
© adolf bereuter
Kunstexperiment: Museumsbauten in Europa
Auf der Suche nach spektakulären Museen wird man in England, Deutschland und den Niederlanden fündig. Architektonische Highlights warten auch in Vorarlberg und Niederösterreich.
Längst gelten Museen als ebenso kunstvoll wie die Gemälde und Skulpturen, die in ihnen ausgestellt werden. Der Bau eines solchen Gebäudes erlaubte Architekten nämlich schon immer, Ungewöhnliches umzusetzen. Das soeben eröffnete Vorarlberg Museum in Bregenz treibt das auf die Spitze. So gibt es dort einen Raum, in dem überhaupt nichts ausgestellt wird – sondern nur der Blick nach draußen inszeniert wird.
Neue Museen In Vorarlberg, England, Deutschland und den Niederlanden
„Der Panoramaraum ist mit schwarzen Textilien ausgekleidet. Sämtliche Nebengeräusche werden dadurch ausgeblendet. Es gibt nur ein großes Fenster, das den Blick auf den Bodensee freigibt“, sagt Stefan Abbrederis von Cukorwicz Nachbaur Architekten.
Das Prinzip, auf das sich die Baukünstler berufen, haben sie sich vom Guckkasten eines Fotoapparates abgeschaut. „Der Raum ist ausstellungsfrei. Alle Sinne sind auf den See fokussiert.“

Die Fassadengestaltung wiederum verfolgt gleichzeitig einen künstlerischen Effekt und kehrt den Sinn des Vorarlberg Museums nach außen: „Ein Landesmuseum ist ein Gefäß, in dem alle Schätze des Landes gesammelt werden“, sagt der Architekt. Tonschalen, die im alten Museum ausgestellt waren, haben die Planer zur Gestaltung der Außenhaut inspiriert: Weil die Schalen schon zur Zeit der Römer zu Tausenden produziert wurden, haben die Gestalter nach einem Äquivalent unserer Zeit gesucht. Dabei sind sie auf die PET-Flasche gestoßen. „Sie sind Gefäß und Massenprodukt zugleich. Wir haben Matrizen mit Negativdrucken der Flaschenböden angefertigt und mit Beton ausgegossen,“ verrät Stefan Abbrederis.

Mit Klassikern wie dem Centre Pompidou in Paris oder dem Solomon R. Guggenheim in New York wurde schon in den 1950er- und 60er- Jahren begonnen, Architektur als Erlebnis zu vermarkten. Ebenso gelten neuere Museen als Publikumsmagneten. Etwa das MAXXI in Rom von Zaha Hadid, bei dem frei schwebende schwarze Treppen die Fassade zieren. Oder das Jüdische Museum in Berlin, dem der Star-Architekt Daniel Libeskind die Form eines geborstenen Davidsterns verpasste. Die Liste ließe sich – quer über den Globus – noch lange fortsetzen. Die Beispiele aus Vorarlberg und Niederösterreich machen allerdings deutlich, dass sich zeitgenössische Museumsarchitektur nicht nur in Metropolen realisieren lässt. Auf der Suche nach markanten Kulturbauten wird man auch in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden fündig.
