Beziehungen im Wandel: Warum "Partner" heute moderner klingt
Keine Teenager mehr, fix zusammen aber nicht verheiratet: Wie soll man den anderen dann eigentlich bezeichnen? Die Generation Z sucht nach Alternativen.
Es war das inoffizielle Highlight der ersten großen Hollywood-Preisverleihung im neuen Jahr: Gewinner Timothée Chalamet bedankte sich auf der Bühne bei Kylie Jenner, ohne sie namentlich zu nennen – stattdessen bezeichnete er die Beauty-Unternehmerin als „my partner of three years“, also seine Partnerin seit drei Jahren. Damit lieferte der Schauspieler nicht nur einen lang ersehnten Beweis für die Beziehung, sondern auch Stoff für eine Online-Debatte.
Es war vor allem das Wort „partner“ – im Englischen ein genderneutraler Begriff –, das die Aufmerksamkeit der User erregte. Die Bezeichnung klinge einfach seriöser als „Freundin“, besonders in Chalamets und Jenners relativ jungem Alter, lautete der Tenor. Der britische Independent analysierte nach der Preisverleihung sogar, Chalamet habe mit seinem Auftritt den Begriff „Boyfriend / Girlfriend“ überflüssig gemacht.
Aus der Zeit gefallen
Wenn das stimmt, trifft es auf die deutsche Sprache umso mehr zu: Hier wird Boy- oder Girlfriend schlicht mit Freund oder Freundin übersetzt, was sprachlich keinen Unterschied zu einem platonischen Gefährten darstellt. „Psychologisch und gesellschaftlich signalisiert ,Partner(in)’ eine auf langfristige Verbindlichkeit ausgerichtete Beziehung“, bestätigt Lisa Fischbach, Psychologin bei der Online-Singlebörse Elitepartner. „Der Begriff wird meist von Paaren genutzt, die damit eine Ernsthaftigkeit des Miteinanders zum Ausdruck bringen und sich bewusst vom informelleren Alltagsbegriff ,Freund(in)’ abgrenzen.“
Die Diskussion fußt auf einer großen gesellschaftlichen Entwicklung: Während es vor 100 Jahren „Mann“ oder „Frau“ und nichts dazwischen gab, leben heute mehr Menschen denn je in nicht-ehelichen Partnerschaften. Vor allem Junge suchen nun nach einer passenden Bezeichnung, die weder beliebig (Freund/Freundin) noch altbacken (bessere Hälfte) oder technisch (Mutter/Vater meiner Kinder) klingt.
Die seit Jahrzehnten etablierten Begriffe „Lebensgefährte“ oder – weniger romantisch – „Lebensabschnittspartner“ sind für die meisten ebenfalls keine Option mehr, weiß die Expertin.
„Beide Begriffe gelten im heutigen Sprachgebrauch als unüblich und werden vornehmlich von älteren Menschen verwendet“, sagt Fischbach. „Der Begriff Lebensabschnittspartner hat darüber hinaus eine nüchterne Konnotation. Er reflektiert die Tatsache, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens mehrere Beziehungen führen.“
Die Zeit wird zeigen, welche Begriffe sich durchsetzen – und ob sich die Partnerschaft von Jenner und Chalamet am Ende doch als Lebensabschnitt entpuppt.
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