im Frühling (April/Mai) und im Herbst (Sept./Okt.) aufgrund des milden Klimas und der Weinlese.
Wer hier einkehrt, dem wird Platz gemacht, und sei es auch noch so voll. Tische teilen, heißt das. Ihre fröhliche Toleranz haben die Mainzer schon von den Römern in die Wiege gelegt bekommen. Denn ihre Legionäre kamen aus allen Ländern des riesigen Reiches, Multikulti schon von Anfang an macht einfach weltoffen.
Über alles in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt wacht – stolz, trutzig und unerschütterlich – der gewaltige Dom. Dabei hat er in mehr als tausend Jahren Kriege, Zerstörungen und sieben Brände überstanden. Ihn immer wieder noch schöner und prächtiger aufgebaut und verändert haben ihn die Mainzer. „Sie machen sich auch das Schwere leicht, sie grübeln nicht gern und lachen den Schmerz lieber weg“, schrieb der Kult-Kolumnist Harald Martenstein, der in seiner schönen Diagnose dieses Menschenschlags einen scheinbaren Widerspruch anspricht: „Mainzer sind gleichzeitig tolerant und ein bisschen kleinbürgerlich – aber ohne Bosheit.“
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