Grüne Trilogie: Zu Besuch in drei Gärtnereien

Gärtnerei Kreiner, Blumen
Foto: KURIER/Gerhard Deutsch

Kräuter, Blumen, Minibäume: IMMO hat Gärtnereien in Wien, Nieder- und Oberösterreich besucht. Wir nehmen Sie mit auf die Fahrt.

Kreiner`s Pflanzenzentrum Döbling, Wien
Gärtnermeisterin Alexandra Kreiner inmitten der Blütenpracht in ihrem Pflanzenzentrum. IMMO-Kurier-Redakteurin Claudia Elmer bei Gärtnermeisterin Alexandra Kreiner (rechts) in Döbling. Dreifärbiges Zauberglöckchen.  Minischwein Max.  Blumenmeer vor dem Eingang.  Die „Schöne Wienerin“ ist eine einjährige Sommerblume. Alexandra Kreiner unter blühenden Mandelröschen.  Eine gemütliche Ecke um einfach nur das viele Grün ringsum zu genießen. Ente mit Salat. Alle Obstbäume stehen derzeit .. ... in voller Blüte. Ein Blick über das Pflanzenzentrum Döbling.

Döbling. Der Duft frisch aufgebackener Croissants in der Nase lässt kurz glauben, in Paris gelandet zu sein. Aber tatsächlich ist es Heiligenstadt: U4-Endstation, Busbahnhof und Taxistand. Von dort sind es nur fünf Minuten zum Pflanzenzentrum Döbling. Der Weg führt vorbei an Schrebergärten, röhrenden Bussen und Gemeindebauten.

Verfehlen kann man das Ziel nicht: Tagetes, Aschenkraut, Pelargonien und Eisbegonien säumen das Trottoir. Drinnen angekommen werden die Geräusche der Großstadt leiser – bis auf die U-Bahn, die im Fünf-Minuten-Takt lautstark vorbeirattert. Beim Eingang hinter der Kassa finden wir Alexandra Kreiner. "Willkommen in Döbling" nimmt uns die Gärtnermeisterin mit Händedruck in Empfang. Und schon geht es los zum Rundgang durch ihr grünes Reich. Das bedeutet: Stiegen steigen.

Die Gärtnerei ist auf zwei Etagen angelegt. Im oberen Stock – vorbei an Kirschlorbeer, Zitrusbäumen und japanischem Ahorn – trottet uns ein Schwein entgegen. "Sperr den Max bitte wieder ein", ruft die adrette Besitzerin ihrem Mitarbeiter zu. Das Göttinger Minischwein stammt aus dem Waldviertel und sollte geschlachtet werden. In der Gärtnerei fand es – gemeinsam mit einigen Hühnern – ein neues Zuhause.

Den Familienbetrieb gibt es seit 22 Jahren. Ihr Vater und Großvater haben Frau Kreiner die grünen Gene vererbt. Den Standort an der Gunoldstraße hat sie selbst gegründet. "Zu Beginn war es nur eine kleine Verkaufsfläche. Mit den Jahren hat sie sich vergrößert." Angeboten wird vieles: "Wir sind nicht spezialisiert, aber haben alles, was in der Stadt für Gärten, Terrassen und Innenhofbegrünungen gebraucht wird. Unsere Stärke ist die Beratung. Um fachlich fundierte Informationen an unsere Kunden weiterzugeben beschäftigen wir Studenten der Universität für Bodenkultur und bilden Lehrlinge aus", sagt Kreiner.

Nachgefragt werden vor allem Terrassenbepflanzungen, also alles was in Trögen gedeiht und nicht zu groß wächst. Aber genauso Balkonblumen, wie etwa Pelargonien. Seit Jahren ist die Hortensie im Trend: "Sie hat sich von der Muttertags- zur Ganzjahrespflanze gewandelt, blüht den ganzen Sommer und es gibt viele Sorten", so die Gärtnerin. Sie weiß, dass dem Städter auch Kräuter lieb sind: "Der Renner ist Stevia – die Blätter schmecken süß und können zum verfeinern von Tees verwendet werden. Aber auch Kerbel, Koriander oder Rosmarin: Sie schaffen ein Genuss- und Dufterlebnis."

Gartenbau Lederleitner, Atzenbrugg
Markus Lederleitner zwischen Mohn- und Pantoffelblumen. Auf einer Fläche von rund 8000 Quadratmetern werden in Atzenbrugg Blumen und Bäume angebaut und herangezogen. Verkauft werden auch die passenden Gartendesignstücke und -möbel. Frühlingsgrüße: Krokusse und Hyazinthen involler Blüte. Die Narzissen in der Tasse sind ein Blickfang auf dem Tisch. Gemüsesamen Markus Lederleitner begutachtet die Zitrusfrüchte im Glashaus. Ein Brunnen sorgt für ein stimmungsvolles Ambiente in der Gärtnerei. Ein sonniger Gruß: Eine blühende Gazania. Markus Lederleitner am Gartenteich. Die Gärtnerei Lederleitner in Atzenbrugg. Gänseblümchen in Rosa und Weiß.

Atzenbrugg. Zwischen Tulln und St. Pölten liegt das Örtchen, in dem eine der bekanntesten heimischen Gärtnereien ihren Sitz hat. Das grüne Tor zum Lederleitner-Imperium ist angelehnt, also drücken wir es auf und treten ein. Der Weg zum Haupthaus führt vorbei an plätschernden Brunnen und flötenspielenden Deko-Figuren. Hüfthohe, schwere Blumentröge sind mit Narzissen, Stiefmütterchen und Primeln bepflanzt. Wir fragen nach Markus Lederleitner und ein Mitarbeiter bringt uns zum Büro des Geschäftsführers des alteingesessenen Familien­betriebes.

"Geh’n wir ins Besprechungszimmer", schlägt der Hausherr vor und ehe das Diktiergerät einsatzbereit ist, legt er los: "Der Garten kann sich nicht mit kurzlebigen Trends auseinandersetzen. Er wird über einen langen Zeitraum gestaltet und gepflegt. Da kann man sich nicht für eine Farbe entscheiden, die man im nächsten Jahr nicht mehr trendy findet."

Eine Tendenz erkennt der Gartengestalter trotzdem: "Gemüse ist als Lifestyleprodukt eingezogen. Nutzpflanzen – und zwar jeglicher Art, Gemüse oder Kräuter, Obst und Beeren – gewinnen an Stellenwert. In Haushalten, wo die fertigen Produkte bisher nur konsumiert wurden, findet man jetzt Freude daran, die Entwicklung der Pflanze zu verfolgen, die Früchte zu ernten und mit Freunden und Familie zu teilen."

Nicht nur Pflanzen, sondern auch Möbel, werden bei Lederleitner verkauft. Damit reagiert das Unternehmen auf eine weitere Entwicklung. Der Freiluftbereich wird als Lebens- und Einrichtungsraum erkannt, mit dem sich die Besitzer intensiv beschäftigen. "Gartennutzer sind mündiger geworden. Sie setzen sich mit der Architektur, der Nutzung und Standortsituation auseinander", sagt der Inhaber und erklärt, warum die Bedeutung des Gartens gewachsen ist: "Unser Rhythmus wird durch Medien und technische Entwicklungen beeinflusst. Die enorme Informationsflut hat unseren Alltag beschleunigt. Der Garten ist davon unbeeindruckt geblieben. Er lässt sich nicht beschleunigen oder verlangsamen und unterliegt den Regeln der Natur. Das beginnen die Menschen zu spüren. Wer sich damit auseinandersetzt, bekommt ein Stück Erfahrung von dieser unveränderbaren Zeitsituation."

Gärtnerei Sandner, Sankt Florian
Sebastian Sandner mit Oberösterreichs Balkonblume 2012, der Pelargonie Flamenco. Der Pavillon im Barockgarten. Im Sommer gibt es hier ein Caf. Die Jungpflanzen und Stecklinge werden geliefert, vermehrt und wachsen in der Gärtnerei heran. Ein „Kräuterstöckl“ hat fast jeder zu Hause: Basilikum gibt es in vielen Geschmacks­richtungen.  Für Verliebte: „Knobi-Gras“ schmeckt zwar wie Knoblauch, verursacht aber keinen Mundgeruch. Boten des Sommers: Erdbeerpflanzen Diese Vogelhäuschen sind witzige Accessoires für den Garten. Weitere blumige Impressionen aus der Gärtnerei Sandner...

Sankt Florian. "Darf ich euch einen Kaffee anbieten oder geh’ ma gleich in das Gewächshaus?", fragt Sebastian Sandner, als er hinter der Kassa hervortritt und auch schon losmarschiert. Zwei Mal schlagen die Kirchenglocken des Stifts Sankt Florian, es ist halb zehn Uhr Vormittag und unser Gastgeber hat soeben die erste Kundin bedient. Den Kaffee nehmen wir gerne, aber später. Erst wollen wir uns im Betrieb umsehen.

Der Weg führt durch die Floristik-Abteilung, vorbei an bunten Schönheiten: Rosen, Orchideen, Tulpen, Gerbera. Wir schlendern ein paar Schritte weiter und treffen auf blühende Obstbäume im Kleinformat. "Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume laufen besonders gut. Der Ertrag ist gut, und obwohl die Bäume so klein gezüchtet werden, sind die Früchte groß.", so der Gärtner. Mit einem Augenzwinkern gesteht er, dass er diesen Trend nicht ganz versteht. "Die Menschen haben verlernt, mit der Natur zu gärtnern. Nun bieten sich solche Züchtungen gut an", sagt er und steuert die Glashäuser an. Im Gehen fügt er hinzu: "Ja, der Garten ist ein Thema. Der Wunsch, wieder zurück zur Natur zu finden, ist ein großes Bedürfnis. Ich glaube, es liegt an der schnelllebigen Zeit. Die Menschen wollen Zuhause wieder etwas Handwerkliches tun. Beim Gärtnern hat man schnell Erfolg – aber man muss auch mit Misserfolg rechnen. Für langfristige Ergebnisse braucht man Ausdauer und Geduld. Das sind Themen, die wieder wichtig werden."

Den grünen Daumen hat ihm sein Vater in die Wiege gelegt. Seit 2005, in dritter Generation, betreibt Sebastian Sandner die Filiale in Sankt Florian. Sein Vater war es, der 1999 die Aktion "Balkonblume des Jahres" im Betrieb eingeführt hat. "Um die wird jedes Jahr ein Geheimnis gemacht und sie kann von Bundesland zu Bundesland anders sein", schmunzelt er. In Oberösterreich ist es heuer die dunkelrote Pelargonie Flamenco. "Die Kunden wissen, dass es sich immer um eine robuste Sorte handelt, die den ganzen Sommer blüht. Ende April ist sie meistens ausverkauft – bei allen Gärtnern, die sie anbieten", verrät Sebastian Sandner abschließend bei einer Tasse starken Kaffee.

Kreiner’s Pflanzenzentrum Döbling, Tel. 01/367 82 22

Gartenbau Lederleitner, www.lederleitner.at

Gärtnerei Sandner, www.sandner-gaertnerei.at

Tag der offenen Gärtnereien

hermann wakolbingergaertnerei sandtner in st.florian(© hermann wakolbinger) Foto: hermann wakolbinger

In ganz Österreich stehen Tür und Tor für Pflanzenfreunde offen.

Passend zum Saisonauftakt, am letzten April-Wochenende, öffnen heimische Gärtnereien und Baumschulen die Türen zu ihren Gewächshäusern. Präsentiert werden Ideen für das neue Gartenjahr. Besucher können Sorten, Trends und Raritäten entdecken und erhalten darüber hinaus einen besonderen Informationsservice rund um die Bepflanzung von Balkon, Terrasse und Garten. Vereinzelt werden zusätzliche Programmpunkte wie Vorträge oder Quizspiele angeboten.

Die meisten Betriebe öffnen ihre Pforten am 28. und 29. April. Die Termine im Einzelnen erfragen Sie bei Ihrer Gärtnerei.

Gut zu wissen

hermann wakolbingergaertnerei sandtner in st.florian(© hermann wakolbinger) Foto: hermann wakolbinger

Profi-Tipps zu Blumenbeet, Zitrusbäumen und Balkonblumen

Alexandra Kreiner: Wenn Sie ein Beet bepflanzen, klären Sie zuerst die Lage ab: Ist es sonnig oder schattig? Und: Möchten Sie hohe oder niedrige Pflanzen? Erst danach hat es Sinn, sich mit der Auswahl zu beschäftigen.

Markus Lederleitner: Drei Tipps zu Zitrusbäumen: Nicht übergießen – bei nassen Füßen lassen sie die Blätter fallen. Überwintern müssen sie an einem kühlen, hellen Ort. Und: Achten Sie auf richtiges Düngen.

Sebastian Sandner: Balkonblumen können auch ins Beet gesetzt werden, das wird oft unterschätzt. Hängeblumen – wie etwa Surfinien oder Pelargonien – können gut als Bodendecker verwendet werden.

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(kurier / Claudia Elmer (Text), Gerhard Deutsch und Hermann Wakolbinger (Fotos)) Erstellt am
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