New Yorker Sauna-Partys und wie gesund die Hitze wirklich ist
Gemeinsame Schwitzabende sind in New York hippe Party-Alternativen. Aber wie gesund ist der Saunagang tatsächlich?
Dampfwolken hängen in der Luft, dazwischen dröhnt ein DJ-Set, Menschen in stylishen Badehosen und Bikinis sitzen schwitzend nebeneinander und unterhalten sich, neben den Abkühlbecken tanzen die Gäste.
In New York ist die Sauna gerade das, was früher die Bar war. Wer etwas auf sich hält, trifft sich nicht mehr auf einen Cocktail oder ein Afterwork-Bier, sondern auf einen Aufguss. Das „Bathhouse“ in Williamsburg veranstaltet gut besuchte Raves zwischen Sauna und Eisbecken, „Othership“ inszeniert kollektives Schwitzen fast schon wie ein spirituelles Event, und mit „Lore“ hat vor einigen Wochen der nächste Hotspot aufgesperrt. Um 200 Euro im Monat kann man Mitglied werden, sofern es die Warteliste erlaubt.
Die neuen Clubs
Die Badehäuser wirken wie die neuen sozialen Clubs für eine Generation, die Wellness, Selbstoptimierung und Gemeinschaft miteinander kombinieren will. Gesund Feiern, ohne Alkohol, zu wenig Schlaf oder gar einen Kater – das ist angesagt.
In Finnland, Schweden oder Norwegen dürfte man darüber nur müde lächeln. Dort ist die Sauna kein Trend, sondern Alltag. Kein Event, sondern vielmehr eine kulturelle Selbstverständlichkeit. Und auch in Österreich sind es vor allem die Babyboomer, die die Hitze in Thermen genießen.
Befeuert wird der aktuelle Sauna-Hype von Figuren wie Bryan Johnson, dem bekanntesten Longevity-Promi der USA. Er preist Hitze als Werkzeug gegen den Alterungsprozess. Sauna wird damit Teil eines größeren Versprechens: Wer richtig schwitzt, lebt länger. Und besser.
Studienlage
Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht. Markus Metka, österreichischer Anti-Aging-Mediziner, erklärt im KURIER-Interview, dass die Studienlage die Vorteile des Saunierens tatsächlich stützt. „Wer gesundheitlich profitieren will, sollte mindestens zwei Saunagänge pro Woche einplanen – ein Besuch pro Monat reicht dafür nicht aus.“ Entscheidend sei der Wechselreiz: Hitze weitet die Gefäße, Kälte verengt sie. „Das ist eine klassische Reiztherapie. Die Gefäße werden elastischer – gerade im Alter, wenn sie zunehmend starrer werden.“ Diese Elastizität sei zentral für die Gefäßgesundheit.
Finnische Langzeitstudien zeigen, dass regelmäßiges Saunieren mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Schlaganfälle und Bluthochdruck treten seltener auf. „Die Studienlage bestätigt Vorteile des Saunierens“, sagt Metka. Ohne Heilsversprechen, aber mit klarer Evidenz.
Unterstützt Zellreinigung
Ein weiterer Effekt von einer Schwitzkur bei 100 Grad Celsius sind sogenannte Hitzeschockproteine, wie Metka erklärt. Sie unterstützen Prozesse wie die Autophagie, die körpereigene „Müllabfuhr“ der Zellen. Alte, beschädigte Zellbestandteile werden abgebaut, Platz für Neues entsteht.
All das sei freilich nicht neu. „Schon Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp kannte die Wirkung von Hitze und Kälte, von Wasser und Wechselreizen“, sagt der Experte. „Nur wirkt seine Lehre heute verstaubt – verglichen mit den trendigen Saunen in New York. Das Prinzip bleibt aber dasselbe.“
Die Amerikaner haben der Sauna nur einen neuen Anstrich in Form von Neonlicht, DJs und Party-Charakter verpasst und aus dem Schwitzen ein soziales Erlebnis gemacht.
Angezogene Jugend
Auch in Österreich versucht man, der jungen, gesundheitsbewussten Generation die alte Hitzekur schmackhaft zu machen. In der Therme Loipersdorf etwa, wo im April das erste Saunafestival stattfindet: Neben Yoga-Angeboten gibt es dort auch ein Miteinander in der Saunalandschaft – sogar Sarongs oder Bademäntel dürfen mit. Denn für viele Angehörige der Gen Z und Millennials ist die traditionelle Nacktsauna noch immer eine Hemmschwelle. Das Problem kennt man in den USA nicht, wo Badekleidung ohnehin Usus beim Saunieren ist.
Ob es hierzulande bald auch Hüte geben wird, wie sie in den New Yorker Spa-Tempeln üblich sind, bleibt abzuwarten. Dort schützten sich Gäste mit Filzbedeckungen vor Überhitzung des Gehirns. Die Hütchen des hippen Bathhouse genießen bereits Kultstatus.
INFOS
Das Saunafestival findet in der Therme Loipersdorf vom 17. bis 19. April statt. Mit Show-, Themen-, Kräuter- und Kulinarikaufgüssen. Mehr dazu
Ein 61Prozent geringeres Risiko für einen Schlaganfall bei vier bis sieben Saunagängen pro Woche errechnete eine Studie, die von der Uni Innsbruck und einer Uni in Ostfinnland durchgeführt wurde.
Eine kleine Studie aus Portugal zeigte zudem ein gesteigertes Muskelwachstum bei jungen Menschen, wenn Saunagänge nach Sporteinheiten absolviert wurden als ohne Schwitzkur nach dem Training. Forscher führen das auf eine gesteigerte Signalübertragung der Muskelproteinsynthese zurück.
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