Schön geflickt: RESI macht aus Löchern Kunst
Endlich haben sie den eigenen Shop in Wien. Mit „RESI“ setzen zwei Frauen flickend und stickend ein Statement für Langlebigkeit.
Von Ingrid Greisenegger
Es gibt Schlimmeres im Leben, aber auch ein Fleck kann bedrücken. Wo Fett spritzt und Sauce kleckert, hilft manchmal kein Reinigungsversuch. Wenn es damit wirklich ernst wird, kann RESI Slow Fashion helfen. Mit ihrem Business-Modell, einem Rettungsdienst für Textiles, waren Serafina Spatt und Alina Saavedra Santis bereits drei Jahre lang in wechselnden Pop-up-Stores unterwegs, jetzt, ab September, haben sie es zum ersten eigenen Shop gebracht. In der Wiener Burggasse eröffnet das Zweifrauenteam gerade seinen fixen Reparaturservice. Einen, der sich nicht, so wie die allen vertraute Änderungsschneiderei aufs Kürzen, Verlängern oder Kunststopfen versteht, sondern einen, der Risse, Löcher (ob von Motte oder Nagel) verschließt oder einen unschönen Fleck verdeckt.
Löcher in Kleidung gekonnt reparieren
Durch kreatives Dekor wird der Vorgang sogar noch extra sichtbar gemacht. „Visible Mending“ heißt die Methode, die immer mehr Nachfrage und auch Anbieter findet. Dabei geht es nicht nur um einen Akt Erster-Hilfe-Leistung – durch eine sichtbar gemachte Reparatur wird die Kleidung zu einem Designer-Stück upgegradet und zu einem Unikat. Dabei kommen bunte Garne zum Einsatz, Flicken werden eingearbeitet und man übt sich in der Stickkunst, vorzüglich an Vorstich und Kreuzstich.
Kunstvolles Flicken auch für Zuhause lernen
Serafina Spatt, Expertin für nachhaltigen Konsum und Alina Saavedra Santis, die sich aufs Schneidern versteht, haben sich zu einer Plattform zusammengetan, die diese Techniken auch in Workshops vermittelt. Für das Do-it-Yourself zu Hause bieten sie in ihrem Online-Shop das Werkzeug an, das man dafür benötigt und das sie selbst verwenden – vom Garn über Nadeln und Hilfen zum Einfädeln bis zur Arbeitslupe und dem Stickrahmen. Vielleicht freut sich auch jemand über ein praktisches Auftrenngerät. Wer keine Zeit oder Geduld fürs Selbermachen hat oder dem eigenen Geschick nur wenig vertraut, kommt in den Laden in der Burggasse. Für die Preisberechnung der Reparatur sendet man Fotos des Schadenfalls ein. Am besten, indem man zum Größenvergleich die kaputte Stelle mit einer Münze oder einem Lineal daneben ablichtet.
"Alles ist reparierbar"
RESI haben die Unternehmerinnen ihr Geschäftsmodell benannt, weil der weibliche Vorname an die Generation ihrer Uromas erinnert, bei der das Reparieren von Kleidung noch zum Alltag gehörte, beispielsweise auch das Stopfen von Socken. „Alles ist reparierbar“, sagt Spatt, „ob Strickware, dehnbare Stoffe wie Jersey, leichte wie Viskose oder Seide und jede Art von Baumwolle.“
re:pair FESTIVAL
Vom 13. bis 31. Okt. 2025 findet in Wien das re:pair FESTIVAL statt. Die Schwerpunktthemensind : Paradise Lost - unser Verhältnis zur Natur; Unsere zweite Haut: Fashion. Mit Workshops, Führungen u.s.w. , sowie die Ausstellung "Masterpieces of Repair and Upcycling". Eintritt frei,
Wo?: Festivalzentrale: Atelier Augarten, 1020 Wien.
Mehr dazu unter www.repair-festival.wien
Im Ausland haben Formen des „Visible Mending“ zum Teil eine lange Tradition. Bekannt ist die japanische Flick- und Sticktechnik Sashiko, die für gelebte Nachhaltigkeit steht. Da man in Japan erst spät mit dem Anbau von Baumwolle begonnen hat (die Alltagsstoffe waren aus Hanf, Leinen, Schlingpflanzen) und man Seide nur für rituelle Gewänder nutzte, war jedes Stück Textil kostbar. „Die Landbevölkerung hat ihre Arbeitskleidung immer wieder mit kleinen Stofffetzen geflickt, das war der Not geschuldet“, erklärt Tina Zickler, die Leiterin des „re:pair Festvals“, die sich seit Jahren aktiv für eine Reparaturkultur einsetzt und auch Sashiko-Workshops anbietet. „Heute haben wir eine veränderte Wertschätzung von Reparatur“, sagt sie, „denn jetzt haben wir es mit einer Flut schnelllebiger Wegwerfprodukte zu tun, oft aus erdölbasierten Kunstfasern“. Flicken und Stopfen ist heute ein Statement gegen den Überkonsum als einem Mitverursacher des Klimawandels.
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