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Interview
01/02/2015

Was zeichnet ein Wiener Grätzel aus?

Andrea Breitfuss von der Gebietsbetreung Stadterneuerung erklärt wie Viertel entstehen.

In Berlin sind es die Kieze, in Köln die Veetel und in Wien die Grätzel.

Andrea Breitfuss spricht im Interview über schwer ziehbare Grenzen, die typischen Merkmale eines Stadtteils und was die Gebietsbetreuung Stadterneuerung damit zu tun hat.

Wie sind "Grätzel" zu definieren?

Es handelt sich beim Grätzel um einen flexiblen Begriff, der nicht genau definiert werden kann. Es gibt nun mal keine klaren administrativen Grenzen, wie bei einer Stadt oder Gemeinde. Im landläufigen, umgangssprachlichen Sinne wird es als Gebiet verstanden, das die Bewohner zu ihrem Umfeld zugehörig empfinden. Wie man merkt, kann das sehr unterschiedlich sein. Meistens ist es alles, das sehr gut zu Fuß erkundet und erreicht werden kann. Die Größe hängt aber auch von "natürlichen" Grenzen ab. Dabei handelt es sich etwa um Schnellstraßen, Fabriksmauern oder andere Hindernisse, die nur ungerne oder schwer überwunden werden.

Wie entstehen Grätzel?

Jede Stadt durchläuft Veränderungen. In Wien ist es nicht anders. Grätzel entstehen grob gesagt durch die sich stetig ändernde Bausubstanz und Bevölkerung. Wenn also beispielsweise ein neues Viertel geschaffen oder ein altes saniert wird, kann in dem Gebiet neues soziales Leben entstehen. Die Bewohner fangen an, es als Grätzel zu sehen.

Worin besteht die Arbeit der Gebietsbetreuung Stadterneuerung?

Wir bieten in einem von uns definierten Gebiet, den Bewohnern Informationen rund um das Thema Wohnen. Das muss nicht unbedingt ein Grätzel sein, sondern das ist ein ganz klar abgegrenzter Raum. Wir helfen, wenn jemand Fragen zum Mietrecht hat oder wenn es um Sanierungen geht, informieren wir die Hausbesitzer oder Bewohner über die rechtlichen Rahmenbedingungen.Was jetzt stärker in den Fokus gerät sind nicht nur die Sanierungen der einzelnen Wohnhäuser, sondern auch das Umfeld. Wohnen hört für uns nicht etwa bei der Wohnungstür auf, sondern zieht sich in die Umgebung – ins Grätzel – hinein. Dazu gehören natürlich auch Grünflächen und Parkplätze.

Wie kam es zu der Idee, Grätzeltouren zu organisieren und unter welchen Kriterien werden sie ausgewählt?

Derzeit bieten wir eine Audio-Grätzeltour "Rund um das Mautner-Markhof-Gelände". Wir waren 2007 schon dabei, uns die Entwicklung dieses Gebietes genau anzusehen. Wir dachten uns, dass die Touren auch für Menschen interessant sein könnten, die nicht unmittelbar auf dem Gelände wohnen. Ausgehend davon fingen wir mit der Planung an. Im 3. Bezirk bieten wir die "Fasan Walks" an. Hier führen Experten und Bewohner durch das Grätzel. In Kürze wird es zu diesem Projekt unter fasan:hören auch Audio-Guides auf der Webseite geben. Das Grätzel um die Fasangasse hat aufgrund der starken umgebenden Barrieren sehr klar definierte Grenzen.

Wer genau sind die Stadtteilexperten bei den Touren?

Meist sind es Kontaktpersonen aus Gebieten, in denen wir schon länger aktiv sind. Menschen, die vor Ort wohnen, oder die beruflich in den Vierteln zu tun haben. In Interviews erklären sie uns dann ihre Sichtweise auf das Grätzel. Die Texte für die Audiotouren "Rund ums Mautner-Markhof-Gelände" hingegen stammen von uns und werden von einem professionellen Sprecher eingesprochen.

Lässt es sich sagen, welche Grätzel in den kommenden Jahren im Trend sein werden?

Solche Entwicklungen sind schwer vorherzusagen, da das Wachstum einer Stadt von vielen äußeren Faktoren abhängt. Anfang der 1980er-Jahre war es auch nicht klar, dass Wien durch den Fall des "Eisernen Vorhangs" so stark wachsen wird. Einige Gebiete jedoch, sind in den letzten Jahren durch Sanierung oder Neubau attraktiver geworden.

www.gbstern.at

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