Canyoning adventure

Canyoning: Wie man eine Schlucht hinunterkommt

Der Trendsport boomt wieder und taugt zum wirklichen Highlight in einem (Familien-)Urlaub. Wir beantworten sechs Fragen dazu.

Menschen zieht es an schwer zugängliche Orte. Sonst wären viele Höhlen nie erforscht und die meisten Gipfel nie bestiegen worden. Und irgendwann dachte sich jemand: Eine Schlucht könnte man doch auch durchschreiten.

Also wanderten ab den 1960er-Jahren einige Höhlenforscher in Südfrankreich und Spanien, rund um die Pyrenäen, durch Schluchten. Weil das immer mehr immer aufregender fanden, wurde daraus um 1990 eine Variante für die Masse geschnitzt: Aufstieg außerhalb der Schlucht, irgendwo der Einstieg, langsam runter, mit Ausrüstung und den Sicherheitselementen, die es dafür braucht.

Nach einem Boom war es ruhiger, aber seit ein paar Jahren fragen wieder viele nach Canyoning. Die Antworten.

1.Was ist „Canyoning“ denn genau? 

Canyon (engl.) heißt auf Deutsch Schlucht. Insofern müsste man dazu „Schluchteln“ oder „Schluchtenwandern“ sagen – aber beides erklärt den Vorgang nur höchst mangelhaft: Man steigt am Schluchten-/Klamm-Boden Richtung Tal ab, wenig durch Wandern, teils durch Schwimmen/Waten im (stets kalten) Bach/Fluss, öfter durch Rutschen in den ausgespülten Felsrinnen, oft durch Abseilen (auch hohe Passagen bis rd. fünfzig Meter) oder Springen in tiefe (weil vom Wildwasser ausgespülte) Becken. Niedrige Sprünge sind einfach, ab etwa fünf Meter gibt es meist alternativ einen Umgehungsweg oder die Möglichkeit, sich abzuseilen.

Den davor notwendigen Aufstieg absolviert man außerhalb der Schlucht (Wanderweg, Forststraße), meist zu Fuß, manchmal per Auto.

2. Wie schwierig ist es, kann ich das auch? 

Mindestens muss man trittsicher gehen können und mit Wasser vertraut sein (auch untertauchen!), Höhenangst ist hinderlich. Die Schwierigkeit variiert stark nach Schlucht, Wetter und Wasserstand, fast alle Anbieter haben auch Anfänger-Touren. Wer das Anlegen der intensiven Ausrüstung (Neopren, Klettergurt, Helm, etc.) und den Aufstieg schafft, sollte jede einfache Schlucht hinunter kommen.

3. Wo kann man es in Österreich am besten machen?

 Nahezu überall, wo es einen Berg gibt, in den ein Bach eine größere Schlucht geschnitten hat, gibt es Canyoning-Angebote. Aussuchen sollte man nach Vorliebe (eher viel Wildwasser, eher alpinistische Tour) und nach eigenem Niveau. Das Tiroler Ötztal, das steirische Gesäuse und Pinzgau/Pongau gelten als Hotspots, als actionreichste Schlucht wird oft die Auerklamm (Ötztal) mit einem 40-Meter-Abseiler und dem höchsten Sprung in Österreich genannt (16 Meter).

Axel Halbhuber und Lea Moser aus dem KURIER-Reise-Team sprechen im Reisepodcast Stadt.Land.Meer. über Reise- und Urlaubsziele - im Fokus steht immer ein Land, eine Region oder eine Stadt. 

Canyoning

Neben Abseilen und Schwimmen (li.) gehören zum Canyoning noch Gehen, Rutschen und Springen, um eine Schlucht zu hinabzuwandern.

©TVB Warth-Schröcken/HPR/Sebastian Stiphout

4. Geht das alleine oder braucht man Führung? 

Nur sehr Fortgeschrittene können das ohne Guide (mit Ortskenntnis!) machen. Die Verletzungsgefahr ist bei Fehlern hoch. Außerdem braucht man dafür jede Menge Ausrüstung – bekommt man im Package mit dem Guide.

5. Können das Kinder machen, ab welchem Alter? 

Es gibt viele Familien-Spezialangebote, Kindertouren schon ab sechs Jahren, „echte“ Schluchten meist erst ab zehn.

Info

Namhafte  Schluchten
Koberlache (Vbg.), Auerklamm (Tirol),  Almbach- und Strubklamm (Salzburg), Bruckgraben (Stmk.), Wunzenschlucht (Ktn.),
Weißenbachtal (OÖ, für Kinder), Taglesschlucht (NÖ)

16 Meter springt man (Abseilen möglich) in der Auerklamm – der höchste Canyoning-Sprung in Österreich.

  • Bekannte Zentren
    Ötztal, z. B. area47.at
    Saalach-/Gasteinertal
    Gesäuse, z. B. Freelife Outdoorsp.: rafting.at oder Rafting Camp Palfau: raftingcamp.at

6. Wann ist die beste Jahreszeit dafür? 

Juni bis September/Oktober. Erlebnis und Schwierigkeit ergeben sich in der Schlucht vor allem durch den Wasserstand – bei sehr viel Wasserfluss ist es meistens gar nicht möglich. Im Sommer bietet Canyoning tolle Abkühlung, wobei es bei sehr trockenen Phasen manchmal zu wenig Wasser gibt.

Axel Halbhuber

Über Axel Halbhuber

Ich habe mir unter den Zweigen des Schreibens den Journalismus ausgesucht, um nicht über mich schreiben zu müssen. Und jetzt schreibe ich hier Zeilen zu meiner Vita. Es gibt im Leben Wichtigeres, das es zu beschreiben gilt. Eben das macht diesen Job spannend: gestern ein Interview mit den Klitschko-Brüdern, heute eine Reportage in einem Dorf für Demenzpatienten, morgen das Porträt über die wahre Biene Maja. Leben ist Vielfalt, auch das Berufsleben. Daher habe ich im Journalismus vieles gemacht: Wirtschaftszeitung bis Männermagazin, Online-Ressortleitung bis Gratismedium-Chefredaktion, Sportressort bis Societymagazin, Österreichwanderung bis Weltreise. Und bei aller Vielfalt ist das Reisen doch zu einem Steckenpferd geworden, auch durch meine Bücher „Ich geh dann mal heim“, „Einfach eine Weltreise“ und "Reisen ist ein Kinderspiel". Aber am wichtigsten war die Biografie über Helmut Kutin: "Wie aus einer zerstörten Kindheit ein gutes Leben wurde." Das muss wirklich jeder lesen!!!!

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