Euphoria & Rosalia: Pop meets Prestige-TV
Euphoria ist eine der einflussreichsten Serien unserer Zeit – bei der seit dieser Staffel die Spanierin Rosalía mitspielt. Und die hat gerade die komplette Pop-Welt neu definiert.
Phänomen trifft auf Phänomen: Rosalía, von der New York Times vor Kurzem als „einziger Popstar der Gegenwart“ bezeichnet, steigt bei Euphoria ein – einer Serie, die popkulturelle Geschichte geschrieben hat.
Und die Macher der Erfolgsserie, deren lang erwartete dritte Staffel gerade angelaufen ist, scheinen ein untrügliches Gespür für Superstar-Qualitäten zu haben.
Mit Jacob Elordi, Zendaya, Sydney Sweeney und Hunter Schafer schafften es gleich vier Serien-Protagonisten, in Hollywood groß rauszukommen. Und als sie sich für die Sängerin Rosalía entschieden, hatte die zwar schon einige Latin Grammys im Regal stehen, war aber noch ein „Nischen-Star“. Der mitten in einer fast vierjährigen Veröffentlichungspause steckte.
Mut zum Risiko
Eine Pause, die Rosalia nicht etwa auf einer Yacht verbrachte, sondern im Studio.
Mit einem Projekt, das anfangs fast nach Größenwahn klang: Lux, ein Album als Opus magnum, überladen, überambitioniert, über alles hinaus. Dreizehn Sprachen, eine musikalische Weltreise – von barocken Anleihen bei Antonio Vivaldi und Ludwig van Beethoven über Flamenco-Wurzeln, die nie ganz verschwinden, bis hin zu Reggaeton, Latin Hip-Hop, elektronischen Fragmenten und Momenten, die klingen, als hätte jemand eine Opernarie ins Berghain getragen und dort neu zusammengesetzt.
Was nach Konzeptkunst klingt, funktioniert erstaunlich gut. Vielleicht, weil Rosalía nie den Fehler macht, ihre Virtuosität auszustellen. Sie baut Songs, keine Demonstrationen.
Genau deshalb ist der Hype nach Veröffentlichung von Lux so ausgefallen: Millionen Klicks auf YouTube, TikTok-Clips, die sich gegenseitig überbieten, und gleichzeitig Feuilletons, die ernsthaft über Pop schreiben, als wäre er Hochkultur.
Spätestens seit ihrem Auftritt bei den BRIT Awards, bei dem sie das Kunststück schafft, Pathos UND Coolness zu bedienen, ist klar: Das ist keine Nischenkünstlerin mehr. Das ist globale Bühne.
Ihre aktuelle Tour? Umjubelt, ausverkauft, visuell so präzise durchkomponiert, dass man fast vergisst, wie körperlich diese Musik eigentlich ist. Dabei beginnt alles erstaunlich klassisch. Rosalía, geboren nahe Barcelona, ausgebildet im Flamenco, jahrelang geschult in einer Disziplin, die wenig verzeiht.
Ihr früher Durchbruch mit „Malamente“ – ein Song, der Tradition und Moderne so mühelos verbindet, dass er fast nebenbei eine neue Ästhetik begründet – ist heute so etwas wie der Urknall ihrer Karriere. Flamenco, aber dekonstruiert. Pop, aber nicht banal.
Die Kombination passt
Was danach folgt, ist weniger Karriere als kontrollierte Explosion. Kollaborationen, stilistische Brüche, eine erstaunliche Offenheit für Risiken. Auch privat steht sie immer wieder im Fokus – Beziehungen, Trennungen, neue Kapitel, alles öffentlich, alles kommentiert.
Aber anders als viele ihrer Kolleginnen wirkt das bei ihr nie wie kalkulierte Inszenierung, sondern eher wie ein Nebeneffekt eines Lebens, das ohnehin unter Dauerbeobachtung steht. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie so gut in eine Serie wie Euphoria passt. Weil auch dort alles ein bisschen zu viel ist: zu intensiv, zu schön, zu kaputt, zu echt.
Rosalía bringt genau diese Mischung mit. Sie ist gleichzeitig Kunstfigur und Künstlerin, Konzept und Gefühl, Hochkultur und Pop-Exzess.
Dass sie nun ausgerechnet hier auftaucht, wirkt deshalb weniger wie ein Ausflug ins Schauspiel, sondern wie die logische Fortsetzung einer Karriere, die sich nie darum geschert hat, wo die Grenzen zwischen den Disziplinen verlaufen. Anders gesagt: Wenn Euphoria ein Ort ist, an dem Pop zur Erzählung wird, dann ist Rosalía jemand, der diese Erzählung längst selbst geschrieben hat.
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