Interview
06/18/2015

Design from Tel Aviv: Raw Edges

Das israelische Design-Duo Yael Mer und Shay Alkalay ist nicht nur beruflich ein Paar. IMMO hat die beiden in Mailand zum Gespräch getroffen.

Wir treffen das sympathische Duo im Mailänder Palazzo Bocconi, wo heuer während der Möbelmesse in Mailand der Luxushersteller Louis Vuitton seine "Objets Nomades"- Kollektion präsentiert hat. IMMO hat bei den beiden nachgefragt, ob Design selbsterklärend sein muss und was der schlimmste und was der beste Teil ihres Jobs ist.

Für Louis Vuitton haben Sie heuer Produkte für die Kollektion "Objets Nomades" entwickelt. Was bedeutet für Sie Luxus?

Shay Alkalay: Bei dieser Kooperation lag der Luxus darin, dass wir die Möglichkeit hatten, etwas komplett Neues zu gestalten. Die Reise hat auf dem Papier begonnen und mündete in einem außergewöhnlichen Objekt. Die Ausführung ist makellos – das Leder, die Nähte, das Holz – es ist perfekt.

Yael Mer: Die Handwerker wussten auf Anhieb, wie man mit dem Entwurf umgehen muss, das war wirklich einzigartig. Luxus bedeutet auch: Ideen frei, immer wieder neu und unterschiedlich interpretieren zu können. "Concertina" deckt aber auch das Szenario einer Reise ab. Der Stuhl darf bei einer Bergwanderung genauso wenig deplatziert sein, wie in einem urbanen Wohnraum.

Auf welche Reise haben Sie sich für Ihre Serie "Concertina" begeben?

Shay Alkalay: Es ging um die Veränderung von Formen – vom sogenannten Flat Pack zum Gegenteil. Bei einem Produkt in einer flachen Verpackung denkt man sofort daran, dass es sich um etwas besonders Ergonomisches, Technisches, Praktisches und Leichtes handeln muss. Doch der Entwurf konzentriert sich eigentlich gar nicht darauf. Viel mehr ging es uns um die Frage: Was passiert, wenn man es öffnet? Es geht also nicht um die klassische Minimierung, sondern eher darum, wie man diese anders einsetzen und interpretieren kann.

Die Lehne wirkt wie eine Blüte, die sich nach außen hin öffnet. Was hat es damit auf sich?

Shay Alkalay: Um ehrlich zu sein, das war nie unsere Absicht. Während dem Skizzieren hat sich die Form immer wieder in diese Richtung bewegt. Irgendwann haben wir dann keinen Widerstand mehr geleistet und gesagt: Ok, dann lassen wir es doch einfach zu.

Welche Aufgabe soll oder muss Design im Idealfall erfüllen?

Shay Alkalay: In der Branche wird das derzeit oft diskutiert. Hella Jongerius etwa meint, dass man neue Ideen stoppen soll. Wir vertreten das Gegenteil. Das Neue ist für uns auch das Wichtigste.

Muss Design selbsterklärend sein?

Shay Alkalay: Das kommt darauf an. Wenn wir von einer Waschmaschine reden, dann ja. Wenn es um ein Objekt geht, nicht unbedingt.

Yael Mer: Ein Objekt verlangt eine Auseinandersetzung. Je öfter man sich damit beschäftigt, desto eher findet man Antworten.

Wie darf man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen: Wer ist für wofür zuständig?

Shay Alkalay:Es gibt eigentlich keine Teilung. Yael denkt vielleicht komplizierter als ich, dafür kann ich diese Gedanken dann relativ schnell entschlüsseln und runterbrechen. Unsere Kreativität unterstützt und ergänzt sich.

Yael Mer: Dass sich einer um den wirtschaftlichen und der anderen um den kreativen Part kümmert gibt es bei uns nicht. Leider.

Shay Alkalay: Ja, ich würde es mir auch manchmal wünschen, aber dem ist leider nicht so. Doch hätten wir uns dann jemals kennenlernen können?

Yael Mer: Wohl eher nicht.

Shay Alkalay: Stimmt. Also wir lieben den Status quo.

Sie sind beide aus Tel Aviv. Welchen Einfluss hat Ihre Herkunft auf die Entwürfe?

Yael Mer: Ich würde sagen, dass wir nicht so sehr auf Traditionen versteift sind. Wir sind Neuem gegenüber sehr aufgeschlossen.

Was ist der schönste und was der schlimmste Teil Ihres Jobs?

Yael Mer: Die Phase, wo man spürt, dass man kurz vor der Lösung steht, ist Segen und Fluch zugleich.

Shay Alkalay: Bei mir ist es ähnlich. Als Designer hat man keinen "Nine-to-five"-Job, man kann den Kopf nicht einfach ausschalten. Manchmal träumt man sogar davon. Mit Design wird man überall konfrontiert, das ist zum einen inspirierend, aber manchmal ist es eben auch anstrengend.

Yael Mer und Shay Alkalay gründeten ihr Studio im Jahr 2007. Ihr Studium absolvierten sie gemeinsam am Londoner Royal College of Art, wo sie sich auch schließlich kennengelernt haben. Die Entwürfe des israelischen Paares zeichnen sich vor allem durch ihren spielerischen Zugang aus. Bislang konnte das kreative Duo zahlreiche Projekte für namhafte, internationale Hersteller wie Moroso, Established & Sons und Arco realisieren.
www.raw-edges.com

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