Wohnen
12.01.2018

Interieurs rund um den Globus

Wohnt man in Hamburg anders als in Mailand? Und kann man die Innenwelten in Londons noblen Vierteln mit jenen in New York vergleichen? Ein Band gibt Antworten auf diese Fragen und liefert zugleich stilvolle Einrichtungsideen.

Was die Metropolen dieser Welt ausmacht, sind nicht nur ihre große Zahl an kulturellen Sehenswürdigkeiten, urbanes Flair oder unendlich lange Einkaufsstraßen: Es sind vor allem die Menschen, die die Städte zu dem machen, was sie sind. Und wie könnte man diese besser kennenlernen, als einen Blick in ihre Wohnungen zu werfen. Der Bildband "Maison Mondän – Elegant zuhause in den Städten dieser Welt" gewährt uns diesen und zeigt urbane Räume von Warschau bis Melbourne, die von Exzentrik und Extravaganz, Vielschichtigkeit und Freiheit geprägt sind.

Andrea Marcante und Adelaide Testa etwa schufen bei der Neugestaltung eines Mailänder Appartements ein Interior, das die Geschichte des Hauses wieder aufleben lässt. Ziel war es, den Bewohnern ein Zuhause zu erschaffen, in dem sie den Trubel der Großstadt entfliehen können. Der ruhige, grüne Innenhof, zu dem sich die Fenster der 150 Quadratmeter großen Wohnung öffnen, kam dem Design-Duo da wie gelegen. In vielfältigen Pastell- und Edelsteinnuancen wurde Grün zum Leitmotiv der gesamten Wohnung. Wiener Geflecht und Leinen erinnern an die Natur und Besuche bei den Großeltern. Gleichzeitig schaffen kontrastierende Farben und ausgefallene Böden modernes Flair. Hingucker sind die floralen Tapetenwände in Wohn- und Schlafräumen, die eine lebendige, aber friedliche Wohnatmosphäre schaffen.

Rund 1300 Kilometer entfernt, hat Hubert Zandberg in London Räume erschaffen, die detailversessen, vielseitig und auch ein wenig schräg sind – ganz wie die britische Hauptstadt selbst. Betritt man das von ihm designte Objekt im schicken Londoner Stadtteil Little Venice, merkt man, dass hier ein leidenschaftlicher Sammler am Werk war. Modernes Design kombiniert Zandberg dort mit ausgesuchten Vintagestücken. Die wuchtigen Midcentury-Möbel bilden eine Bühne für die umfassende Sammlung prä-islamischer Kunstgegenstände des Hausherrn. Trotz Einzigartigkeit seiner Interieurs, einen typischen Stil möchte sich der Designer selbst nicht zuschreiben. "Sollten meine Arbeiten einen roten Faden haben, dann will ich den zumindest nicht sehen", sagt er. Viel mehr sollen sie den Charakter des jeweiligen Hauses und seiner Bewohner optimal unterstreichen. Das wird auch bei der Einrichtung von Zandbergs eigenem Heim deutlich. Das Interieur gleicht einer riesigen Wunderkammer, die Ausdruck der Sammlerleidenschaft seines Gestalters und Eigentümers ist und deren Vielseitigkeit von ausgestopften Tieren über Stammeskunst und eigenwilligen Fundstücken bis hin zu Eigenkreationen reicht.

In Nizza hat sich die Möbeldesignerin Stéphanie Marin ebenfalls ihr eigenes Domizil der besonderen Art erschaffen. Mit ihren kindlichen und teils skurrilen Möbelentwürfen, die auf den rostroten Bodenfliesen besonders gut zur Geltung kommen, lockert die gebürtige Französin das herrschaftliche und eher strenge Ambiente des Objekts aus dem 19. Jahrhundert auf. Modulare Regale aus Kork und hellem Eichenholz, die sich in allen Zimmern der Wohnung wiederfinden, erinnern an Baukästen und vermitteln den Eindruck, als ob es jeden Tag anders aussehen könnte. Die bewusst drapierten, zarten Stoffelemente, die von der Decke hängen, fangen das Licht der hellen Sonne der Côte d’Azur ein und verleihen der Einrichtung eine gewisse Leichtigkeit. Bunte Pastelltöne an den Wänden lassen den Stil der 1950er-Jahre wieder aufleben und wirken in Kontrast zu den Deckenmalereien aus der Gründerzeit zusätzlich verspielt.

Ganz großes Kino sind die Arbeiten von Kelly Wearstler. Da passt es gut, dass die Interior-Designerin ihre Firma von Hollywood aus leitet. Ihre maximalistischen Arrangements bedienen sich natürlicher Materialien und skulpturaler Möbel in unterschiedlichen Farben. Gewagt und grafisch – so könnte man ihre Einrichtungen, die sich in Wohnungen von New York bis Los Angeles wiederfinden, beschreiben. Doch so auffällig der Stil der gebürtigen Amerikanerin auch ist, auf eine gewisse Balance müssen ihre Interieurs trotzdem nicht verzichten. "Die erreicht man mit der ausgewogenen Mischung aus Textur, Muster, Farbe und Geschichten", sagt sie. Letztere erzählen ihre Räume in ganz besonderem Maße. Sie sind die Blockbuster des Interior-Designs, die exzentrischen Möbel sind die hochkarätige Starbesetzung. Wearstler selbst fungiert als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin zugleich. Wie es sich für Hollywood eben gehört.

Buchtipp

Der Band „Maison Mondän – Elegant zuhause in den Metropolen dieser Welt“ zeigt wie stilvolles Wohnen in der Großstadt geht. Gestalten Verlag, € 39,90