Wohnen
05.12.2011

Teppichkünstlerin Beate von Harten

Seit 25 Jahren arbeitet die Designerin und Textilrestauratorin Beate von Harten in Wien. IMMO hat sie in ihrem Atelier besucht.

Lebendige Produktivität liegt in der Luft des kleinen Geschäftslokals im siebten Wiener Bezirk. Entlang eines Stahlseiles baumeln große Wollstränge in verschiedenen Farben von der Decke. Mit geübten Handgriffen knüpft die Schülerin Ines an einem Teppich in Grün- und Naturtönen. Bei der Textildesignerin und -restauratorin Beate von Harten lernt sie traditionelle Webtechniken, die aber modern eingesetzt werden.

KURIER: Wie unterscheidet sich Ihre Arbeitsweise von industriellen Methoden?

Beate von Harten: Greiferwebmaschinen oder Schüsse, die mit Wasserstrahl und Laser transportiert werden, sind Aufwände, die für individuelle künstlerische Arbeiten nicht geeignet sind. Mit der gezielten Arbeit in kleinen Kollektionen kann ich besonders auf Kundenwünsche reagieren und kann einzelne oder kleine Stücke herstellen, um dadurch die Individualität zu steigern. Die Qualität ist hier ein großes Anliegen gegenüber der Quantität.

Beobachten Sie in den letzten Jahren Veränderungen im Bereich des Teppichdesigns?
Die Menschen sind bewusster. Es gibt eine Veränderung hin zu besonderen Textilien, weil die Räume in den Materialien kühler gestaltet sind. Dann wird das textile Material zu schönen Hölzern, Glas, Beton oder Metall als edles farbiges Objekt wichtiger. Billigproduktionen passen nicht in diesen Kontext. Da geht es auch wieder um gewisse Qualitäten, die sich gegenseitig stärken können. Gerade diese Glas-, Beton oder Metallarchitektur braucht das Textile.

Wie sehr beeinflussen sich Architektur und Design?
Das Textile ist für mich eine Antwort auf die Architektur. Auch ich baue oder entwerfe etwas, mit dem ich den Raum erweitern, akzentuieren oder verändern kann. Ich liebe die Zusammenarbeit mit Architekten, um mit ihrem Konzept auf den Raum zu reagieren. Ich habe ein gutes Vorstellungsvermögen, wenn es darum geht, für Neugestaltungen große Tapisserien oder Teppiche zu entwerfen.
Für manche Aufträge habe ich den Raum vorher also nie gesehen. Die große Überraschung und der Erfolg war dann, als beides gleichzeitig fertig war. Und es hat gepasst!

Als Restauratorin sind schon viele wertvolle Textilien durch Ihre Hände gegangen. Gibt es ein Stück, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Vor zwei Jahren haben wir die Wandbespannungen der Repräsentationsräume der österreichischen Botschaft in Brasilia restauriert. Es handelte sich um 300 Quadratmeter moderne Textilkunst aus den 50er- und 60er-Jahren, die durch das Botschaftsleben und Klimaschwankungen gelitten hat. Wir mussten reinigen, retuschieren und unterlegen, damit das Werk optisch wieder einen repräsentablen Eindruck macht. Die Herausforderung war, von hier aus ein Konzept für etwas zu entwickeln, von dem man nur Fotos gesehen hatte. Ich musste überlegen, welche Materialien, Klebstoffe, Reinigungsmittel man in diesem anderen Klima verwenden könnte. Das war eine logistische Herausforderung, aber sie ist zu aller Zufriedenheit gelungen. Da bin ich sehr stolz darauf.

Was hat Sie zu Ihrer aktuellen Landschaftsserie "Feld- und Wiesenteppiche" inspiriert?
Mein Mann ist begeisterter Motorradfahrer. Das ist eine ganz andere Fortbewegung, als im Auto. Man fliegt fast über die Landschaft. Ich wollte diese Roggenfelder, durch die der Wind durchfährt, die Lichtbrechungen und die Bewegungen der Halme auch für andere einfangen.