Winzer Franz Weninger steht in seinem Weinkeller zwischen Fässern

Wie viel Bio braucht der Wein?

Will man als Winzer gut sein, kommt man an biodynamischer Produktion kaum vorbei, findet Franz Weninger. Er kritisiert Betriebe, die Bio zu Werbezwecken missbrauchen.

Franz Weninger, Chef des Weinguts Weninger im burgenländischen Horitschon, hat sich 2006 für die biodynamische Bewirtschaftung seiner Weingärten entschieden. Drei Jahre zuvor hatte er seinen Betrieb biozertifizieren lassen. 

Bio geht nicht weit genug

Bio ging ihm nicht weit genug. „Ich hatte immer das Gefühl, du hast weniger Möglichkeiten zur Verfügung und bist schlechter dran.“ Seitdem Lebensmittelketten Bioprodukte in großem Stil vertreiben, sehe er außerdem, dass viele Bioprodukte auch industriell hergestellt werden. Die Idee hinter der Biodynamie sei hingegen, dass man alle Ressourcen, die man braucht, selbst herstellt. „Als Biodynamiker versucht man, die Pflanzenschutzmittel – Tees oder Präparate – selbst zu machen und nicht extern zu kaufen.“

"Yoga ist genauso esoterisch"

Die Biodynamie hat sich viel von Bauernregeln abgeschaut, viele der Ideen gehen auch klar ins Esoterische, sagt er, aber „ich beschwichtige die Leute dann immer. Yoga ist genauso esoterisch wie Biodynamie.“ Weninger versteht Biodynamie wie Komplementärmedizin, die auf der Schulmedizin aufbaut. „Ich muss das landwirtschaftlich verstehen und dann kann ich Biodynamie dazunehmen.“

Nicht jeder sieht den Bedarf

Für ihn sei die Wirkung sichtbar, andere Winzer und manche Kunden würden das nicht sehen. „Das muss man akzeptieren.“ Viele hochwertige Produkte würden nach biodynamischen Grundsätzen angebaut. Versuche man, besser zu werden, kommt man seiner Einschätzung nach an Biodynamie nicht vorbei.

Natürlich sei das viel aufwändiger und die Lohnkosten höher. „Sobald es regnet, sind biologische und biodynamische Mittel abgewaschen. Ich muss immer wachsam sein, das Wetter beobachten.“ Zwei Wochen auf Urlaub zu fahren, was beim konventionellen Weinbau gehe, sei ihm unmöglich. „Wir müssen halt ständig arbeiten.“

Geschmack muss an erster Stelle stehen

Auf der Webpage seines Weinguts muss man lange suchen, bis man einen Hinweis darauf findet, dass er biologisch und biodynamisch arbeitet. „Ich wollte immer die Kunden haben, die unseren Wein kaufen, weil er ihnen schmeckt und nicht, weil er biozertifiziert ist“, begründet der Winzer, der zwar weiter biodynamisch arbeitet, jedoch aus den beiden Vereinen Respekt und Demeter im Vorjahr ausgetreten ist.

Weninger findet, Bio sollte im Weinbau Standard sein. „Wenn ich einen Wein um 10 Euro kauf', da würde ich erwarten, dass niemand der Natur etwas Schlechtes tut. Da muss ich doch anständig arbeiten, ohne der Natur zu schaden.“ Im Burgenland mit seinem Klima gehe sich das aus.

Schindluder mit Bio

Auf den Bioweinskandal am Cobenzl angesprochen, sagt er, dass der in der Brache kein großes Thema sei, übt aber Kritik: „Beim biologischen Weinbau kann ich hergehen und sagen, den einen Hektar mach ich und den Bisamberg nicht. Bei einem Hektar schreibe ich bio drauf, beim anderen nicht. Da kann man Schindluder treiben.“ Bei der Biodynamik müsse der ganze Betrieb biodynamisch sein. „Diese Arbeit tut man sich nicht an, wenn man nicht davon überzeugt ist.“

Der Unterschied zwischen nachhaltig, bio und biodynamisch

  • Auf einem Viertel von Österreichs Weingärten wachsen Biotrauben.
  • 14 Prozent dieser Anbaufläche wird biodynamisch bewirtschaftet.  
  • 28 Prozent der Flächen sind „nachhaltig“ zertifiziert.
  • Damit ist Österreich eines der weltweit führenden Länder beim ökologischen Weinbau, die Zuwächse waren in den vergangenen Jahren enorm. 

Doch warum braucht es drei verschiedene Bezeichnungen und wo ist der Unterschied?  Bio Austria, der Verband für biologische Landwirtschaft, erklärte dem KURIER, wo die Grenzen sind und warum Bio-Anbau noch keinen Bio-Wein macht.

Nachhaltiger Weinbau 

Ein Winzer darf die „Nachhaltig Austria“- Zertifizierung führen, wenn er definierte ökologische, ökonomische und soziale Anforderungen  erfüllt. Dazu gehören unter anderem, wie viel Energie und welche Energiequellen ein Betrieb nützt,  wie viel  Wasser gebraucht und welche Flaschen verwendet werden. Externe Kontrollfirmen, unter anderem Lacon oder AgroVet stellen die Zertifizierung aus und prüfen die Eingaben.
Es gibt auch  Bio-Betriebe, die „nachhaltig Austria“-zertifiziert sind, das ist aber nicht zwingend nötig.

Biologischer Weinbau 

Bio-Winzer müssen sich nach der  EU-Bioverordnung richten, um ein Zertifikat zu bekommen und das Logo benützen zu dürfen. Die Bio-Richtlinie definiert die Betriebsmittel und Verfahren für die Bio-Landwirtschaft. Verbände wie Bio Austria können in ihren Richtlinien weitere Einschränkungen vornehmen. 

Herbizide, chemisch-synthetische Dünger sowie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind verboten. Mineralische Dünger, wie zum Beispiel einige Kalkprodukte hingegen sind zulässig, mineralische Stickstoffdünger hingegen nicht. Als Pflanzenschutzmittel dürften etwa Kupfer, Schwefel oder Backpulver verwendet werden. Der Gedanke dahinter ist, dass die Natur das, was in ihr vorkommt, auch abbauen kann und man keine Substanzen einbringt, die die Natur nicht kennt.
Erlaubte Pflanzenschutzmittel sind reine Kontaktmittel, die leicht abgewaschen werden.

Warum Bio-Anbau noch keinen Bio-Wein macht

2014 hat die EU erstmals Richtlinien für Bio-Wein erlassen.  Davor konnte zwar Wein aus Bio-Trauben hergestellt werden, jedoch durfte er sich nicht Bio-Wein nennen. Seither sind auch  beispielsweise die Grenzwerte für den Schwefelgehalt niedriger. 
Der Umstieg auf Bio-Weinbau ist nicht von heute auf morgen möglich. Es gilt im Weinbau eine Frist von 36 Monaten, um Böden und Betriebssystem umzustellen.

Biodynamischer Weinbau  

Basis ist ebenfalls die EU-Verordnung und eine Bio-Zertifizierung. Dazu kommen weitere Auflagen, die beispielsweise durch die Vereine Demeter oder Respekt Biodyn definiert werden. Winzer orientieren sich an der ganzheitlichen Lehre nach Rudolf Steiner. Laut ihr ist der Betrieb ein geschlossener Organismus, Kreislaufwirtschaft wird gefördert. Feldspritz- und Kompostpräparate werden nach seiner Lehre präpariert. Einige Betriebe richten ihre Arbeitsweise nach Mondphasen aus.

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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