Wohnen
19.12.2011

Unbekanntes Wohnobjekt Heizplatz

Fast jeder träumt davon, viele wissen nicht genug darüber: Ein Ofen oder Kamin will gut geplant sein.

Diese Entscheidung ist für jeden Raum eine Bereicherung.

Zudem ein Blickfang, der die Atmosphäre beträchtlich beeinflusst. "Lodernde Flammen", weiß einer ihrer erklärten Befürworter, der britische Stil-Guru Terence Conran, "sorgen für Bewegung, Farbe und natürliche Wärme." Zwei Aspekte spielen dabei eine Rolle: die Art des Feuers selbst und die Gestaltung seiner Umgebung. Irgendwie logisch, dass beides miteinander harmonieren sollte.

"Welche Kamin- oder Ofenart zu den persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen passt, ist eine sehr persönliche Entscheidung", heißt es dazu im Vorwort des neuen Bildbandes Wohnen mit Kamin & Kachelofen (Callwey Verlag). Es ist dabei weit mehr als ein hübsches Coffee-Table -Blätterbuch: Mit großzügigen Fotos bebildert stellen die Autoren Kristina Raderschad und Bernd Grützmacher an die fünfzig unterschiedlichen Versionen für zu Hause vor.

Wer sich ernsthaft überlegt, in den eigenen vier Wänden mit dem Feuer zu spielen, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt: Die Bandbreite reicht vom modernen, nach drei Seiten hin offenen Kamin als Zentrum des Hauses, über die schlichte Feuerstelle aus Beton bis zum revitalisierten Kachelofen aus der Jahrhundertwende.

Man ist dabei zu Besuch in Städten wie Zürich, Madrid und San Diego. Oder sieht der filmreifen Inszenierung eines Modeschöpfers in den Hollywood Hills in Los Angeles über die Schulter. Ihnen allen gemeinsam ist die Liebe zu einer Lebensform, die gekonnt zwischen Geborgenheit und Theatralik schwingt.

Gefahr des dunklen Lochs

"Grundsätzlich stellt dieser Einrichtungsgegenstand ein dominantes innenarchitektonisches Element dar", haben die Autoren Raderschad und Grützmacher in Erfahrung gebracht. Es ist daher auch überhaupt nicht egal, wo das Ding – sofern nicht durch ein fixes Abzugsrohr festgelegt – steht. So weiß etwa die deutsche Architektin Anja Thede: "Man kann einen Raum mit dem Standort einer Feuerstelle zonieren."

Gleichzeitig warnt Thede davor, dass unbenutzte Kamine oder Öfen wie ein dunkles Loch im Raum wirken. In vielen Fällen empfiehlt sie daher bei Häusern die Anordnung vor einer Fensterfront: "So blickt man tagsüber raus ins Grüne und abends oder im Winter in die Flammen." Für manch einen ersetzt der Kamin den Fernseher, in den man zwecks Entspannung schaut.

Oldie mit optischen Reizen

Die Technik macht übrigens auch vor dem ältesten Einrichtungsgegenstand der Welt nicht Halt: Wer den optischen Reiz schätzt, jedoch Ruß, Rauch, Funken und Schmutz scheut, ist mit einer gasbetriebenen Lösung gut beraten – die Romantik von offenen Kaminen, die per Knopfdruck lodern, ist vor allem in Großbritannien sehr beliebt.

Moderne Ethanol-Feuerstellen ( es gibt sie auch als tragbare Version) erfordern keinen Rauchabzug und somit auch keine umfangreichen baulichen Maßnahmen. Das Gas verbrennt nahezu geruchlos, erzeugt aber auch keine Wärme. Allen anderen sei dringend zur Konsultierung eines ausgewiesenen Fachmannes geraten.

Zudem sind vor dem ersten Anzünden (auch nach längerer Zeit der Nichtbenutzung) folgende Sicherheitsvorkehrungen nötig: Alle Brennstellen brauchen unabhängig vom Brennstoff selbst eine ausreichende Luftzufuhr. In alte, verputzte oder gemauerte Kamine muss ein separater Rauchgasabzug eingelassen sein. Der Schornstein muss regelmäßig frei gefegt werden, um das Risiko eines Schornsteinbrandes oder gefährlicher Emissionen zu vermeiden.

Wer zum ersten Mal nach längerer Pause ein Feuer entfachen will, sollte den Schornstein vorwärmen (es genügt, Zeitungspapier anzuzünden und einige Minuten in den Kamin zu legen). Ein offenes Feuer darf niemals unbeaufsichtigt bleiben. Um fliegende Funken abzufangen, sollte im Zweifelsfall ein Schirm aufgestellt werden. Rauchmelder mit Batteriebetrieb sind eine sinnvolle Anschaffung.

Buchtipp

Kristina Raderschad, Bernd Grützmacher
"Wohnen mit Kamin & Kachelofen"
Callwey Verlag
€ 51,40

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