Dachstein-Gletscher: So wird das Gletschererlebnis neu erfunden
Die Skilifte am Dachsteingletscher sind Vergangenheit, dafür locken ein Eispalast, eine Hängebrücke und eine „Himmelsleiter“.
Mit rundum verglasten Gondeln geht es tausend Meter bergauf. Unten entschwindet das im Wolkenmeer versteckte Ennstal, oben am Hunerkogel blinzeln die ersten Sonnenstrahlen auf die 2.700 Meter hoch gelegene Bergstation. Zehn Minuten dauert die Fahrt vom Nebel in die Sonne – in die Dachstein Gletscherwelt mit Blick auf den höchsten Berg der Steiermark.
Eine Glasplatte, darunter das Nichts
An der Bergstation wartet mit dem Dachstein Sky Walk eine der eindrucksvollsten Aussichtsplattformen der Alpen. Durch eine Glasplatte fällt der Blick 250 Meter in die Tiefe. Das mulmige Gefühl beim Betreten des Sky Walk ist unbegründet, die Glasplatte trägt 150 Personen, hält dem Gewicht von acht Meter hohem Schnee und Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometer pro Stunde stand.
Aus Sicherheitsgründen, wegen zu geringer Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt aus Naturschutzgründen mussten die Gletscher-Skilifte geschlossen werden. Aber das schneesichere Sportgebiet für Langläufer, Winterwanderer und Skitourengeher bleibt. Die Brettln bleiben heute aber zurück, die Schneeschuhe werden ausgepackt. Rein in die Bindung, den Schnellverschluss zuzurren und los geht’s am markierten Gletscherweg. Die Gehtechnik im Breitspurgang ist einfach, der Erlebnisgehalt riesig. Unter den Schuhen knirscht der Schnee, über den Köpfen thront der Dachstein. Das Wechselspiel von Wolken und Sonne sorgt für Dramatik. Ein verschneites Felslabyrinth breitet sich aus, hier versteckt sich die Simonyhütte. Friedrich Simony war einer der ersten Gletscherforscher in Österreich. Seine über Jahrzehnte laufenden Dokumentationen des Hallstätter Gletschers erlaubten früh Einblicke über den Rückzug eines Ostalpengletschers.
Nächster Stopp: Seethaler Hütte. Einst für Bergsteiger in Not erbaut, ist sie heute eine modern gestaltete Berghütte. Das Glas blitzt im Gegenlicht, beim Anblick denkt man eher an ein Ufo denn an eine Alpinunterkunft. Wenige Meter oberhalb wartet der schönste Blick der Tour – auf die Dachstein Südwand. Herausforderung und Sehnsuchtsort für Bergsteigergenerationen.
Info
Anreise Per Bahn nach Schladming, weiter mit dem Bus in die Ramsau und zur Talstation. schladming-dachstein.at/anreise; rvb.at
Übernachten Pension Sport Steiner: familiär geführte, nette und zentral gelegene Pension.
Auskunft
schladming-dachstein.at
Die Himmelsleiter als neue Touristenattraktion
Zurück bei der Bergstation führen zwölf Stufen hinauf zu einem überhängenden Glaspodest. „Die Dachstein Himmelsleiter gehört zu den neuen Attraktionen für Mutige. Wir haben unsere Berge modern in Szene gesetzt“, sagt Martin Perham von der Betriebsleitung bei einer Führung durch die Station. „Die Schließung der Lifte war ein tiefer Einschnitt. Wir wollten das Erlebnis Dachstein neu erfinden, für Nicht-Alpinskifahrer interessanter machen – im Einklang mit der Natur. So wurde die Bergstation neu konzipiert, komplett saniert – und 2024 wiedereröffnet“.
Heute setzt die Dachstein Südwandbahn mit einer Photovoltaik-Anlage auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Die Photovoltaik-Glasfassade (tausend Quadratmeter) sorgt dafür, dass achtzig Prozent der benötigten Energie für die Bergstation selbst erzeugt wird. Schmuckstück ist das Gletscherrestaurant. Man speist und hat die Berge durch die Glasfassade im Blick.
Die Hängebrücke hält starken Stürmen stand
Gestärkt vom Mittagessen folgt die Mutprobe auf der hundert Meter langen Hängebrücke. Die Begehung der einen Meter breiten Brücke lässt bei vielen den Adrenalinspiegel in die Höhe schießen, der Blick fällt immerhin vierhundert Meter in die Tiefe. Doch ein wenig Überwindung darf schon sein, Geländer und Seile aus Stahl sorgen für Sicherheit. Selbst Windstärken bis zu zweihundertfünfzig Kilometer pro Stunde soll die Hängebrücke standhalten.
Die Hängebrücke ist 100 Meter lang.
©Josef PuchingerTreppe ins Nichts an der Südwand
Belohnt wird der Nervenkitzel mit dem nächsten Highlight – der „Treppe ins Nichts“. Einmal links abbiegen, vierzehn Stufen bergab gehen, um dann auf einer kleinen Glasplattform über dem schwindelerregenden Abgrund zu stehen. Man hat fast das Gefühl, in der Südwand zu hängen.
Die „Treppe ins Nichts“ führt über den schwindelerregenden Abgrund.
©Josef PuchingerEisfiguren und Infos im Gletscherstollen
Zum Abschluss geht’s in die Unterwelt des Gletschers – in die ab 2007 geschaffene Eishöhle. „Gletscherkunde live erleben und spüren“, hatte Martin lächelnd gesagt. Gutes Schuhwerk ist Voraussetzung, um beim Spazieren durch die Gletscherstollen die Eisfiguren und -säulen, vielfach bunt beleuchtet, bewundern zu können. Voll mit Eindrücken geht’s zurück zur Bergstation – noch rechtzeitig zur letzten Talfahrt.
Betriebszeiten bis nach Ostern (7. April 2026). Der Kauf eines Gondelauffahrtstickets gewährleistet die Gratisbenützung der Mautstraße von der Ramsau bis zur Talstation. Der Eispalast im Inneren des Gletschers ist nur über die Hängebrücke erreichbar. Mehr zu Preisen und Öffnungszeiten: derdachstein.at
©Josef Puchinger
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