Drei Frauen unterschiedlichen Alters posieren lächelnd für ein Porträt.

Wiener Opernball: Enkelin debütiert 70 Jahre nach Großmutter

Die Wienerin Ingrid Tremmel-Scheinost debütierte am ersten Opernball 1956. Heuer eröffnet ihre Enkelin Valerie den Ball. Ein Gespräch über Erwartungen - und Veränderungen.

Wenn am kommenden Donnerstag kurz nach 22 Uhr die 17-jährige Valerie Tremmel-Scheinost als Debütantin im weißen Kleid in die Staatsoper einzieht, ist das zweifelsohne ein besonderer Moment. Auch ihre Großmutter Ingrid Tremmel-Scheinost wird die festliche Eröffnung des diesjährigen Opernballs von einer Bühnenloge aus verfolgen.

Für die 88-jährige Dame sind es besondere Momente, auch aus einem anderen Grund. Als 18-Jährige stand sie selbst in weißem Kleid und mit Krönchen auf dem Opern-Parkett: Vor genau 70 Jahren, am 9. Februar 1956, wurde der erste Opernball nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet.

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Blättern in alten Fotoalben.

©kurier/Martin Winkler

Traditionsveranstaltung hat Symbolcharakter

Der KURIER berichtete am nächsten Tag von einer „zweiten Eröffnung des ehrwürdigen Haus(es) am Ring“, von einem „bereits historisch gewordenen“ Ereignis. Mit Symbolkraft aufgeladen war dieser erste Nachkriegsopernball. „Es war ein Aufstehen, ein Aufwecken.“ Der Neuzugang im Ballkalender erregte Aufsehen. 6.000 Karten waren seit dem Herbst 1955 verkauft worden. „Es herrschte sozusagen ein Ballfieber, weil viele Bälle gab es ja nicht“, erinnert sich Ingrid Tremmel-Scheinost. Philharmoniker- und Jägerball „waren immer gut besucht“, aber auch der „Hietzinger Ball“. Mit heutigen Bällen vergleichbar seien sie nicht. „Es war eben nach dem Krieg, die Menschen waren anders gepolt als davor. Es war aber bei uns jungen Leuten trotzdem immer sehr lustig.“

Opernball 1956

Opernball 1956

©APA-Images / brandstaetter image/APA-Images/Votava/Brandstätter Images

Im Jungdamenkomitee am neuen Opernball teilzunehmen hat Ingrid (damals noch Theiss), in guter Erinnerung. Ihr Tanzpartner Fritz Turnovsky kam aus ihrem Freundeskreis, „wir haben oft zusammen getanzt.“ Direkt vor dem Ball sei sie „natürlich nervös“ gewesen, „schon die Stimmung zuhause war aufregend, dann musste man zum Friseur und solche Sachen.“

Mit ihrem weißen Tüllkleid lag sie jedenfalls laut dem KURIER-Reporter vor Ort im Trend: „Die jungen Damen in traumhaften Kleidern aus weißem Tüll, aus Brokat und Duchesse, eine kleine goldene Krone in der Frisur.“ Natürlich weiße Schuhe, rückblickend „eigentlich eh ein Wunder“, aber „scheinbar hat es 1956 schon wieder weiße Schuhe zu kaufen gegeben“. Geschmerzt haben sie jedenfalls nicht.

Intensivphase beginnt jetzt

Im Jahr 2026 hat ihre Enkelin Valerie bereits die meisten Vorbereitungen erledigt: Das Kleid ist bei der Schneiderin, „es wird wunderschön, aus einem Seidenstoff“. Fix ist auch eine Hochsteckfrisur, „damit die Tiara besser sitzt. Was ich genau mache, weiß ich aber noch nicht, ich überlege noch“. Nach den Semesterferien gehen die Tanzproben in die Intensivphase. „Da werden wir auch erfahren, in welcher Reihe wir in die Oper einziehen.“ Ihr Tanzpartner ist übrigens Joseph Schönberg, der Urenkel des Komponisten Arnold Schönberg. Dessen Familie kommt aus den USA zum Ball, seit vielen Jahren besteht eine Freundschaft. „Daher kannten wir uns.“

Ein Herzenswunsch hat sich erfüllt

Anders als für ihre Großmutter ist die Eröffnung des Opernballs für Valerie ein lange gehegter Herzenswunsch. „Ich wollte das unbedingt, es ist so eine schöne Tradition.“ Ihre ältere Schwester Antonia debütierte ebenfalls, im Jahr 2019. Wie bei der Großmutter und Schwester gehört ihr Tanzpartner Alexander Manz-Varga ebenfalls zum Freundeskreis. Ihre Tiara verwahrt seit damals ihre kleine Schwester. „Sie will schon seit Jahren den Opernball eröffnen, und jetzt macht sie es wirklich.“

Manches gehört einfach zur Opernball-Tradition – weißes Kleid der Debütantinnen, Eröffnungspolonaise, ein Paar Würstel. Buffets und Bars gab es 1956 bereits, 2026 werden es laut Ballstatistik 20 sein. Veränderungen gab es über die Jahrzehnte immer wieder. „Der Zeit entsprechend, das ist gut.“ Da sind sich alle Generationen der Familie einig. Das Krönchen von einst ist etwa längst einer jedes Jahr neu entworfenen Tiara von Swarovski gewichen.

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Die Tiara der Debütantinnen erinnert 2026 an einen Schwan.

©kurier/Philipp Hutter

In die Disco

Dass einmal 16 verschiedene Musikgenres auf 5 Tanzflächen (inklusive Disco und DJs) geboten werden, war vor 70 Jahren nicht vorstellbar. „Saxofon und Jazztrompete erklangen gar nicht zaghaft“, vermerkte damals der KURIER. Ingrid Tremmel-Scheinost wird „sicher neue Eindrücke sammeln“. Ihre Enkelinnen haben außerdem schon angekündigt: „Omi, wir gehen in die Disco!“ Und sie hat zugesagt.

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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