Gasthaus Stern: Innereien, Wild – und jetzt der neue Twist
Wild vom Wirt, Beuschel de luxe und 700 Weine. Das Gasthaus Stern gilt als bestes Beisl in Wien. Nun bringt ein neuer Küchenchef modernen Twist in die Klassiker.
Holzvertäfelungen, eine alte Schank, darüber stehen in altmodischer Schrift Empfehlungen aus früheren Tagen. Dazu gibt es eine Küche mit starker Innereien- und Wildkompetenz und eine Weinkarte mit stolzen 700 Positionen.
Kein Wunder, dass das Gasthaus Stern in Simmering regelmäßig als bestes Beisl der Stadt gehandelt wird. Der Gastro-Guide freizeit.aufgetischt kürte es auch zum besten Wiener Gasthaus für 2026. Mitgeprägt hat dieses Profil zuletzt Spitzenkoch Peter Zinter, der das Haus Ende 2025 verließ.
Kürzlich hat Armin Hagenhenrich übernommen – in den sozialen Medien als „Hot Shit in Town“ angekündigt.
Wo der Neue vorm Gasthaus Stern kochte
Er begleitete den Neustart der Berliner Institution Clärchens Ballhaus, sorgte für österreichische Küche im Kopenhagener Restaurant Botschaft und arbeitete sich in Südfrankreich in die klassisch-französische Küche ein.
Seit 16 Jahren betreibt Christian Werner das Gasthaus Stern in Simmering. Seitdem hat er, wie die Wand zeigt, viele Auszeichnungen eingeheimst.
©kurier/Martin WinklerDas nun fürs Gasthaus Stern ausgegebene Motto lautet: „Österreichische Küche mit modernem Twist“, sagt Wirt Christian Werner. Er ist wieder als Patron im Gastraum angekommen; dort, wo er Gäste und die große Weinkarte persönlich betreut.
Edelbeisl oder nicht?
Manche sagen Edelbeisl zum Stern. Doch dieses Etikett schmeckt Werner gar nicht: „Ich bin in einem Wirtshaus groß geworden, und ich mache nichts anderes als meine Eltern.“ Zugleich stellt er klar: Qualität hat ihren Preis.
Das wohl teuerste Beuschel der Stadt – 34 Euro – wird in Simmering und nicht in der Innenstadt kredenzt: „Am Ende des Tages muss sich der Betrieb lohnen. Wir stehen alle nicht umsonst da.“ Und auch wenn man es am Teller nicht sieht: „Das Beuschel macht viel Arbeit. Wir brauchen zwei Tage, bis wir fertig sind.“
So sieht das Gasthaus Stern in all seiner Pracht aus. Wie ein richtiges Wirtshaus.
©kurier/Martin WinklerSeit der Eröffnung 2008 stellt das Stern die „inneren Werte“ ins Zentrum. „Nose-to-tail ist wieder groß. Wir machen das seit 18 Jahren. Wir haben von Kutteln, Hirn, Leber bis Bries vieles da; auch im Tasting-Menü fließen Innereien ein. Wer probiert und sie gut zubereitet serviert bekommt, ist oft begeistert.“
Der Wirt legt sich auf die Pirsch
Dazu kommt Werners zweite Leidenschaft: „Ich bin seit über zehn Jahren Jäger. Wir verarbeiten Wild, das ich selbst erlege oder das Jagdfreunde erlegen – direkt aus dem Revier, nie aus dem Großhandel.“
Die Jadgleidenschaften des Wirts zeigt sich auch auf den Wänden.
©kurier/Martin WinklerDie Klassiker pflegt das Haus ebenso: „Wir sind bekannt für ein sehr gutes Schnitzel“, das Cordon bleu „läuft hervorragend“ und zur Saison gibt es Gansl von österreichischen Weidegänsen. Auf drei Signature-Gerichte lasse sich das Lokal nicht festnageln: „Schwierig.“
Der Name „Stern“ geht auf Werners Tätowierung zurück: Der Stern zeigt viele Richtungen; den eigenen Weg muss man finden. Dass Tochter Stella im lateinischen Namen ebenfalls einen Stern trägt, erfuhr er erst später.
Ausgezeichnet tätowiert
Mittlerweile prangt neben dem Tattoo auch „ein zweiter Stern“ – der von Michelin – und eine Gault-Millau-Haube auf dem Arm.
Viele Auszeichnungen hat der Wirt als Tattoo.
©kurier/Martin WinklerDas Wirtshaus selbst hat zwar noch keinen Michelin-Stern, ist aber im Führer als Empfehlung gelistet; Gault-Millau vergab drei Hauben. „Ich arbeite nicht auf Preise hin. Ich will nicht in einen Stress geraten, der meinem Leben und unserem Betrieb nicht guttut.“ Aber: „Wenn etwas kommt, freue ich mich.“
Zufall sei der Erfolg dennoch nicht: „Leidenschaft und Qualität – gemeinsam mit dem Team – haben dazu geführt.“
Wie Armin Hagenhenrichs Küche schmeckt und wie Gastrokritiker Herbert Hacker seinen Besuch fand, lesen Sie am Samstag in der neuen KURIER freizeit.
freizeit.aufgetischt
Essen, Getränke, Service und Ambiente – welche Gasthäuser sind aktuell die besten in Österreich? Die Redaktion hat das im großen Gasthaus-Guide .aufgetischt 2026 (früher bekannt als „Tafelspitz“) zusammengetragen. Bewertet wurden 300 Lokale.
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