Wohnen 05.12.2011

Steile Sache: Hangbau in der Südsteiermark

Leichtfüßig und lichtdurchflutet: Ein Einfamilienhaus in der Südsteiermark zeigt, wie man gekonnt mit einem Hanggrundstück umgeht.

Das hätte sich der Biedermeier-Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt wohl nicht gedacht: Dass er mit seinen spektakulären Büsten und Charakterköpfen einmal die Inspiration für ein Einfamilienhaus in der Südsteiermark liefern würde. "Auf den Schultern ein interessiert vorgestreckter Kopf" - nach diesem Motto konzipierte das Büro Albertoni Architektur.Design ein Einfamilienhaus, das sich in St. Andrä im Sausal in die idyllische Weinlandschaft lehnt und eine Referenz an den Ausnahmekünstler sein soll.

Natürliche Fassade, gerahmt von Alu-Bändern: Nach Norden zeigt sich das Einfamilienhaus in St. Andrä in der Südsteiermark geschlossen.
© Bild: Albertoni Architektur.Design

Das Gebäude richtet seinen Blick weit in die Ferne, über die Alpen hinweg und nutzt so den Standort optimal aus. Jeder Raum führt direkt ins Freie, dem terrassenartig angelegten Garten sei Dank. Die Schlafebene - im Vergleich mit Messerschmidts Kopfstück wäre diese der Hals - wurde in der Größe knapp bemessen. Durch die Verbindung mit dem Garten wirkt der Rückzugsbereich aber weitläufig und offen. Ein kleines, zweites Wohnzimmer und ein Sanitätsbereich machen die Schlafebene zu einer autarken Zone.

Natürliche Fassade, gerahmt von Alu-Bändern: Nach Norden zeigt sich das Einfamilienhaus in St. Andrä in der Südsteiermark geschlossen.
© Bild: Albertoni Architektur.Design

Verdreht wurde das Obergeschoß aufgesetzt. Drei Meter kragt der großzügig-offene Wohnbereich dabei über den Hang hinaus. "Der Kopf wendet seinen Blick genau nach Süden, streckt sich vor, um zu staunen. Dadurch entsteht Bewegung im Gebäude", beschreibt Alberto Bach seine Inspiration. Die umlaufenden Fensterbänder ziehen den Blick unweigerlich in die Landschaft hinaus. Fast fühlt man sich dem Himmel näher, als der Erde. "Wie ein Rundflug auf festem Boden", so beschreibt der Planer sein Konzept. Die großzügigen Einschnitte in Wänden und Decke sorgen für ein spannendes Lichtspiel im loftartigen Raum. Besonderes, architektonisches Element ist dabei das Dach, das auf drei Bahnen aufgeteilt, in zwei Richtungen gefaltet wurde. Resultat ist das dynamische, lichtdurchflutete Obergeschoß, das die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen verschwimmen lässt.

Der Parkettboden in Schieferoptik bildet den erdigen Kontrast zur leichtfüßigen Gestaltung, die ganz in Weiß gehalten wurde. Die Sofalandschaft oder das speziell angefertigte Kopfstück im Schlafzimmer sorgen in frischem Grün für gelungene Farbakzente im sonst so ruhigen Ambiente.

Natürliche Fassade, gerahmt von Alu-Bändern: Nach Norden zeigt sich das Einfamilienhaus in St. Andrä in der Südsteiermark geschlossen.
© Bild: Albertoni Architektur.Design

Nach Norden hin zeigt das Obergeschoß des 185 Quadratmeter großen Einfamilienhauses sein anderes Gesicht. Geschlossen bildet die Holzfassade eine natürliche Einheit mit den beiden Terrassen. Von streng geometrischen Alu-Bändern gerahmt, verrät die natürliche Außenhaut dem Besucher an der Eingangstür noch nichts vom atemberaubenden Panorama, das ihn im Innenraum erwartet.
"Bewusst gehen wir damit einen Schritt zurück, um der Landschaft die angemessene Bescheidenheit und Ehrfurcht zu zollen", so Alberto Bach, der mit seinem "Kopfstück" nicht das erste Projekt in der südsteirischen Weinlandschaft verwirklichte.

( ce ) Erstellt am 05.12.2011