Wintour wartet als erster Gast auf die Show von Collina Strada

Wintours Wandel: Der Teufel mag es jetzt lässig

Die Legende der Modewelt wirkt zum Start von "Der Teufel trägt Prada 2" entspannt wie nie.

Nach nur neun Monaten wurde Anna Wintour 1975 als Modeassistentin beim Magazin Harper’s Bazaar gefeuert. Sie sei eine schrecklich schlechte Assistentin gewesen, wie sie in einem ihrer seltenen Interviews kürzlich selbst zugab. 

„Damals bekamen Leute Jobs ohne Qualifikationen, weil jemand jemanden kannte. Es war falsch – und ich war sehr schlecht. Ich hatte einfach Glück. Sehr viel Glück.“

Tatsächlich hatte ihr Vater Charles Wintour, Chefredakteur des Evening Standard, ihr den Einstieg ermöglicht. Kollegen erinnern sich: nicht die Begabteste, aber extrem ehrgeizig und zielstrebig.

Karriere als Nuclear Wintour 

Zurückhaltend erzählt die Britin nun also über ihre Anfänge – deutlich härter klingen andere Aussagen. Als sie 1985 Chefredakteurin der britischen Vogue wurde, entließ sie einen Großteil der Redaktion. „Jeder sollte einmal im Leben gefeuert werden“, sagte sie später, das sei eine gute Schule.

Disziplin

Mit stoischem Blick und markantem Bob avancierte sie ab 1988 als Chefin der US-Vogue zur Ikone der Modewelt. Disziplin verlangt die passionierte Tennisspielerin auch von sich selbst: Aufstehen um 4:30 Uhr, Training bei Sonnenaufgang, danach Haare und Make-up und ab ins Büro – wo ihre Assistentinnen bereits warten müssen.

Sogar ein Buch wurde über die mühsame Arbeit mit der fordernden Chefin geschrieben – „Der Teufel trägt Prada“ 2006 mit Meryl Streep verfilmt. Während Wintour anfangs kühl reagierte, spielt die 76-Jährige heute kokett mit dem überzeichneten Alter Ego.

98th Academy Awards - Oscars Arrivals - Hollywood

Gut gelaunt bei den Oscars 2026 in Dior

©REUTERS/Carlos Barria

Heute lässiger

Was im Film unter anderem nicht stimmt: Die echte Wintour trägt in der Öffentlichkeit nie Hosen, sondern lange Röcke oder Kleider.

Gerade erscheint sie sogar lässig mit Streep auf dem Cover der aktuellen Vogue und spielt mit dem Image der strengen Chefredakteurin – die sie gar nicht mehr ist. 2025 gab sie ihren Posten nach 37 Jahren auf, nur um als Chief Content Officer für das gesamte Medienhaus Condé Nast noch mächtiger zu werden. 

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Wintour und Streep auf dem Cover der neuen Vogue, beide in Prada.

©Courtesy of Vogue/Screenshot

Seither wirkt sie deutlich entspannter in ihren Prada-Outfits, die sie immer öfter mit einem Lächeln kombiniert.

Mehr Tiefen als ihre unglaubliche Karriere hatte ihr Privatleben. Nach der Trennung vom Psychiater David Shaffer wegen einer aufgeflogenen Affäre mit Unternehmer Shelby Bryan wurde auch die Ehe mit diesem 2020 geschieden. Kürzlich gab es Gerüchte um eine Beziehung mit Schauspieler Bill Nighy, die dessen Pressesprecher aber dementiere.

2023 Met Gala at the Metropolitan Museum of Art

2023 kam Bill Nighy mit ihr zur Met Gala, die sie organisiert.

©EPA/JUSTIN LANE

Wenig gute Freunde, aber viele Bekannte

Freunde wählt Wintour ebenso selektiv wie ihre Mitarbeiter. „Sie ist gegen alle Menschen immun, die keine Macht haben oder nicht berühmt sind“, spottete einst ihr ehemaliger Weggefährte André Leon Talley

Neben Nighy verbringt die Modeikone viel Zeit mit Huma Abedin, einst Beraterin von Hillary Clinton und seit Kurzem mit Milliardär Alexander Soros verheiratet.

US Open Grand Slam 2022

Tennisfan: Mit Freundin Huma Abedin bei den US Open in New York.

©EPA/JASON SZENES

Auch Sarah Jessica Parker zählt zum engen Kreis – ebenso wie ihre Kinder Bee und Charles. Wenn es um Familie geht, wird die sonst so strenge Modeinstanz plötzlich weich:

 „Ich versuche, meinen Kindern und Enkeln zu vermitteln, dass Familie das Wichtigste ist. Wenn man ihre Unterstützung hat, wird alles andere gut.“

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Tochter Bee ist mit Francesco Carrozzini verheiratet, Sohn der verstorbenen Chefin der italienischen „Vogue“.

©APA/AFP/ANGELA WEISS/ANGELA WEISS

Der weltweite Werbemarathon für „Der Teufel trägt Prada 2“

Zwanzig Jahre nach dem ersten Film läuft die Werbemaschinerie für „Der Teufel trägt Prada 2“ auf Hochtouren. Kein anderer Film wird derzeit so strategisch vermarktet: mit nostalgischen Mode-Momenten und einer weltweiten Pressetour, die selbst zum Modespektakel geworden ist. 

Die Original-Mannschaft von 2006 ist wieder mit von der Partie. Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci jetten derzeit von Stadt zu Stadt und posieren auf Premieren. Anne Hathaway erschien in Tokio etwa in einer Couture-Robe von Valentino. Meryl Streep präsentierte sich  bereits in Schiaparelli und Chanel. 

Schon während der Dreharbeiten erzeugten Paparazzi-Fotos von Film-Outfits laut der Plattform Launchmetrics einen Medienwert von  33 Millionen Dollar für Modehäuser – ein Effekt, der sonst nur bei Fashion Weeks entsteht. 

Der erste Trailer zum Film wurde innerhalb von 24 Stunden 222 Millionen Mal angesehen – laut Studio ein Rekord für eine Komödien-Produktion. 

Am 29. April startet der Film in Österreich.

SKOREA-ENTERTAINMENT-FILM

Meryl Streep und Anne Hathaway in Seoul

©APA/AFP/JUNG YEON-JE
Christina Michlits

Über Christina Michlits

Hat Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert. Nach Kennenlernen des Redaktionsalltags bei Profil und IQ Style, ging es unter anderem zu Volume und dem BKF. Seit 2010 bei KURIER für die Ressorts Lebensart und Freizeit tätig. Schwerpunkte: Mode, Design und Lifestyle-Trends.

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