Wohnen
02.03.2018

Möbel aus Müll

Upcycling lautet ein Konzept, das sich der Wegwerfgesellschaft entgegenstellen will. Auch Tischler springen auf den Zug auf und verleihen unnütz gewordenen Dingen einen neuen Sinn, indem sie etwas komplett anderes daraus machen.

Aus Alt mach’ Anders. Dieses Prinzip leben Sascha Johannik und Romana Fürst im Kellerwerk, ihrem Laden in der Gumpendorfer Straße. Koffertische, Wasserrohr-Regale und Vorzimmerbank-Rodeln sind darin zu finden. Was nach einem Fantasiegeschäft klingt, beschreibt einen Upcycling-Store. "Wir zweckentfremden unbrauchbare Dinge und verarbeiten sie weiter zu etwas Neuem", erklärt Johannik.

Begonnen hat alles vor über zehn Jahren. Damals ist der gelernte Tischler nach Afrika gereist und hat einen anderen Umgang mit vermeintlich kaputten Dingen kennengelernt. "Abgefahrene Autoreifen dichten später Hausdächer ab und ausgerissene Flip-Flops werden nicht weggeworfen, sondern mit wenigen Handgriffen repariert", erzählt der 32-Jährige. Zurück in Österreich startet Johannik das Upcycling-Konzept auch hierzulande und repariert die alten Möbeln im Keller seiner Eltern. Drei Jahre später eröffnete er mit seiner Freundin Romana Fürst das Kellerwerk.

Seither richten die beiden alte Möbel her und verleihen unnütz gewordenen Dingen wieder Sinn. "Viele Kunden kommen bereits mit konkreten Ideen oder Gegenständen, die sie verwandeln möchten", erzählt er, "andere lassen uns freie Hand." Das kreative Paar hat ganze Mappen gefüllt mit Skizzen für neue und anders designte Möbel. So entstehen aus Metallschubladen Regale und aus Holztruhen werden Schränke. Im Kellerwerk ist aber auch Platz für andere Upcycling-Designer, wie Fahrradfilet. Sie funktionieren alte Fahrradlenkstangen zu Garderoben und Trittpedale in Hocker um. "Die Qualität und die Preise müssen zu unseren passen, dann machen wir gerne Kooperationen", erklärt Johannik.

Gabarage

Eine Zusammenarbeit mit Gabarage hat das Kellerwerk zwar nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn auch hier steht das Re-Design von unnütz gewordenen Dingen im Mittelpunkt.

"Bei uns geht es um zweite Chancen – nicht nur für Materialien, sondern auch für unsere Angestellten, die ehemalige Suchtkranke sind", erklärt Obfrau Gabriele Gottwald-Nathaniel. Die Mitarbeiter bei Gabarage werden kreativ gefördert und bei der handwerklichen Umsetzung der Stücke unterstützt. "So entstehen Unikate, die hochwertig verarbeitet sind", erzählt Roland Scheer, Leiter der Werkstatt.

Der sozioökonomische Betrieb existiert bereits seit 15 Jahren. "Momentan machen wir Lampen und Uhren aus großen Filmdosen, die dann in unserem Geschäft in der Schleifmühlgasse verkauft werden", so Scheer. Es gibt aber auch Kooperationen mit anderen Firmen, die das gelieferte Material mit einem Auftrag verknüpfen.

Trash_design

Individuelle Aufträge bekommen auch die Angestellten bei trash_design. Katharina Jerabek, Verantwortliche für Kommunikation und Marketing, rollt einen Hocker hinter einem Regal heraus. "Unten ist die Waschmaschinentrommel und darauf eine Sitzauflage, die mit einer alten Werbeplane bezogen wurde. Das hat sich die Kundin so gewünscht", erklärt Jerabek.

trash_design ist ebenfalls ein sozioökonomischer Betrieb, bei dem Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsalltag eingeführt werden sollen. Das Material ist aber ein ganz anderes, denn trash_design arbeitet mit Elektroschrott. Dafür werden die Müllplätze Wiens täglich abgefahren, Waschmaschinen und Trockner eingesammelt und vor der Demontagehalle im 14. Bezirk abgeladen.

Dort zerlegen die Arbeiter die großen Maschinen in ihre Einzelteile und in der trash_design-Werkstatt: ein Stockwerk darüber – werden sie zu Wohnzimmertischen, Blumenständern und Hockern. "Auch die Bullaugen der Maschinen werden neu genutzt und zu Schüsseln und Hängelampen", erzählt Jerabek, während sie die handbemalten Stücke betrachtet.