Fasten kann bei Essens-Einladungen herausfordernd sein.

Wie verhalte ich mich als Fastender in Gesellschaft?

Fasten funktioniert für viele gut – bis das erste gemeinsame Essen mit Freunden oder Familie ansteht.

Für manche ist es ein religiöses Ritual, für andere eine gesundheitliche Maßnahme oder eine Phase der bewussten Reduktion: Fürs Fasten gibt es viele Gründe.

Doch wer in Gesellschaft auf Essen, Alkohol oder Kaffee verzichtet, stellt oft fest: Fasten ist nicht nur eine körperliche, sondern auch eine soziale Herausforderung. Ob man sich diesen Situationen stellen will, wird meist dann relevant, wenn Einladungen zum Essen anstehen. Die Linzer Gesundheitspsychologin Katharina Eichin rät in dem Fall, von Anfang an ehrlich zu sein. Will man absagen, ist es wichtig, dem Gastgeber gegenüber wertschätzend zu bleiben. „Ich kann der anderen Person sagen, dass ich die Einladung im Moment leider nicht annehmen kann, weil ich faste. Vielleicht kommt eine andere gemeinsame Aktivität in Frage, die mit den eigenen Fastenprinzipien vereinbar ist?“ Alternativ macht man sich einen Termin nach der Fastenzeit aus.

Gastgeber informieren

Möchte man die Einladung hingegen annehmen, empfiehlt es sich, den Gastgeber vorab darüber zu informieren. „Wenn die Reaktion positiv ist, kann man ja vielleicht gemeinsam eine Lösung finden, zum Beispiel gemeinsam etwas kochen, das zu den Fastenregeln passt, oder etwas Zusätzliches mitbringen, von dem dann auch alle probieren können.“

Wie das Umfeld vor Ort darauf reagiert, ist nicht immer vorhersehbar. Kommentare wie „Willst du nicht mal eine Ausnahme machen?“ oder „Das bringt doch auf Dauer eh nichts“ sind da leider keine Seltenheit. Dass man sich dabei unbehaglich fühlt, sei „ganz normal“, sagt die Expertin.

Es sei völlig in Ordnung, klar und respektvoll zu sagen, was einem wichtig ist. Natürlich müsse man sich nicht auf jede Diskussion einlassen: „Es hängt ja auch von der Person ab, mit der ich gerade spreche. Ist es mir wichtig, dass sie meine Gründe kennt? Dann kann man näher darauf eingehen.“

Dabei sei es wichtig, bei Ich-Botschaften und dem eigenen Erleben zu bleiben, „um der anderen Person nicht das Gefühl zu geben, ich würde erwarten, sie müsse sich ebenso verhalten“. Kennt man die andere Person weniger gut, reiche eine freundliche Absage.

Gemeinsam verzichten

Grundsätzlich ist es einfacher, Ernährungsgewohnheiten zu verändern, wenn andere mitmachen. Wenn das Umfeld ebenso fastet, gerät man weniger in Versuchung, zudem lässt sich der Verzicht besser in den gemeinsamen Alltag integrieren. Ziehen Familie oder Freunde an einem Strang, könne das entlasten – auch weil man Erfahrungen teilen kann.

„Außerdem gibt es einen gewissen Grad an ’Gruppendruck’, wenn ich weiß, dass meine Familie auch fastet und bemerkt, wenn ich mich nicht daran halte“, sagt die Gesundheitspsychologin.

Liisa Mikkola

Über Liisa Mikkola

Redakteurin und Digital Producer beim KURIER und freizeit.at, dem Digitalformat der KURIER freizeit.

Kommentare