Denkmaschine: Die Bauten von BEHF

Einkaufszentrum EO in Oberwart.
Foto: Bruno Klomfar

Wie baut man 1800 Filialen für die Deutsche Bank? Architekt Stephan Ferenczy, einer der Köpfe vom Büro BEHF, über Ideen und ihre Umsetzung.

Die Lounge für den Telefonanbieter A1 auf der Mariahilfer Straße wurde zum Vorzeigemodell für weitere Standorte in Osteuropa. Im Restaurant Motto am Fluss sorgten sie gemeinsam mit Betreiber Bernd Schlacher für den nötigen Hipness-Faktor. Am Gelände rund um den Wiener Nordbahnhof entsteht gerade nach ihren Plänen ein Wohnhaus für moderne WG-Anhänger.

Das Büro BEHF steht für solide, durchdachte Entwürfe, seine führenden Architekten - Armin Ebner, Stephan Ferenczy und Susi Hasenauer - für die businessorientierte Kommunikation mit ihren Bauherren. IMMO hat den gebürtigen Hamburger Stephan Ferenczy zum Interview getroffen:

Einkaufszentrum EO in Oberwart. Foto: Bruno Klomfar Einkaufszentrum EO in Oberwart.

IMMO: Herr Ferenczy, BEHF betreut über 100 Projekte im Jahr. Das erinnert fast schon an eine Fabrik. Wie behält man bei so viel Output den Überblick?
Stephan Ferenczy: Als Fabrik würde ich uns nie bezeichnen, dazu sind uns die einzelnen Aufgaben viel zu wichtig. Wir machen viele dieser Projekte ja auch nicht alleine, wir sind ja keine Bauunternehmer, sondern verstehen uns als Denker und Steurer. Unser Büro hat 80 Mitarbeiter und natürlich muss man sehr strukturiert an die Dinge herangehen. Der Rest ist die Freude an guten Ideen.

Zurzeit sind Sie gerade dabei, 1800 Filialen für die Deutsche Bank in der ganzen Welt zu bauen. Wie kommt man als österreichisches Büro zu so einem Großauftrag?
Wir können, glaube ich, mit Stolz behaupten, dass wir uns im Bereich Retail - also Shops und Filialen - mittlerweile einen sehr guten Namen gemacht haben. Unsere A1-Filialen wurden zum Beispiel bis nach Kroatien und Weißrussland realisiert.

Einkaufszentrum EO in Oberwart. Foto: Bruno Klomfar Einkaufszentrum EO in Oberwart.

Stockt man da gleich einmal um 50 Mitarbeiter auf oder wie bewältigt man ein Auftragsvolumen wie jenes für die Deutsche Bank?
Nein, denn wir wollten uns von Anfang an als sehr leistungsfähiges Büro etablieren, weil wir erkannt haben, wie wichtig dieser Faktor ist. Diese Filialen werden bis nach China entstehen, aber natürlich nicht über Nacht. Wir arbeiten seit einem Jahr an den Vorbereitungen und jetzt werden erste Piloten in unterschiedlichen Kulturkreisen in Betrieb genommen, um auszutesten, wie hoch die Akzeptanz ist. Man nimmt uns auf diesem Gebiet glücklicherweise als erfolgreiche Konzeptentwickler und Umsetzer wahr. Das heißt, wir planen Dinge, die in den Kosten, in der Fertigstellung und in den Auflagen durch den Gesetzgeber, wie etwa Sicherheit und Brandschutz, halten.

Einkaufszentrum EO in Oberwart. Foto: Bruno Klomfar Einkaufszentrum EO in Oberwart.

Warum glauben Sie, dass eine Bank ausgerechnet in Zeiten wie diesen so viel in neue Filialen investiert?
Für die Deutsche Bank ist, ähnlich wie für den geförderten Wohnbau in Wien, Solidität ein großes Thema. Dazu gehört auch eine korrekte Wahrnehmung. Das bedeutet: Dass man das Geld hat, seine Fassaden zu renovieren, behindertenfreundliche Eingänge zu machen und moderne Beleuchtungen zu installieren, die weniger Strom verbrauchen. Sie müssen sich nur einmal vorstellen, wie viele Glühbirnen in 1800 Filialen verbraucht werden, welche enormen Stromrechnungen da produziert werden. Das ist eine wirkliche große logistische Herausforderung.

Einen weiteren Geschäftszweig Ihres Unternehmens nennen Sie Housing. Was kann man sich darunter vorstellen?
Sozialer Wohnbau ist ein sehr Wien-lastiges Thema, wo wir gerade einige sehr schöne Projekte am Laufen haben. In Purkersdorf - was natürlich nicht Wien ist, aber zu seiner Umgebung zählt - errichten wir zurzeit ein Gebäude mit 40 Wohneinheiten. Ein relativ kleines Projekt, aber an einem städtebaulich sehr wichtigen Punkt. Meiner Meinung nach gestalten wir da den Kern von Purkersdorf sehr sensibel und geschickt mit.

Einkaufszentrum EO in Oberwart. Foto: Bruno Klomfar Einkaufszentrum EO in Oberwart.

Nimmt man da Anleihen an den Jugendstil?
Wir bauen im Hier und Jetzt. 2011 ist das Jahr, in dem wir leben und arbeiten, und das soll man auch an unseren Ergebnissen erkennen. Aber es gibt bestimmte Harmonien, die man erzeugen kann, in dem man Baumassen gliedert und bei einem bestimmten Maßstab bleibt. Das ist auch beim Wiener Wohnbau ein wichtiges Thema.

Einkaufszentrum EO in Oberwart. Foto: Bruno Klomfar Einkaufszentrum EO in Oberwart.

Rund um den Wiener Nordbahnhof experimentieren Sie mit neuen Formen des Zusammenlebens. Wie kann man sich das vorstellen?
Beim Rudolf-Bednar-Park entsteht gerade ein sehr urbanes, city-nahes Stadtgebiet. Das Ziel sind wirklich anspruchsvolle Wohnbauten mit ganz besonderen Qualitäten.
Natürlich werden auch unsere beiden Projekte in Niedrigenergieweise erbaut. Eines davon bietet außerdem ein sehr attraktives Konzept für flexible, moderne Lebensstile: Da wird es 95 Kleinstwohnungen geben. Und außerdem 42 Wohngemeinschaften mit durchschnittlich drei bis fünf Zimmern und einem großen Gemeinschaftsraum, also ideal für WGs. Eine WG von über Sechzigjährigen hat sich schon angemeldet. Man muss eben immer wieder von Neuem zukunftsorientiert denken.

(kurier) Erstellt am
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