Wohnen 05.12.2011

Blå Station: Blaues Design-Wunder

Johan Lindau, Geschäftsführer des schwedischen Designlabels Blå Station, über Billigkeits-Hysterie und das Arbeiten mit der Familie.

Wie bringt man in einem Familienunternehmen wie Blå Station, Tradition und neue Ideen unter einen Hut. Ist das manchmal schwierig?
Eigentlich nicht. Aber man steht einander viel näher und muss Diskussionen auf einer ganz anderen Ebene führen, als wenn man mit einem Kollegen eine Firma gründet. Hier spielt der Respekt für die Familienmitglieder auch eine Rolle. Manchmal fällt es natürlich schwer, auch einmal an etwas anderes zu denken. Das ganze Leben dreht sich um die Firma. Das kann schon ein Problem sein. Aber es ist nicht so, dass es eine Tradition gibt, der man sich verpflichtet fühlt und die es weiterzuführen gilt. In unserer Familie gibt es da jedenfalls keinen Druck.

Strohballen-Design: Ursprünglich wurden die Sitzpolster nur für ein Projekt entworfen. Dank des Erfolgs ist das Design heute Teil der Kollektion. Das erweiterbare Banksystem "Gate" wurde von Firmengründer Börge Lindau gemeinsam mit Sohn Johan gestalte
© Bild: Blå Station


Sie leiten das Unternehmen gemeinsam mit Ihrer Schwester. Ist das ein Vorteil, weil man sich eben so nahesteht?

In unserer Beziehung ist es wohl eher schwer. Ich schaue ihr oft über die Schulter, um zu sehen, ob sie auch das macht, was sie tun soll - obwohl sie das nicht bei mir macht. Mit einem "normalen" Kollegen hat man eben eine ganz andere Gesprächsbasis - da spielen keine Familiengefühle mit hinein.
Mitunter kann es sicher schwierig sein, mit Geschwistern zusammenzuarbeiten. Manchmal fließen da ja auch ganz andere Dinge ein. So auf die Art: Du hast zu Weihnachten das nicht gemacht, deshalb mache ich jetzt das nicht. In anderen Konstellationen ist man da mehr bei der Sache. Aber das ist ja auch gerade der Reiz eines Familienunternehmens, man hat dieselben Werte.

Welche Designphilosophie steckt hinter Blå Station?
Für mich ist eine Designphilosophie nichts Permanentes, sondern etwas, das sich entwickeln kann. Bis jetzt haben wir von "Design aus einer innovativen Perspektive" gesprochen. Mein Vater pflegte zu sagen: Es gibt schon viel zu viele Stühle, die Welt braucht nicht noch mehr davon! Diese Ansicht teile ich mit ihm, füge aber hinzu: Wenn die alten Stühle kaputtgehen, müssen diese durch neue, bessere Produkte ersetzt werden. Teil unserer Sichtweise ist es, immer das Selbstverständliche infrage zu stellen. Neu muss nicht heißen, dass es etwas Neues fürs Auge ist. Es kann auch ein innovatives Verhältnis zu Industrie, Material oder Funktion sein. Wir können nicht nur neue Produkte machen, weil sie hübsch sind.

Strohballen-Design: Ursprünglich wurden die Sitzpolster nur für ein Projekt entworfen. Dank des Erfolgs ist das Design heute Teil der Kollektion. Das erweiterbare Banksystem "Gate" wurde von Firmengründer Börge Lindau gemeinsam mit Sohn Johan gestalte
© Bild: Blå Station

Blå Station feiert heuer das 25-Jahr-Jubiläum. Wie spiegelt sich das in der aktuellen Kollekion wider?
Wir haben beispielsweise zu Stefan Broselius, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten, gesagt: Schau doch einmal in den Rückspiegel und deute Blå Station neu - das kann ein Produkt aus den letzten 25 Jahren sein oder die Art und Weise, wie wir arbeiten: Er hat sich das Sofa "Dunder" ausgesucht und daraus die Sessel, Hocker und Tische der Möbel-Familie "Dundra" entwickelt. Dieselbe Aufgabe haben wir Cate & Nelson gestellt, die für uns den Stuhl "Hövding" gedeutet haben. Entstanden ist daraus der Sessel "B25", der auf den ersten Blick keine Ähnlichkeit mit dem Vorbild hat. Für uns sieht er aber sehr ähnlich aus.

Viele Unternehmen lagern ihre Produktionen heutzutage in Billigländer aus. Warum ist das für Sie keine Option?
Das ist einfach eine gewisse Haltung. Wenn man sagen will: "Made in Sweden", dann muss das auch so sein. Das ist eine Frage der Ehrlichkeit. Ich stamme aus einer Design-Familie, in der man gelernt hat, dass die Industrie wichtig ist. Sie ist Grundlage allen Designs. Um Dinge besser machen zu können, muss sich die Industrie weiterentwickeln. Dafür müssen wir aber den entsprechenden Firmen vor Ort helfen und diese nicht aussterben lassen.

Strohballen-Design: Ursprünglich wurden die Sitzpolster nur für ein Projekt entworfen. Dank des Erfolgs ist das Design heute Teil der Kollektion. Das erweiterbare Banksystem "Gate" wurde von Firmengründer Börge Lindau gemeinsam mit Sohn Johan gestalte
© Bild: Blå Station

Interessieren sich die Leute heute wieder mehr dafür, wo die jeweiligen Produkte hergestellt werden?
Ich glaube, dass das immer wichtiger wird. Die neue Generation will - im Gegensatz zu unserer - wissen, woher die Dinge kommen. In meinem Jahrgang war das so: Man fährt zu Ikea und bevor man hineingeht, lässt man das Hirn im Auto. Alle freuen sich, dass die Dinge so unglaublich billig sind, aber man fragt sich niemals, ob es eigentlich möglich und richtig sein kann, dass eine Stehlampe 15 Euro kostet. Das ist nicht richtig!
Heute dreht sich die Welt viel schneller und man ist über diverse Netzwerke viel informierter. Ich glaube (und hoffe), dass eine kleine Revolution bevorsteht und dass diese "Billigkeits-Hysterie" vorbei ist, wo man Dinge einfach nur deshalb kauft, weil sie günstig sind, egal, ob man sie braucht.

Blå station
Ihren Namen verdankt die Designfirma nicht der Farbe Blau (schwedisch: blå), sondern den Initialen des Vaters Börge Lindau und dem Standort im südschwedischen Åhus. Seit 25 Jahren steht Blå Station für innovative Ideen und skandinavische Qualität. www.blastation.se

( ce ) Erstellt am 05.12.2011