Palmenetzlinge wachsen am 14.7.2012 in der Baumschule der «Future Forests Fiji»-Teakholzplantage in der Provinz Ra auf den Fidschi-Inseln. Das Unternehmen baut nachhaltig Teakholz an, um die Nachfrage zu befriedigen und die Naturwälder zu schonen. Nach rund 20 Jahren erreichen die Bäume einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Wachsender Holzbedarf bedroht die Tropenwälder und die damit verbundenen schwindenden Kohlendioxid-Speicher sind eine Katastrophe für den Klimaschutz. Foto: Christiane Oelrich/dpa (zu dpa KORR «Waldschutz auf Fidschi: Möbel aus Palmen - Teak von Plantage» vom 07.12.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Waldschutz auf Fidschi
12/07/2012

Möbel aus Palmen und nachhaltigem Teakholz

Aus Stämmen von Kokospalmen machen die Möbeldesigner von Pacific Green in Yadua auf den Fidschi-Inseln einzigartige Möbel.

Die Säge kreischt, Holzspäne fliegen durch die Luft. Zwei Arbeiter mit Gesichtsschutz schieben die langen 30, 40 Zentimeter dicken Kokospalmen-Stämme längs in eine Maschine, die den weichen Kern kreisrund herausschneidet. Am Ende kommt ein hohler Stamm heraus, markant gemasert, hart wie Ebenholz. Daraus machen die Möbeldesigner von Pacific Green in Yadua auf den Fidschi-Inseln einzigartige Möbel. Schwere Sessel, wuchtige Regale, Stühle mit "runden Kanten". Das Motto: "Rettet den Tropenwald, nehmt Palmen".

Alte Kokosplantagen mit "senilen" Palmen, wie es auf Englisch heißt - das ist für Bauern und Besitzer immer ein Ärgernis gewesen. "Das sind Bäume, die meist deutsche Plantagenbesitzer vor 100 Jahren gepflanzt haben", sagt Pacific-Green-Direktor Peter Ryan beim Rundgang durch seine Werkstatt. "Wenn sie nach 60, 70 Jahren keine Früchte mehr tragen, sind sie nutzlos." Das galt auch für die Stämme.

"Palmen sind eigentlich Gräser, dem Bambus verwandt", sagt Wulf Killmann, Forst- und Palmenexperte der Entwicklungshilfeorganisation GIZ auf Fidschi. "Sie werden seit 4.000 Jahren kultiviert." Fast alles ist brauchbar: Die Blätter wurden für Dächer verwendet, das Kokosfleisch als Medizin und gepresst für Öl, die Milch als Getränk, die Kokosnussschale als Behälter, die Fasern der haarigen Außenhaut für Seile und Teppiche, die Kokosnusshülle als Brennmaterial.

Holz der Armen soll zum Design-Hit werden

Die Stämme waren aber immer ein Problem. Nur in Ländern, die kein Holz als Alternative hatten, wurde damit gebaut, auf den Malediven sogar Boote. "Auf den Philippinen hießen Palmen Holz der Armen", sagt Killmann. "Die frischen Stämme enthalten eine hohe Feuchte, das macht sie schwer und schwer zu transportieren. Außerdem haben sie einen hohen Zucker- und Stärkegehalt, das zieht Käfer und Pilze an - man kann die Stämme nicht lange in den Plantagen liegen lassen."

Selbst das Absägen ist ein Problem: "Bei den Palmen sind in den Außenwänden der Gefäßbündel, die Nahrung und Wasser im Stamm transportieren, Silicazellen. Das macht normales Werkzeug stumpf", sagt der Fabrikmanager von Pacific Green, Ravin Chandra. Der Aufwand lohnte sich zur herkömmlichen Verarbeitung kaum: Die Stämme sind mit 30 bis 40 Zentimetern Durchmesser eher dünn - und innen weich und unbrauchbar. Die Stämme wurde man deshalb allenfalls als Füllmaterial für Baugruben los, mit Glück kam jemand und übernahm das Abholzen.

Ryan sah vor Jahren in Papua-Neuguinea, wie Einheimische das Holz trockneten und damit bauten. Da kam ihm die Idee mit der Maschine, die die Stämme der Länge nach aushöhlt. Aus 100 Kubikmetern Stämmen lassen sich rund 25 Kubikmeter verwertbares Material gewinnen. Genug für gediegene Möbel, fand Ryan. Und genug Stämme: Zehn Millionen Hektar sind allein in Asien mit Kokospalmen bepflanzt, schätzt Killmann. "Wir wollen wie das Hawaii-Hemd werden - ein einzigartiges Produkt aus der Pazifik-Region", sagt Ryan. Die Möbel haben andere lokale Stilelemente, wie MagiMagi, Kordeln aus der haarigen Außenhaut der Kokosnuss. Die Öfen zur Trocknung werden mit Sägespänen befeuert.

Nachhaltiges Teakholz

Eine andere Firma auf Fidschi setzt auf die nachhaltige Züchtung von Teakholz, einem der begehrtesten Harthölzer der Welt. "Future Forests Fiji" (FFF) - übersetzt: Fidschis Wälder der Zukunft - hat die erste nachhaltige kommerzielle Teakholzplantage in dem Südseestaat gepflanzt. Das Unternehmen hat auf dem Gelände in der Nordostecke der Hauptinsel Viti Levu 140.000 Bäume. Das Ziel: drei Millionen Bäume.

Von der Inselhauptstadt Suva geht es an der noch ziemlich wild belassenen Ostküste Richtung Norden. Hier liegen Ortschaften, die vom Tourismus unberührt sind. Die Plantage liegt in einem langen Tal. Mit Traktor, Brunnen und Bauernhaus ist die Waldidylle perfekt. Hier ist Rashmi Devi im Einsatz, die die Future Forests Baumschule leitet, die größte auf kommerzieller Basis auf den Fidschi-Inseln. "Wir können hier 400.000 Teak-Setzlinge im Jahr ziehen", sagt sie stolz.

Dank der Future-Forest-Expertise im Züchten wird bereits mit andern einheimischen Baumsorten experimentiert, zum Beispiel Merbau. Das Unternehmen will etwa der EU helfen, auf Fidschi 6.000 Hektar Brachland aufzuforsten. Future Forests arbeitet an der Zertifizierung seiner Wälder als Kohlendioxidspeicher. Dann können Zertifikate an Firmen verkauft werden, die ihren CO2-Ausstoß kompensieren müssen.

Das Unternehmen hat eine Art Gütestempel von der australischen Entwicklungshilfeagentur AusAid bekommen und finanzielle Unterstützung zur Schaffung von Arbeitsplätzen. "Dieses Projekt ist ein gutes Zukunftsmodel für nachhaltige und kommerziell erfolgreiche Holzplantagen im Privatsektor", war das Fazit von AusAid.

Teak ist ein Laubbaum aus Nordostindien und Birma. Das Holz ist begehrt, weil es eine hohe Dauerhaftigkeit hat. Es wurde früher hauptsächlich im Schiffbau eingesetzt. Das Kernholz enthält ein Alkaloid, das Pilzbefall verhindert und das Holz vor dem Befall mit Termiten und anderen Insekten schützt. Schreiner mögen Teak, weil die Stämme lang und gerade sind und die Baumkrone sehr hoch ansetzt.

Future Forests setzt auf einen facettenreichen Managementplan: Die Firma experimentiert etwa mit Schafen, die Gras und Unkraut kurz halten sollen und nach fünf, sechs Jahren geschlachtet werden - eine zusätzliche Proteinquelle für die auf Fleischimporte angewiesenen Fidschianer. Schafe der Sorte "Fiji Fantastic", die Haare statt Wolle haben und nicht geschoren werden müssen, sind vielversprechend.

"Die Schafe gehen nicht an die Jungpflanzen, weil sie kein Teak mögen, aber sie halten das Gras und Unkraut niedrig", sagt Finanzchef John Finn. Als aber die Baumkronen nach zwei Jahren dichter wurden, blieb das Sonnenlicht für das Gras aus. Die ersten 200 Schafe mussten deshalb bei einem Gönner zunächst "geparkt" werden. Sie müssen eben immer auf neue Jungplantagen umgesiedelt werden. "Zäune, Impfen, Klauenschneiden - das ist alles teuer", sagt Finn. "Aber wir denken, ab 600 Schafen lohnt sich der Betrieb. Unser Ziel sind 3000 Schafe."

Teak wächst nach Angaben der UN-Agrarorganisation FAO auf 29 Millionen Hektar weltweit, in aller Regel in Mischwäldern, die Hälfte davon in Birma. Die bis Anfang 2011 regierende Militärjunta finanzierte ihre Schreckensherrschaft jahrzehntelang unter anderem durch das Abholzen der wertvollen Bäume. Inzwischen gibt es Plantagen, vor allem in Indien, aber auch Indonesien, Afrika, Süd- und Mittelamerika, aber nicht immer ist die Qualität besonders gut.

Paul Evers ist einer der Gründer von Future Forests. Er nimmt auf der Plantage in der Provinz Ra zufrieden Maß. Die Bäume sind nach sechs Jahren schon mehr als 15 Meter hoch, mit einem Durchmesser von gut 20 Zentimetern in Brusthöhe. Die Bäume wachsen bestens, die erste Ernte steht an. "Nach sechs Jahren eignet sich das Holz für Kleinmöbel und Sachen wie Bilderrahmen", sagt er. Jeder zweite Baum wird aus der Plantage genommen, um dem Rest genügend Platz zur Entfaltung und Kräftigung zu bieten. In den nächsten 15, 20 Jahren sollen sie auf 60 Zentimeter Durchmesser wachsen und gefällt werden.

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