Schauspielerin Caroline Frank

Caroline Frank: "Normalität liegt im Auge des Betrachters"

Das wird irre: Caroline Frank in der zum Musical-Spektakel umgedeuteten „Pension Schöller“. Was würde Maxi Böhm dazu sagen?

Eine Irrenanstalt, die eigentlich eine Hotelpension ist. Oder umgekehrt? Bei den exzentrischen Gästen der „Pension Schöller“ ist das schwer zu sagen. Am 14. Jänner feiert die Kultkomödie Premiere im Wiener Rabenhof Theater – arrangiert als Musical. Macher ist das Erfolgsteam hinter der Erfolgsproduktion „Luziwuzi“ mit Regisseurin Ruth Brauer-Kvam. Mittendrin im wilden Musikmix aus Operette und Roaring Sixties: Caroline Frank, bekannt auch als Ermittlerin in der Krimireihe „Mord in Wien“.

Was würde wohl Maxi Böhm sagen, wenn er eure Version der „Pension Schöller“ anschauen würde?

Er würde ausflippen vor Freude. Mit mir auf der Bühne stehen die lustigsten Menschen der Stadt. Ich gehe richtig gern zur Probe, weil ich den ganzen Tag Spaß habe.

Schon mal mit Leuten gearbeitet, die Sie überhaupt nicht leiden konnten?

Klar, das passiert. Oder sagen wir so: Es kommt vor, dass man mit Menschen arbeitet, bei denen es mir große Energie abnötigt, die gute Laune aufrechtzuerhalten. Bei einem Film fällt das einfacher, da zieht man sich nach einer Szene zurück. Am Theater arbeitet man wochenlang eng zusammen.

Wie kommen Sie denn mental dann mit so einer anstrengenden Situation zurecht?

Ich bin eine Person, die immer versucht, gute Laune zu machen. Wenn man älter wird, beginnt man zu verstehen, dass man das nicht unbedingt immer machen muss.

Ihr gebt eine zeitlose Komödie, einen echten Klassiker. Was könnt ihr dem hinzufügen, das noch keiner gesehen hat?

Die Musik! Die Inszenierung und die Spielart ist modern, dennoch bleiben wir mit der Handlung in der Zeit, also den Fünfzigerjahren. Und natürlich wird aus dem Onkel, der seinen Neffen besucht und die exzentrischen Gäste der Pension kennenlernt eine – Tante. Dadurch ergeben sich neue leiwande Konstellationen.

Ihre Rolle?

Helene von Malzbichler, eine narzisstische Schriftstellerin, die Schundromane schreibt. Sie kommt in die Pension, um sich inspirieren zu lassen. Eine richtige Egomanin. Sie glaubt, jeder kennt sie und hat ihre Werke gelesen, ist keck und frech. Ich liebe die Rolle! Auch weil ich sie ein bisschen spiele, als wäre sie einem Waltraud-Haas- oder Peter-Alexander-Film entsprungen.

Alexander Kern, Caroline Frank

Caroline Frank beim Interview mit Alexander Kern

©kurier/Martina Berger

In der „Pension Schöller“ verschwimmt die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn ...

Was einerseits an den exzentrischen Darstellern, dem Bühnenbild und der Musik liegt. Die Inszenierung hat einen eigenen Spektakelstil, für den Ruth Brauer-Kvam und Kyrre Kvam bekannt sind, und der schon bei „Luziwuzi“ so prächtig funktioniert hat. Andererseits passt das Stück auf seine Art auch so gut in unsere Zeit.

Weil die Welt ohnehin ein Irrenhaus ist?

Heute stellt jeder seine Exzentrik ungeniert zur Schau. Normalität liegt im Auge des Betrachters. Wer ist jetzt der Verrückte? Das kommt drauf an, wie man es etikettiert. In anderem Licht betrachtet ist ein Wahnsinniger plötzlich gar nicht mehr so wahnsinnig. Das ist ein perfektes Thema für die heutige Zeit, in der das Normale oft verrückt geworden ist und umgekehrt.

Wie irre sind Sie im echten Leben?

Ich bin wahnsinnig langweilig. (lacht)

Ganz schlecht für unser Interview!

Ich finde nicht! Eigentlich finde ich das sogar super. Ich bin eine Mutter von zwei Kindern, eine verheiratete Frau, ich wohne in Perchtoldsdorf und ich liebe all das. Klar: Als Schauspielerin ist man ständig woanders engagiert, vieles dreht sich um einen im Mittelpunkt, da weiß meine Familie ein Lied davon zu singen. Aber eigentlich geht es in meinem Leben relativ gesittet zu. Ich bin einzig sehr spontan, das sorgt manchmal für Aufregung. Und da müssen dann alle mitziehen. Aber ein ausgeflipptes Gemüt bin ich nicht.

Liegt Ihnen die Komödie mehr als jedes andere Fach?

Ich liebe die Komödie. Meine Zeit im Kabarett Simpl war eine gute Schule, ich habe da mit Michael Niavarani gespielt und konnte von den Besten lernen. Aber ich liebe auch das Drama, finde es erfrischend, wenn ich dann wieder einen Krimi drehen kann. Ich bin glücklich, beides zu machen.

Sie sind aber auch aus vielen Musicals bekannt, haben in „Chicago“ oder „Evita“ gespielt. Warum hatten Sie genug davon?

Nach 20 Jahren Musical war es dann auch irgendwann gut. Es passt besser zu meinem heutigen Leben nicht jeden Tag sozusagen Hochleistungssport betreiben und sieben Shows die Woche spielen zu müssen. Ich hatte Lust, etwas anderes zu machen und dafür war Schauspielen super.

Welche Musical-Rolle hat Sie am stärksten geprägt?

Das Schönste, das ich spielen konnte, war sicher die Velma in „Chicago“ – eine Traumrolle. Aber was wirklich jeden Abend mein Herz erfüllt hat, war „Mamma Mia!“. Diese wunderbaren Lieder zu singen und dann beim Schlussapplaus auf der Bühne zu stehen und die Leute vor Freude ausflippen zu sehen, das war total schön.

Schauspielerin Caroline Frank in ihrer Rolle in "Pension Schöller"

Schauspielerin Caroline Frank in ihrer Rolle in "Pension Schöller"

©Rita Newman

Ein Schauspielerleben ist oft recht unstet. Ist das privat manchmal schwierig?

Ja, deshalb bin ich glücklich, mit meinem Mann einen guten Teampartner zu Hause zu wissen, der mich in dieser Hinsicht sehr viel unterstützt. Alleine könnte ich das alles nicht stemmen. Er hilft mir, alles zu organisieren. Dafür bin ich dankbar.

Ihre Eltern haben sich in Australien lieben gelernt, Sie sind dort geboren, dann im Kindergartenalter nach Österreich zurückgekommen. Wie war das?

Mein Vater ist Kärntner und wollte unbedingt zurück nach Österreich; für meine Mutter war es ein bisschen ein Kulturschock. Ich selbst kann mich an diese Rückkehr nicht mehr stark erinnern. Später als Erwachsene habe ich Australien dann besucht.

Caroline Frank

Caroline Frank

Caroline Frank  wurde 1976 in Katoomba, Australien geboren, aufgewachsen ist sie in Österreich. Sie spielte in vielen Musicals von Mainz über München bis Wien, von „ Der Graf von Monte Christo“ bis „Chicago“. Im Simpl war sie Teil des Ensembles. Im TV spielte sie in „Tatort“, „Landkrimi“ oder „Mord in Wien“. Verheiratet mit Musikproduzent Werner Stranka, zwei Kinder. 

Welchen Eindruck hatten Sie?

In gewisser Weise ist Australien eine ganz andere Welt. Die Menschen etwa begegnen einem dort etwa so offen und freundlich, dass es einem als Wienerin beinahe komisch anmutet. Ich habe zwar auch einen australischen Pass, aber sonst keine Verbindung zum Land, bin Österreicherin und vor allem liebe ich Wien. Ich genieße die schöne Landschaft hierzulande und unsere vier Jahreszeiten – ohne Skorpione und andere giftige Tierchen.

Sie strahlen immer einen großen Optimismus aus. Ist das Ihr Lebensrezept?

Ich gehe immer davon aus, dass alles gut für mich ausgeht – weil ich es möchte. Und wenn es sich jetzt gerade nicht so anfühlt, dann wird es sich beim Happy End gut anfühlen.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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