Polly Adlers "Chaos de luxe": "We Found Love"
Autotherapien mit Buckley und Bad Bunny
Unter einem Tränenschleier in "Hamnet" gesessen. Jessie Buckley hat als Missis Shakespeare in Hollywood eine neue Liga eröffnet. Buckley spielt nicht, sie ist – mit einer solchen Intensität, dass es alle Schleusen aufreißt. In Interviews demonstriert sie ihre Einzigartigkeit mit einer Eigenschaft, die inzwischen unter all diesen "shiny, happy people", um R.E.M. zu bemühen, so rar ist wie Botox-freie Zonen: Authentizität.
Null Bedeutungspathologie, keine spürbar einstudierten Pointen oder Superlativ-Geschwurbel, wie toll denn nicht alles gewesen sei. "Hamnet" ist nichts als eine poetische Antwort auf die Frage: Wie erträgt man Trauer und Verlust? So eine kleine Heulorgie bläst einem die Seele richtig durch. Sehr empfehlenswerte Auto-Therapie. Wie irritierend es für manche ist, wenn Menschen ihre Verletzlichkeit offenlegen, hat der Umgang mit Sharon Stones Gefühlsausbruch am Opernball gezeigt.
Nahezu schien es, als wollten die Reporter ihre Mikros wie glühende Kohlen von sich werfen, als Stone anstatt der üblichen Phrasen, wie märchenhaft die Stimmung sei, Blabla, weinend nach Worten rang. Mit so viel Echtleben möchte man lieber doch nicht. Wir sollten wieder lernen, damit umzugehen. Und Menschen, die von der Spur sind, nicht wegdrücken wie lästige Anrufer.
Kondolieren Sie richtig, statt nur ein schwarzes Herz auf WhatsApp zu senden. Und wenn Sie das Hirn wegblasende Authentizität wollen, schauen Sie sich die Tanzszene der "Hamnet"-Crew nach der letzten Klappe auf Instagram an. Ein Endorphin-Rave zu Rihannas "We Found Love". Alternative: Bad Bunny, wenn er loslegt aus Kummer darüber, zu wenig Bussis gegeben zu haben. Ein kleines Begleittänzchen mit dem Staubsauger wirkt besser als jeder Psychiater. Doppelschwöre!
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