Wohnen 09.01.2012

Wie man sich ein Schneeparadies einrichtet

Ein Penthouse im italienischen Nobelskiort Cortina d'Ampezzo zeigt, wie so etwas aussehen kann.

Die Olympischen Winterspiele 1956 haben den Ort berühmt gemacht, seither diente er unzähligen Hollywood-Produktionen als FilmkulisseRoger Moore jagte als James Bond über die Bobbahn, Claudia Cardinale flirtete mit David Niven (Der rosarote Panther) und auch Klaus Kinski trieb hier sein Unwesen (Leichen pflastern seinen Weg).

Cortina d’Ampezzo, das ist die etwas weniger marktschreierische Alternative zu mondänen Wintersportorten wie St. Moritz oder Kitzbühel. Die Reichen und Schönen lieben diesen auf 1200 Metern über dem Meeresspiegel gelegenen Platz in den Dolomiten – so sehr, dass sie bereit sind, für ein Feriendomizil fast jeden Preis zu bezahlen.

Während in Kitzbühel im gehobenen Wohnsektor zwischen 5000 und 8000 Euro pro Quadratmeter verlangt werden, wird in St. Moritz und Cortina das Doppelte bezahlt. "Das beginnt bei 10.000 Euro pro Quadratmeter", sagt etwa Christian Neumayr, in Tirol ansässiger Immobilientreuhänder und gerichtlicher Sachverständiger.

Auch bei den großen Anwesen gibt es große Unterschiede: Während die Obergrenze bei Villen in Kitzbühel bei 15 Millionen Euro liegt, sind es in Cortina schon rund 18 Millionen. Für viele sind solche Preise jenseits ihrer Vorstellungsgrenze. "Aber es gibt die Kundschaft dafür", weiß auch Immobilienbewerter Max Wohlgemuth.

Ein Chalet, frei von Protz und Kitsch

Das vorherrschende Element ist Holz: Der italienische Innenarchitekt Stefano Dorata hat das ursprüngliche Material der Berggegendin allen Räumen konsequent eingesetzt und damit für ein harmonisches Ganzes gesorgt.
© Bild: Andrew Martin

Gut betuchte Kunden sind auch die Auftraggeber des italienischen Innenarchitekten Stefano Dorata. Er richtete zuletzt Villen in Israel, Rom und Punta Ala ein, Penthäuser in New York und London. Zu einer seiner schönsten Arbeiten zählt ein kleines Chalet in Cortina. Von fast allen Räumen aus hat man einen direkten Blick auf das Dolomiten-Gebirge und Dorata antwortet auf diese beeindruckende Natur mit unkomplizierter, warmherziger Eleganz. Es ist anzunehmen, dass hier Geld keine Rolle gespielt hat. Trotzdem ist das Anwesen frei von Protz und jeglichem Kitsch.

Den Stil prägt das verwendete Grundmaterial: Fußboden und Einbaumöbel sind aus Eichenholz, auch die Wände sind damit verkleidet – und zwar nicht nur im Wohn- und Schlafzimmer, sondern auch im Bad. Das Badezimmer ist einer der schönsten Räume im Haus: Keine historisierenden Kacheln und Armaturen, sondern eine moderne Wanne, dazu ein Waschtisch aus schwarzem Corian.

Stefano Dorata
© Bild: Andrew Martin

Anwesen in den Bergen zählen zu den begehrtesten, aber auch zu den heikelsten Ferienadressen: Die Verlockung, hier mit falscher Hüttenromatik in Form von neuen Zirbenstuben, Gußeisen-Lustern, karierten Tischtüchern und jeder Menge nationaler Nippes zu antworten scheint groß.

Wie man all dem mit italienischer Grandezza entkommen kann, zeigt diese Immobilie in Cortina.

Buchtipp

Alle gezeigten Fotos sind im Bildband "Interior Design Review" von Andrew Martin (teNeues
Verlag, € 49,90) erschienen.

( Kurier ) Erstellt am 09.01.2012