Mann mit lockigen, schulterlangen Haaren, Bart und Kette blickt ernst in die Kamera vor dunklem Hintergrund.

Warum Kabarettist Berni Wagner Naturromane meidet

Lachen beim Lesen kann, muss für den Kabarettisten Berni Wagner aber nicht sein. König Artus hat ihn geprägt. Dafür mag der studierte Biologe Naturromane eher nicht.

Kabarettist Berni Wagner gehört zu den wortgewandtesten Humoristen des Landes.

Derzeit tourt er mit seinem Programm „Monster“ durch Österreich und Deutschland. Und das hat wohl auch mit seiner Leidenschaft für Literatur zu tun. Die erste große Lese-Obsession waren Sagen-Nacherzählungen von Auguste Lechner, etwa König Artus. Danach folgte Fantasy, allen voran Der Herr der Ringe. „Fasziniert hat mich zunächst das Fantastische und Magische in diesen Welten“, sagt Wagner. „Aber rückblickend war das wohl auch der Beginn meiner Faszination für den Zauber der Sprache.“

 Kein Zufall sei es, dass man bei Magie sofort an Zaubersprüche denke: „Mit der richtigen Kombination von Worten lassen sich alle Naturgesetze aushebeln und völlig andere Realitäten schaffen – zumindest im Kopf. Genau das macht jede gute Literatur.“

Hier musste der Kabarettist lachen

Die ersten Bücher, bei denen er sich vor Lachen kaum halten konnte, waren ebenfalls Sagen-Nacherzählungen rund um König Artus – diesmal aber von Gerald Morris. „Humor braucht meist eine Referenz. Im Kontrast zu Auguste Lechner waren diese Geschichten so lapidar und locker erzählt, dass allein die Leichtigkeit ein Dauergrinsen erzeugt hat.“

Zuletzt laut lachen musste Wagner bei Malibu Orange von Ulrike Haidacher über eine Frauenfreundschaft am Abgrund, Mini Horror von Barbi Marković voll mit kurzen Episoden von Mini und Miki und Yellowface, eine Satire auf den Literaturbetrieb, von Rebecca F. Kuang. Besonders schätzt er Unter der Gürtellinie, die humorvolle Abrechnung seiner Schwester Johanna Wagmeier mit ihrer Krebserkrankung.

Ein junger Mann sitzt entspannt auf einem Sofa, liest ein Buch und lächelt, während er in eine Decke gehüllt ist.

Der Kabarettist Berni Wagner beim Lesen. Er liest durch die Bank, nur mit Romane, die sich mit Natur beschäftigen hat er es nicht so.

©Privat

Und auch wenn der berufliche Humorist privat gerne lacht, beim Lesen geht es ihm aber eher um etwas anderes: „Ums Entdecken, weniger ums Entertainment. Bei Comedy ist der Text funktional, bei Kabarett vielleicht gar didaktisch, aber Poesie oder schiere Seltsamkeit finden sich da eher selten“, sagt Wagner. „Ich lese gerne Sachen, die sich nicht anbiedern und vielleicht auch über die Grenze des rational verständlichen hinaus gehen.“

Diesbezüglich war Samanta Schweblins düstere Geschichtensammlung Good and Evil and other Stories für ihn die „perfekteste Leseerfahrung seit langem“.

Berni Wagner und die Biologie

Wagner ist promovierter Biologe (die Dissertation schrieb er über die Musikwahrnehmung von Tieren) und beschäftigte sich in Arbeiten mit Wellensittichen und Fischfossilien. Populärwissenschaftlichen Büchern steht er skeptisch gegenüber: „Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu ihnen, weil ich ihnen nie ganz traue.“

Ein großes, schwarzes Regal mit vielen Fächern, die unterschiedlich sortierte und gestapelte Bücher enthalten.

So sieht Berni Wagners Buchregal aus.

©Privat

Romane, die sich mit Natur beschäftigen, empfindet er oft als „recht unerträglichen Kitsch“. Denn: „Meist ist das, was Menschen in der Natur zu entdecken glauben, ohnehin nur eine Projektion des allzu Menschlichen.“ Trotzdem empfiehlt er die Kurzgeschichte The Great Silence von Ted Chiang: „Man versteht vielleicht, was an den Wellensittichen so interessant sein kann.“

Neben seinen Kabarettprogrammen arbeitet Wagner auch an Hörspielen, etwa für FM4. Reizt ihn da nicht auch ein Roman? Schon. „Aber ich habe großen Respekt davor“, sagt er. „Prosa zu schreiben ist eine eigene künstlerische Fertigkeit, an der viele ihr Leben lang arbeiten. Da will ich mir nicht einbilden, ich könnte das, nur weil ich ungefähr weiß, wie man lustige Bühnenmonologe schreibt.“

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

ist Redakteur bei der KURIER Freizeit. Seit Dezember 2020 schreibt er über Reisen, Kultur, Essen und Lifestyle. Kurz: über alles, was schön ist und Spaß macht. 2011 startete er in der KURIER-Chronik als Mitarbeiter für Oberösterreich, später produzierte er lange verschiedene Regionalausgaben.

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