Porträt von Vea Kaiser mit dunklen, gewellten Haaren und einem sanften Lächeln.

Vea Kaisers "Fabelhafte Welt": Valentinstag und Fasching

Über die Möglichkeit der Verkleidung als Verkleidung einer Verkleidung

Seit die Schneemannbilder auf den Kindergartenfenstern den Faschingsgirlanden wichen, diskutieren meine Bambini ihre heurigen Verkleidungen. Der Ältere schwankte zwischen Polizist, Spider-Man und anderen Erhaltern der öffentlichen Ordnung, entschied sich aber für Batman. Für meinen jüngeren Sohn stand die Kostümierung nie zur Debatte: "Feuerwehrmann!"

In unserem Spielzeugschrank gibt es eine Verkleidungskiste. Mein Großer schlüpft ständig in neue Rollen. Der Kleine kostümiert sich nicht weniger gern, aber ausschließlich als Feuerwehrmann. Anlässlich der Gelegenheit, maskiert durch die Straßen zu ziehen, wollte der Große seinen Bruder überreden, sich als Batmans Sidekick zu verkleiden: "Willst du als Robin gehen? Robin ist der Coolste!" Der Zweitgeborene blieb unerschütterlich: "Feuerwehrmann."

Beim Einlass zu einer Faschingsparty wurden sie gefragt, wen sie darstellten. "Feuerwehrmann", sagte der Kleine und marschierte hinein, um die Brandsituation zu überprüfen. "Eigentlich ist er Robin", flüsterte der Große, "aber Robin hat sich als Feuerwehrmann verkleidet, weil wir auf Spezialmission sind!" Ich lauschte dieser Theorie von der Verkleidung als Verkleidung einer Verkleidung und fand darin die Lösung für unser Valentinstagsdilemma: Wir würden unsere Liebe gern zelebrieren, sind aber zu müde.

Der Dottore Amore und ich gehen an diesem Faschingssamstag daher als ein leidenschaftliches Liebespaar, das sich als übermüdete, überarbeitete, seit Wochen kränkelnde Eltern verkleidet hat. Und darunter, gut verborgen, stecken zwei Erwachsene, die das Chaos aus Kindern, Karriere und Romantik erstaunlich gut jonglieren. Wie auch meine Söhne feststellten: Im Fasching sollen alle sein dürfen, was sie sein wollen.

Vea Kaiser

Über Vea Kaiser

Vea Kaiser ist die Autorin der Nr.1-Bestseller „Blasmusikpop“, „Makarionissi“ und „Rückwärtswalzer“. Ihre Bücher wurden vielfach preisgekrönt und in mehrere Sprachen übersetzt. Die studierte Altphilologin lebt mit Familie am Wiener Stadtrand und schreibt für die freizeit die wöchentliche Kolumne „Fabelhafte Welt“.

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