Verbal-Viagra: Wie Gespräche Ihr Sexleben verbessern können
Eine neue Studie zeigt: Für ein besseres Sexleben braucht’s weniger Akrobatik als gedacht – stattdessen mehr Worte und Verständnis.
Es gibt Paare, die können über alles reden – außer über Sex. Über Strompreise, Urlaubspläne, die rollig Katze der Nachbarn: kein Problem. Aber sobald es ums Vögeln geht, verhärten sich plötzlich die Kiefer, jemand räuspert sich und einer sagt garantiert: „Passt eh“, obwohl absolut nix passt.
Exakt da setzt eine neue Studie an, die man sich wunderbar als Reality-Check fürs Liebesleben vorstellen kann. Forschende aus Kanada haben 441 Menschen ein Jahr lang begleitet – weniger akademisch ausdrückt: Sie wollten schlicht wissen, warum manche in Beziehungen über Sex wie zwei höfliche Fremde im Aufzug reden und warum genau diese später – nona – unzufrieden sind. Die Antwort: Es liegt an unseren Bindungsmustern, also daran, wie wir Nähe und Distanz regulieren.
Tataaa – Menschen, die eher auf Distanz gehen, reagierten im Laufe der Studie beim Thema Sex öfter mit Rückzug, Mauern oder kleinen emotionalen Nebelgranaten. Wer so kommunizierte, war ein Jahr später unzufriedener im Bett. Die Logik ist simpel: Menschen, die beim Gespräch blocken, blockieren auch irgendwann den Spaß. Bei den ängstlich Gebundenen ist es fast tragikomisch: Sie wollen Nähe unbedingt – so unbedingt, dass die Gespräche manchmal ins Drama kippen. Zu viel Druck, zu viel Interpretieren, zu viel grübeliges „Sag mir bitte sofort, was du fühlst!“. Und irgendwann dann: weniger echte Dialoge über Wünsche, mehr Chaos im Kopf – und nach einem Jahr weniger Zufriedenheit unter der Bettdecke.
Entscheidend war, wie Paare reden. Denn diejenigen, die sich trauten, über Sex so zu sprechen, wie andere über das neue Sushi-Lokal, waren ein Jahr später deutlich glücklicher.
Das eigentlich Erfreuliche ist jedoch nicht, wie vorhersehbar menschliche Muster sind, sondern wie rettbar sie sind. Denn am Ende war für die sexuelle Zufriedenheit nicht entscheidend, wer welches Kindheitskapitel im Bindungsbuch stehen hat. Entscheidend war, wie Paare reden. Denn diejenigen, die sich trauten, über Sex so zu sprechen, wie andere über das neue Sushi-Lokal, waren ein Jahr später deutlich glücklicher. Kommunikation wirkt als Lustverstärker – ohne Schuldzuweisungen, aber mit viel Neugierde aufeinander. Für ein besseres Sexleben braucht es also weniger Mental-Viagra, stattdessen reicht manchmal die unspektakuläre Frage „Magst du mir sagen, was du brauchst?“ Kein Feuerwerk, keine Tantra-Ausbildung, kein Retreat in der Steiermark. Nur zwei Menschen, die reden. Nix Neues. Bereits 2015 nannte die Wiener Sexualmedizinerin Michaela Bayerle-Eder Sexualität die „höchste Form der Kommunikation zweier Menschen“. In ihrer Studie reichte oft schon eines: dass sich Frauen intensiver mit ihrer Sexualität beschäftigten und mit ihrem Partner offen darüber sprachen – schon verbesserten sich Lust und Zufriedenheit messbar. Die neuen Erkenntnisse bestätigen das: Sex scheitert weniger am Begehren als an der Angst, sich zu zeigen. Es ist kein Mangel an Spielzeug, an Fantasie, an geilen Techniken. Es sind die fehlenden Sätze. Die wichtigste erotische Handlung des Moments ist kein Erotik-Exzess, es sind Dialoge wie diese : „So fühle ich’s, so will ich’s.“ Und einer antwortet: „Gut. Dann schauen wir uns das an – gemeinsam.“ Das ist kein Kuschelprogramm, das ist erwachsene Se
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