Auf diese Bücher würde Max Simonischek nie verzichten
Der Burgschauspieler brilliert derzeit in „Der irrende Planet“, einer Dramatisierung von Texten Robert Walsers, auf der Bühne. Zum Lesen hat er dennoch immer Zeit.
"Wenn man anfängt Ordnung zu machen, naht das Ende, hat meine Großmutter immer gesagt. Seitdem suche ich eher das Chaos“, sagt Burgschauspieler Max Simonischek mit Verweis auf sein überbordendes Bücherregal. Geordnet ist hier nichts, jedes Buch hat seinen individuellen Platz, unabhängig von Genre oder gar Alphabet. Ist doch auch irgendwie höchst sympathisch, eigentlich.
Max Simonischek vor seiner überbordenden Bücherwand. Es ist übrigens nicht sein einziger "Lieblingsleseplatz" ...
©PrivatUnd Max Simonischek ist ein veritabler Vielleser, nicht nur beruflich. „Ich lese kreuz und quer, Romane, Novellen, aber auch Sachbücher, Dokumentarliteratur und Biografien.“
Liest ein Mann, der beruflich praktisch ganze Bücher auswendig lernen muss, auch privat Klassiker und „bühnentaugliche“ Bücher? „Ja doch, privat interessiert mich ebenfalls die Literatur, die mich als Schauspieler anspricht – und umgekehrt", sagt Simonischek, der auch Theatermuffeln mehr als nur bekannt sein dürfte: Immerhin spielte er nicht nur in preisgekrönten Kinofilmen mit, sondern hat seit 14 Jahren als Kommissar Laim seine eigene ZDF-Crime-Serie.
Detail aus Max Simonischeks Bücherregal: Alexander Solschenizyns „Der Archipel Gulag“ - der erschütternde Klassiker über russische Straflager
©PrivatRelativ spät ist der gebürtige Schweizer so auf seinen Landsmann Robert Walser gekommen, mit dessen dramatisierten Texten er vergangenen Mittwoch im Burgtheater Premiere feierte. „Das ist literarische Champions League und erinnert mich sprachlich an Kafka, Bernhard oder Jelinek. Diese Plastizität, die sorgfältigen Beobachtungen der Umwelt und seine Verwendung von Sprache sind eine Offenbarung für mich“, ist Max Simonischek begeistert.
Der Vergleich mit Franz Kafka kommt nicht von ungefähr, denn der Prager Schriftsteller steht ganz oben auf der Liste von Simonischeks literarischen Begleitern.
Einen besonderen Platz hat auch John Steinbecks „Früchte des Zorns“ in seinem Bücherregal. „Das war vor vielen Jahren mein erstes einschneidendes Leseerlebnis“, erinnert er sich. „Während der Lektüre habe ich zum ersten Mal erfahren, was Literatur an Fantasie in mir in Gang setzen und wie erholend sie dadurch sein kann.“
Wenn möglich, liest Max Simonischek gerne auf Reisen, wenn er auch nur für ein paar Tage weg ist. Gerade war er "mit" der französischen Autorin Annie Ernaux im Libanon
©PrivatApropos Erholung – da hat Max Simonischek ein Geheimrezept: „Um wirklich in Ruhe zu lesen, verreise ich meistens. Auch nur für ein paar Tage. Gerade war ich mit Annie Ernaux im Libanon!“ Keine schlechte Begleitung, die Autorin gilt in ihrer französischen Heimat als „weiblicher Proust“.
Gibt es einen Schriftsteller oder eine Schriftstellerin, die er gerne tatsächlich kennen lernen würde? „Mit Ingeborg Bachmann würde ich mich gerne über das Leben unterhalten“, setzt Max Simonischek die Latte hoch. Und? „Andrea Petkovic würde ich gerne kennenlernen, um sie zu fragen, ob sie mit mir Tennis spielt“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Ein letztes Detail aus Max Simonischeks Bücherregal: Robert Burtons „Anatomie der Melancholie“ - Schriftsteller wie Jorge Luis Borges wurden von diesem Werk aus dem 16. Jh. inspiriert
©PrivatWelche Schätze noch einen besonderen Platz in seiner Bibliothek haben? „Anatomie der Melancholie von Robert Burton, weil seine Melange aus sezierender, literarischer Seelenschau und wissenschaftlicher Abhandlung einem hilft, Melancholie zu verstehen und mit ihr umzugehen.“
Dazu kommen die Werke des indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti: „Im Hier und Jetzt zu leben, mit Achtsamkeit und Selbsterforschung, fiel bei mir in unserem Zeitalter der Ablenkung, Angst und Konformität auf fruchtbaren Boden.“
Kommentare