46-223358379

Backstage beim Osterhasen: Besuch in der Heindl Schoko-Fabrik

In Wien-Liesing machen die Mitarbeiter am Produktionsstandort der Confiserie Heindl vor der Karwoche Überstunden. Sie helfen dem Osterhasen nicht, sie machen ihn – und seine Eier gleich mit.

Wenn Roswitha das größte Schoko-Osterei in Heindls Sortiment zusammenstellt, sitzt jeder Handgriff. Seit sie 15 ist, arbeitet sie in der Produktion der Confiserie, inzwischen schon mehr als 25 Jahre lang, erzählt sie ihren „Lehrlingen“, die für den Oster-Workshop nach Wien-Liesing angereist sind.

Nur 12 Frauen von den insgesamt 270 Heindl-Mitarbeitern, viele davon schon seit Jahrzehnten im Betrieb, dürfen bei den Präsenteiern Hand anlegen. Zu kaufen gibt es die 1,2 Kilo schweren Prunkstücke in den Shops. Kostenpunkt: 49,90 Euro pro Stück.

Im Eiltempo

„Jedes ist ein Einzelstück“, sagt Roswitha. „Das ist mords a Arbeit.“ Mit geübten Fingern schlägt sie die hohlen Hälften aus Schokolade in farbiges Stanniolpapier, streicht es entlang der Rundung glatt. Mit wenigen Handgriffen hat sie ein großes Blatt durchsichtiger Folie zusammengefaltet und bettet es in die Rundung. In eine ovale Holzform (siehe Foto re.) schlichtet sie kleine, gefüllte Schokoeier in mehr als 20 Geschmacksrichtungen von Marille-Joghurt über Crispy-Nougat bis Eierlikör.

Roswitha richtet die kleinen Eier in einer ovalen Holzform aus, rückt sie zusammen, findet noch ein Plätzchen für ein weiteres. Sie fixiert alles, platziert die kleinen Eier im großen und setzt die zweite Eierhälfte wie einen Deckel darauf. Eigentlich ganz einfach, könnte man annehmen.

Wenn Roswitha Hand anlegt, lernt selbst  Chef Andreas Heindl noch dazu.

Wenn Roswitha Hand anlegt, lernt selbst  Chef Andreas Heindl noch dazu.

©kurier/Martin Stachl

Doch dann versucht man es selbst. Plötzlich ist das Stanniol zu klein, die Schoko lugt heraus, das Material schlägt Falten, die kleinen Eier rutschen herum. Vor dem breiten Stoffband mit Masche und eingearbeiteter Stoffblume kapituliert schließlich praktisch jeder. Roswitha muss mehrmals vorzeigen, wie man das Band mit wenigen Handgriffen zu einer Masche faltet.

Sechs bis sieben Minuten bräuchte sie unter normalen Umständen, bis das Ei fertig ist, erklärt die Veteranin, während sich die Teilnehmenden fragen, wie man das mit nur zwei Händen schaffen kann. Von sechs bis sieben Minuten wagen sie nicht einmal zu träumen. Anders als die großen Eier werden die kleinen maschinell gefüllt und eingewickelt. 90 Stück pro Minute laufen in der Zeit vor Ostern über das Förderband, immer im Blick der Mitarbeiter. „Als Kind haben wir die Eier vor dem Fernseher eingewickelt“, erinnert sich Geschäftsführer und Konditormeister Andreas Heindl. Solange er in Übung war, habe er bis zu 20 pro Minute geschafft.

Komplizierter als gedacht: Schleifen falten.

Komplizierter als gedacht: Schleifen falten.

©kurier/Martin Stachl

Das Füllen und Zusammenkleben der kleinen Eier dürfen die Workshop-Teilnehmenden vor Ort auch selbst versuchen. Wichtig dabei: Die Füllmasse, etwa flüssige Schokocreme, darf nicht über 25 Grad haben, sonst schmilzt die Schoko-Hülle. Anschließend werden die Ränder erhitzt, damit die Schnittflächen zusammenkleben. Dauert das zu lange oder sind die Hände zu warm, verformt sich das Ei. „Die besten Einwicklerinnen haben kalte Hände“, scherzt der Chef tröstend, während er die Eierhälften anheizt.

Andreas Heindls Eltern gründeten den Betrieb 1953, er übernahm mit seinem Bruder Walter Ende der 1980er den Betrieb, seither wurde laufend ausgebaut. 2006 übernahm Heindl die mit über 170 Jahren älteste bestehende österreichische Süßwarenmarke Pischinger. Wenn man so lange im Betrieb arbeitet, will man dann eigentlich selbst noch Schokoeier essen? Roswitha lacht: „Ja, leider.“ Andreas Heindl greift inzwischen nicht mehr auf jede Geschmacksrichtung, sagt er. Bei den mit Haselnusslikör gefüllten Eiern kann er dennoch nicht widerstehen.

Osterhasen gibt es bei Heindl in zwei Geschlechtern. Die „Frau im Haus“ (re.) heißt Kimy.

Osterhasen gibt es bei Heindl in zwei Geschlechtern. Die „Frau im Haus“ (re.) heißt Kimy.

©kurier/Martin Stachl

Als Heindl den Betrieb übernahm, waren noch 70 Prozent der Pralinen mit Alkohol gefüllt. Das habe sich durch eine geringere Nachfrage geändert. Heute sind es nur noch „sieben bis maximal acht Prozent“.

Ständig ist er auf der Suche nach neuen Geschmacksrichtungen. Zu den neueren zählt das DubEI in Anlehnung an den jüngsten Schoko-Hype, doch der Trend flacht ab, sagt Heindl. Momentan arbeite man in der Produktion an Mozart-Talern mit Pistazien, auch weil Heindl vor wenigen Monaten eine neue Filiale in Salzburg eröffnet hat. In vier Wochen sollen sie in den Handel kommen. Im Sommer, weiß der Chef, wird dann Joghurt als Fülle wieder begehrt.

Veganer Wackelkandidat

Im kommenden Jahr möchte er vielleicht einen veganen Milchschokohasen aus Hafermilch ins Sortiment aufnehmen. Eine vegane Edelbitter-Version gibt es schon, genauso wie die klassischen Osterhasendame „Kimy“ in Rosa und Rot und ihr männliches Gegenstück „Jimmy“ in blauer Latzhose mit rot-weiß gestreiftem Hemd.

Ob es die vegane Milch-Schokoladeversion in den Handel schaffen wird, ist noch unsicher. „Sie schmeckt mir nicht sonderlich und ich mache nur Sachen, die mir schmecken“, sagt Andreas Heindl.

Kommentare