© Alain Le Toquin / Knesebeck Verlag

Meisterwerke
07/26/2015

Die Gärten der Profis

Zu Besuch bei den besten Landschaftsarchitekten der Welt.

von Ursula Horvath

Einmal um den Globus. Von Großbritannien bis nach Neuseeland, von Frankreich bis in die Karibik und von Deutschland bis nach Australien führte die Reise von Fotograf Alain Le Toquin, auf der er dreizehn der besten Landschaftsarchitekten besuchte. Ihre Arbeiten hat Le Toquin in einem umfangreichen Bildband dokumentiert. In ausführlichen Porträts beschreiben die Gartenkünstler ausgewählte Projekte und geben einen Überblick über die aktuelle Entwicklung in der Kunst der Landschaftsarchitektur weltweit.

Was ist ein Garten?

Diese Frage stellte Le Toquin allen Planern. Die Neuseeländer Geoff Haughey und Richard Cadness meinen: "Der Garten dient der persönlichen Entfaltung, er ist ein Ort, an dem der Mensch sein inneres Bedürfnis nach Gegensätzen ausleben kann." Diese Einstellung macht sich auch in ihren Konzepten bemerkbar. Die beiden kombinieren exotische Vegetation mit einem geradlinigen architektonischen Gerüst.
Einen anderen Ansatz verfolgt der französische Landschaftsarchitekt Erwan Tymen. Er ist für seine Küstengärten bekannt, deren Grenzen zur Umgebung er durch eine geschickte Gliederung der Pflanzen verwischt. Dementsprechend lautet auch seine Definition: "Der in die Natur eingebettete Garten hält sich der Landschaft gegenüber zurück. Er respektiert seine Umgebung und stellt sich nicht zur Schau." An der bretonischen Küste gestaltete Tymen einen großzügigen Garten, der mit den Dünen dahinter zu verschmelzen scheint. "Bei der Konzeption meiner Entwürfe konzentriere ich mich auf die dreidimensionale Struktur, auf Formen, Farben und Texturen", beschreibt Tymen seinen Ansatz. "Meinen Klienten erkläre ich, dass ich – im Gegensatz zu etlichen Kollegen – keinen Pflanzplan entwerfe, um mich beim Vorgang vor Ort besser auf die Gegebenheiten des Grundstücks einstellen zu können."

Klein und strukturiert

Sein eigenes Refugium statt das eines Kunden, stellt Gordon Collier in diesem Bildband vor. Den Entwurf hatte er lange vor dem Hausbau zu Papier gebracht. In dem kleinen, strukturierten Grünraum kann er seiner Leidenschaft für das Sammeln von Pflanzen nachgehen. Die Fläche ist stark durch Hecken gegliedert, ein Laubengang führt zu einer Terrasse voller Topfpflanzen. Für einen Rasen blieb bei diesem Konzept kein Platz.

Ganz anders sieht der Grünraum des deutschen Landschaftsgestalters Ludwig Gerns aus. Er kombiniert für seine Kunden unterschiedliche Stiele und Traditionen. Auf einem 8000 Quadratmeter großen Grundstück schuf er verschiedene Bereiche, die dennoch eine Einheit bilden. Die Gartenräume lassen die Tiefe des Grundstücks erfahren, ohne je seine Grenzen sichtbar zu machen. Seine Definition: "Ein Garten soll Harmonie und Ruhe ausstrahlen, dabei jedoch immer wieder neugierig machen und immer neue Details preisgeben – manchmal erst auf den zweiten Blick."

Dreizehn der weltweit führenden Landschaftsarchitekten stellen in diesem Band je einen Garten in Europa, der Karibik, Neuseeland und Australien vor. Fotograf Alain Le Toquin hat die grünen Oasen festgehalten. Knesebeck Verlag, € 51,10
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