Alkohol trinken, ja oder nein? Da gehen die Meinungen weit auseinander.

Suchthilfe-Ärztin: Das ist besser als "Dry January"

Jedes Organ und jede Zelle profitiert von Alkoholabstinenz, trotzdem bevorzugt die ärztliche Leiterin der Suchthilfe Wien einen neuen Trend gegenüber dem „Dry January“.

Der Dry January, der „trockene Jänner“, bei dem man den ganzen Monat lang auf Alkohol verzichtet, sei auf jeden Fall sinnvoll, sagt Regina Walter-Philipp, ärztliche Leiterin der Suchthilfe Wien. Er helfe, das eigene Trinkverhalten zu reflektieren, brauche Veränderungsbereitschaft und Motivation.

"Man muss sofort abbrechen"

Allerdings ist der temporäre Alkoholverzicht nicht für jeden geeignet. „Wenn man eine diagnostizierte Alkoholerkrankung hat, ist der Dry January hochgradig gefährlich, weil abruptes Absetzen von Alkohol innerhalb weniger Stunden einen schwerwiegenden Entzug auslöst. Dann muss man sofort abbrechen“, warnt die Ärztin.

Erster Dry January wegen Krieg gegen Russen

Diese Gefahr war nebensächlich, als man in Finnland 1942 erstmals den „Raitis tammikuu“, den „trockenen Jänner“, forderte. Im Winterkrieg gegen die Sowjetunion sollten Soldaten und Zivilisten wachsam und nüchtern bleiben. Gebracht hat es den Finnen damals nichts, doch die Idee war geboren. 

Wiederbelebt wurde das Konzept 2013 in Großbritannien, wo der Ausdruck „Dry January“ geprägt wurde. Von dort trat der Trend seinen Siegeszug über die Grenzen an. 

Anzeichen für "problematisches Konsumverhalten"

Heute verzichten weltweit jeden Jänner Millionen Menschen auf Bier, Wein und Co. – für die eigene Gesundheit und zur Freude der Mediziner: „Was vom Dry January oft bleibt, ist, dass die Menschen merken, dass ein problematisches Konsumverhalten besteht“, sagt Walter-Philipp. 

  • Etwa, wenn man nirgends hingehen kann, weil es schwerfällt, nichts zu trinken
  • Man dauernd an Alkohol denkt
  • Oder Alkohol zur Entspannung braucht

„Es ist schwer, das selbst in den Griff zu bekommen. Dann würden wir uns natürlich wünschen, dass sich diese Menschen an unsere Einrichtung in der Suchthilfe Wien wenden.“

Besser feucht als trocken - Dieser Trend ist besser als der "Dry January"

Nur weil man hoch motiviert nach den feucht-fröhlichen Weihnachtstagen mit dem trockenen Jänner beginnt, heißt das noch lange nicht, dass man bis Anfang Februar durchhält. Oft sind ein Getränk oder eine Party genug, um abzubrechen.

Genau hier setzt der neue Trend des „Damp January“ („Feuchter Jänner“) an. „Dabei geht es nicht mehr um den völligen Verzicht, sondern den reduzierten Konsum“, erklärt die Ärztin. 

Man versuche, sich anzuschauen, wie man trinkt. „Im besten Fall kann man das mit einem Trinktagebuch führen und dann überlegen, wo man ansetzt. So kann man kleine Veränderungen setzen oder nur anlassbezogen trinken.“ Man legt seine Ziele selbst fest und trinkt man doch ungeplanterweise ein Glas, sehe man das nicht als Versagen. Zielorientiertes Trinken und kontrollierte Reduktion bringe viel und sei motivierend. Deshalb gibt die Medizinerin dem Damp January den Vorzug gegenüber dem restriktiveren trockenen.

Durch den Erfolg des Trends habe sich auch das Angebot an antialkoholischen Getränken verbessert. Nicht-Trinker würden sich deshalb beim Fortgehen nicht mehr so ausgegrenzt fühlen. Auch das helfe, durchzuhalten und die positiven Auswirkungen, selbst innerhalb nur eines Monats, am eigenen Körper zu merken. 

So wirkt sich Alkohol-Verzicht auf den Körper aus

Diese sind, konsumiert man regelmäßig Alkohol, vielfältig: 

  • Am schnellsten merkt man Veränderungen beim Schlaf. Alkohol hilft beim Einschlafen, verkürzt aber REM- und Tiefschlafphasen, die der geistigen und körperlichen Regeneration dienen. Man fühlt sich erholter, ist leistungs- und konzentrationsfähiger.
  • Mit dem Weglassen von Alkohol wird sich auch die Stimmung aufhellen, weil sich bei regelmäßigem Alkoholkonsum gern eine Depression als komorbide psychiatrische Erkrankung zum Alkohol gesellt.
  • Auch das Hautbild wird sich relativ rasch verbessern, wenn man mit dem Trinken aufhört. Die Durchblutung ist besser, fahle Haut beginnt zu strahlen.  
  • Was man wahrscheinlich nicht so merkt, was aber die Laborwerte zeigen würden, ist, dass sich die Leberwerte relativ rasch verbessern, auch innerhalb nur eines Monats. Viele Menschen haben eine Fettleber und die bildet sich innerhalb von ein paar Wochen tatsächlich zurück.
  • Gewicht: Ein Achterl Wein hat bis zu 200 Kalorien. Reduziert man den Alkohol, purzeln auch die Kilo schneller.

Über Marianne Lampl

Redakteurin und Digital Producer bei KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit. Geboren im Burgenland, für den Besuch einer Kunstschule mit 13 Jahren nach Wien gekommen. Studierte dann später in Graz Journalismus und arbeitete anschließend in Wien beim ORF, bei Heute und PULS24.at, unter anderem als Ressortleiterin für Szene, Lifestyle, Entertainment und Kultur. Seit 2024 bei KURIER und freizeit.at.

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