Wohnen
20.01.2012

Nordlichter aus der Design-Welthauptstadt

Helsinki ist heuer die Welthauptstadt des Designs. IMMO präsentiert die wichtigsten Vertreter, bedeutende Entwürfe und Merkmale des finnischen Einrichtens.

Skandinavien assoziieren viele mit den schwedischen, norwegischen oder dänischen Königsfamilien, mit dem Möbelriesen IKEA oder aber auch mit unendlichen Tagen, die nie enden wollen.

Doch mit Finnland können nur sehr wenige etwas anfangen. Es ist fast so, als wäre dieses von Fjorden gesäumte Land nur ein stiller, isolierter Teilhaber – obwohl es doch so viel mehr zu bieten hat.

Welthauptstadt

Mit der Ernennung zur Welthauptstadt des Designs, durch den internationalen Rat der Gesellschaft im Bereich Industriedesign, soll sich das nun ändern. Alle zwei Jahre wird eine Weltstadt für ihre Verdienste ausgezeichnet, Design als Werkzeug zur Verbesserung des sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens zu verwenden. Und heuer ist nun endlich Helsinki dran.

Gemeinsame Komponenten lassen sich schnell finden. Da wäre zum Beispiel die Vorliebe zur Handwerkskunst. Lebenspraktische Einstellungen, die sich durch oft abgeschiedene Wohnsituationen ergeben, führten dazu, äußerst praktisch zu denken. Lange bevor Nachhaltigkeit ein präsentes Thema wurde, nutzten Skandinavier ihre Rohstoffe effizient aus. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die traditionelle Handwerkskunst Verschwendung vermeidet und ökonomische Lösungen suchte.

Ein wenig mehr

Die finnische Handwerkskunst bot jedoch schon immer ein wenig mehr. Man ist und war viel weniger damit beschäftigt, die ideale Form zu suchen. Vielmehr wollte und will man heute noch die künstlerische Ausdruckskraft in den Vordergrund stellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bewiesen Designer wie Tapio Wirkkala oder auch Timo Sarpaneva, dass ein Gebrauchsgegenstand auch als Skulptur seine Berechtigung findet. Entwürfe wie Tapio oder auch Kartio für die Iittala Glaswerke lieferten den Beweis dafür.

Um finnisches Design besser zu verstehen, muss man sich auch mit der Naturverbundenheit der Finnen auseinandersetzen. Die ursprünglichste Form der Natur, mit all ihren Mustern und ihrer ungebändigten Kraft, sind in vielen Entwürfen wiederzuerkennen.

Organische Formen

Fröhlich, bunt und möglichst hell – so kann man sich die Wohnungen der Finnen vorstellen. Man wollte der draußen herrschenden, klimatischen Tristesse entgegenwirken. Farbenfrohe Muster, verschiedene Texturen und organische Formen sind auch heute noch beliebte Ansätze finnischer Designer.

Wärme, Schutz und Geborgenheit sind Themen, die heute, in Zeiten wirtschaftlicher Krisen, noch mehr an Bedeutung gewinnen. Das eigene Zuhause hatte für Skandinavier schon früher einen hohen Stellenwert. Dieser Ansatz erlebt nun ein Revival. Man gibt der Klarheit den Vortritt und trennt sich von Opulenz.

"Schönheit ist die Harmonie von Zweck und Form"

Alvar Aalto und Eero Saarinen waren die bedeutendsten Vertreter. Sie waren Vorreiter in Sachen zeitlosem Design. Schon zu Beginn ihrer Karriere, egal ob als Architekt oder Gestalter, haben sie es verstanden, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Von Aalto stammte auch der 1928 formulierte Ansatz: "Schönheit ist die Harmonie von Zweck und Form". Das Zitat ist ein Punktlandung. Nicht nur für seine Arbeiten, sondern auch für viele Nachfolger, die sich von der modernen, skandinavischen Ästhetik inspirieren ließen.

Eero Saarinen hingegen könnte man als poetischen Brückenbauer bezeichnen. Er hat die skandinavische Moderne mit der amerikanischen vereint. Die Zusammenarbeit mit Größen wie dem Designer-Ehepaar Charles und Ray Eames, haben den gebürtigen Finnen zeitlebens beeinflusst.

Helsinki ist heuer die Welthauptstadt des Designs. Es ist eine Hommage an die großen Namen der Vergangenheit und ein motivierender Appell an die Zukunft. Getreu der ursprünglichen Idee des Ganzheitlichen, ist die Devise "Zurück zum Ursprung" in diesem Fall kein rückständiger, sondern eher ein fortschrittlicher. Heute wie damals.

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