© Jürg Christandl

freizeit Wohnen & Design Wohnen
09/19/2012

Liebe zur Natur: Das Ende einer langen Reise

Ein Leben im Grünen: Ein Künstlerpaar aus Wien hat im Burgenland eine neue Heimat gefunden.

Die Entscheidung fiel Willy Puchner nicht leicht. "Ich habe im fünften Bezirk, in der Nähe des Naschmarkts gewohnt. Dort habe ich 15 Gastgärten in weniger als vier Minuten Fußweg erreichen können. Hätten wir auch noch eine Terrasse bei unserer Wohnung gehabt, wäre das schon eine sehr große Konkurrenz gewesen." Trotzdem ist der Maler, Fotograf und Autor gemeinsam mit seiner Gefährtin, der Malerin Katharina Pfusterschmid vor vier Jahren aufs Land gezogen. Genauer: nach Oberschützen bei Pinkafeld ins südliche Burgenland. Dort bewohnt er einen geräumigen ehemaligen Bauernhof und freut sich täglich über all die Dinge, die für ihn den Unterschied zum Stadtleben ausmachen. Zum Beispiel: "Es ist so schön, wenn man ebenerdig in den Garten gehen kann. Unser Innenhof ist für uns wie eine riesige Terrasse." Dort hat das Paar einen Essplatz, und die ehemalige Milchkammer hat Puchner zu einer gepolsterten Nische umgebaut, in die er sich zurückziehen kann und seinen Hof und am Abend den Sternenhimmel betrachten und den Vögeln zuhören kann. "Da sitzen wir gern, wenn es regnet und sogar im Winter." Auf dem Anwesen hat Puchner sich mehrere Orte geschaffen, an denen er sich gerne aufhält. Dort, wo einstmals riesige Silos standen, hat er selbst einen Tisch gezimmert und davor einen Bildstock gebaut, der aussieht, als wäre er immer schon dort gestanden. "Das ist ein Ort der Verehrung", sagt er schmunzelnd. Was er dort verehrt? "Immer etwas anderes. Eine Schauspielerin, einen schönen Vogel. Einmal war es ein Plastiksparefroh."

 

Die Entscheidung, just in dieses Haus zu ziehen, dauerte acht Jahre. So lange suchten die beiden. "Das Weinviertel kam nicht in Frage. Ich bin in Mistelbach geboren, ich wollte nicht mehr dorthin, wo ich aufgewachsen bin und Verwandtschaft habe." Das Waldviertel war ihm zu kalt. Also Südburgenland. "50 Häuser haben wir uns angeschaut", erzählt Katharina Pfusterschmid, 46. Und das ziemlich intensiv. "Wenn eines in Frage gekommen ist, haben wir den Makler gefragt, ob wir ein paar Nächte dort wohnen dürfen." Dann luden sie Freunde ein, um auch deren Meinung zu erkunden. Bis sie nach Oberschützen kamen. "Das isses", sagte Puchner. "Das isses nicht", sagte Pfusterschmid. Sie zogen dennoch ein und nun fühlen beide sich hier wohl. Hier malt der 60-Jährige, fotografiert, schreibt an seinen Büchern. Übers Internet ist er überall dort, wo er sein will. Und er freut sich über seine Beziehung zur Natur: "Es ist angenehm ruhig, die Pflanzen sind im Gegensatz zur Großstadt nicht nur Dekoration." Was er noch mag: "Hier kann ich durchs Dorf gehen und mit Menschen, die ich treffe, ein paar Worte reden. Das ist nicht nur ein romantisches Klischee." Die "Zuagrasten" durften eine seltene Erfahrung machen. "Wir wurden von den Einheimischen gut auf­genommen." An ihrem dritten Tag im Haus tuckerte ein Bauer auf dem Traktor daher, gab ihm die Hand und sagte: "Ich bin der Hans. Wennsd’ was brauchst, meldest dich."

Aber Puchner ist zufrieden mit dem, was er hat. Nicht einmal die Gastgärten braucht er mehr.

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