Wohnen
18.03.2018

Wohnen wie Coco Chanel

Oh, là là: Das legendäre Pariser Ritz-Hotel bringt sein Original-Mobiliar unter den Hammer. In einer fünftägigen Auktion werden Sofas, Barhocker, Frisiertische, Bestecksets, Badewannen und Bronze-Skulpturen versteigert. 300 Exponate können vorab in Wien besichtigt werden.

Marcel Proust ließ sich im Ritz zu einer seiner Romanfiguren inspirieren, Ernest Hemingway und Scott Fitzgerald waren Stammgäste an der Bar. Gianni Versace ließ im Schwimmbadbereich seine Models defilieren und Coco Chanel machte die Hausnummer 15 an der Place Vendôme sogar zu ihrer ersten Adresse: 40 Jahre lang wohnte die Modemacherin in einer (heute nach ihr benannten) Suite.

Seit seiner Eröffnung 1898 begeistert das Ritz Persönlichkeiten aus aller Welt. Gekrönte Häupter Künstler und Schriftsteller waren regelmäßig in der Nobelherberge zu Gast. Unter anderem verbrachte Prinzessin Diana ihre letzte Nacht im Ritz. Grund dafür sind nicht nur die ausgezeichnete Küche oder das aufmerksame Personal – die eigentliche Sensation ist die Inneneinrichtung. Denn sie steht seit Anbeginn für Eleganz und leisen Luxus, die Inbegriffe französischer Lebenskunst.

Das ist seinem Gründer César Ritz zu verdanken: Der gebürtige Schweizer hatte die Idee, das einstige Stadtpalais unweit der Seine in ein Hotel im Stil einer erhabenen Familienvilla umzuwandeln, in der man sich jederzeit wie zu Hause fühlt. Die Räume gestaltete er so, als sei die Möblierung über Generationen hinweg gewachsen. Nach Süden ausgerichtete Zimmer wie die Windsor-Suite sind mit Blau- und Grautönen gestaltet, Zimmer nach Norden werden von Champagner- und Rosatönen gewärmt.

Er verteilte Gemälde, Kronleuchter, Stoffe und Antiquitäten aus verschiedenen Epochen – von der Zeit Ludwig des XIV. über die Regierungszeit Ludwig des XVI. bis zum Empire-Stil des 19. Jahrhunderts. Wie er diese kombinierte, zeugt von großem Stilgefühl: Er schuf eine Kulisse, in der sich moderner Komfort und französische Tradition vereinten. So bot das Hotel als erstes überhaupt einen Telefonanschluss in allen Zimmern. Die revolutionärste Neuerung aber war ein eigenes Bad in jedem Zimmer.

Im Sommer 2016 hat das Ritz nach einer vierjährigen Totalrenovierung wiedereröffnet. Das Haus wurde modernisiert und das Mobiliar erneuert. Dem zeitlos-eleganten Einrichtungsstil ist man jedoch treu geblieben. Betritt man das Hotel, hat man das Gefühl, als hätte sich in den vergangenen 120 Jahren fast nichts verändert. 10.000 Objekte, die nach der Renovierung keinen Platz mehr fanden, kommen nun beim französischen Auktionshaus Artcurial unter den Hammer.

Neben dem gesamten Inventar der Chanel-Suite werden u.a. vergoldete Metallbetten, Kanapees, Kommoden, Porzellan, Besteck, Bettwäsche oder Vorhänge in 3500 Losen zu Schätzpreisen von 100 bis 5000 Euro versteigert. Jedes angebotene Stück ist mit einem Echtheitszeichen „Ritz Paris“ versehen. Der Katalog, in dem alle Stücke verzeichnet sind, ist bereits online einsehbar. Fünf Tage – von 17. bis 21. April – wird die Auktion dauern. Um ein Stück des Mythos Ritz zu ersteigern muss man übrigens nicht nach Paris reisen: Gebote können auch online oder per Telefon abgegeben werden.

Ausstellung

Der Versteigerung gehen mehrere internationale Ausstellungen voran. In Wien sind bis 23. März eine Inszenierung der Ritz-Bar und ein exotischer Wintergarten zu sehen. Innenarchitektin Theresa Bienenstein arrangierte rund 300 Exponate, die per LKW aus Frankreich angeliefert wurden. Caroline Messensee, Leiterin der Wiener Dependance, verrät, welche Stücke man nicht verpassen sollte: „Unter anderem sind die legendären Original-Hocker der Hemingway-Bar, ein gepolsterter Hundekorb im Stil Ludwigs XVI. oder eine Holzschale in Form eines Schiffsbug, die zur Präsentation von Meeresfrüchten diente, zu sehen.“

Rudolfsplatz 3, 1010 Wien, Mo.–Fr. von 10 bis 12.30 und 14.00 bis 18.00 Uhr. Eintritt ist frei. www.artcurial.com