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Architektur im Film
12/31/2014

Beton: Ein harter Stoff

Gustav W. Trampitsch setzt sich in seinem Film mit dem wohl bekanntesten Baumaterial der letzten hundert Jahre auseinander. IMMO sprach mit dem Regisseur über die Geschichte, den nostalgischen Wert und die heutige Nutzungvon Beton.

KURIER: Woher kam die Inspiration zum Film?
Gustav W. Trampitsch: Wieso der Werkstoff Beton? Zunächst ist es wichtig zu sagen, dass es bei keinem meiner Filme einen Auftraggeber gibt. Ich suche mir die Themen selbst aus. Vor vielen Jahren machte ich einen Film zum Thema Ziegel. Das Interesse für das Bauen war also immer schon da. Hinzu kommt, dass ich vor zwei Jahren den Produzenten gewechselt habe, der ausgebildeter Architekt ist. Er hat mich davon überzeugt, dass es doch eigentlich eine spannende Geschichte wäre.

Wie schwierig war es bei 51 Minuten Filmlänge eine Auswahl zu treffen?
Bei Filmen sind immer zwei Kriterien zu beachten, welche die Auswahl bestimmen: Die eigene Fantasie und das Budget. In unserem Fall war es so, dass sich außer Österreich auch Deutschland und die Schweiz wirtschaftlich an dem Film beteiligten, was die Auswahl etwas einschränkte, aber auch einfacher machte. Schließlich gab es aber auch eine Must-Have-List von Bauwerken, die einfach im Film vorkommen mussten. Eines davon war das Opera House in Sydney. Für uns natürlich unerschwinglich, weshalb wir uns schlussendlich für einen Kauf aus dem Archiv entschlossen haben. Barcelona hingegen war ein fixer Punkt. Die Stadt ist einfach ein herausragendes und unumgängliches Beispiel für biomorphe, also organische Architektur, die sich an die Landschaft anpasst. Was man aber notgedrungen aus Archiven kauft, sollte wirklich ein Minimum ausmachen, da sonst die Bildsprache dadurch unterbrochen wird.

Jean Nouvel behauptet im Film, Beton hätte im Laufe des 20. Jahrhunderts an Noblesse verloren. Wie kann diese Ihrer Meinung nach wieder hergestellt werden?
Was Nouvel damit meint, ist die Kunst der Materialbehandlung wie zu Zeiten von Antoni Gaudí. Im spanischen Modernisme, also der Zeit in der die katalanische Architektur in Barcelona neu definiert wurde, hatte die Arbeit mit Beton eine gewisse Leichtigkeit, Noblesse wie er sagt. Diese ist aber durch die zwei Weltkriege und die Zeit des Wiederaufbaus verloren gegangen. Man hatte damals buchstäblich andere Sorgen, als sich um Ästhetik zu kümmern. Dies war die Geburtsstunde der Plattenbauten, die – bei aller Ehre – wirklich nicht nobel sind. In den letzten fünfzehn Jahren versuchten Architekten wie Santiago Calatrava, dem Baustoff seine verlorene Eleganz wiederzugeben.

Wie hat sich Beton im Laufe der Zeit zu dem uns heute bekannten Baustoff entwickelt?
Die Geschichte reicht bis zu den alten Römern zurück, die das Material unter dem Namen "Opus caementitium" entdeckten. Nach dem Ende des römischen Reiches kam es zu einem Kulturbruch in dem der Beton fast vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Lediglich im süddeutschen Raum gab es eine zufällige Parallelentwicklung. Das Material hieß Nagelflu und war ein Konglomerat aus verschiedenen Schwemmsteinen. Wenn man heutzutage spazieren geht, sieht man es beispielsweise in altem Kirchengemäuer. Die weitflächige Verwendung des Betons tauchte dann wieder erst ab Ende des 19. Jahrhunderts auf. Beton, wie wir ihn heute kennen, hat aber so gut wie gar nichts mehr mit dem Material der 1950er zu tun. Technisch wurde er immer weiter ergänzt und entwickelt.

Welchen nostalgischen Wert hat Beton?
Ich verbinde den Werkstoff viel mit Bunkerbauten und militärischen Stützpunkten, wie zum Beispiel Check-Point-Charlie in Berlin. An solchen Plätzen wirkt er als ein dunkles und schauderhaftes Material des Krieges und der Vernichtung. Die jüngere Generation sieht das aber wahrscheinlich anders. Gott sei Dank gibt es viele junge Architekten, die versuchen, das Baumaterial ständig neu zu entdecken und zu formen.

Welchen Stellenwert würden Sie Beton in der Kunst anrechnen?
Ich denke, das darf man nicht überbewerten. Heutzutage kann aus allem Kunst gemacht werden und das meine ich gar nicht verachtend. Beton ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten. Im Film kommt eine Betonskulptur von dem Schweizer Künstler Nick Röllin vor. Es handelt sich dabei um einen Sockel auf dem einige Männchen stehen und die finde ich persönlich absolut entzückend. Es gilt also: Egal ob Beton oder Ölkreiden, es ist wichtig, dass man als Künstler mit dem Material spielt und weiß, wie es wirkt, beziehungsweise wofür es steht.

Wie kann man der Eintönigkeit und Kahlheit des Werkstoffes entgegenwirken?
Persönlich würde ich auf keinen Fall versuchen ihn zu schmücken. Man kann aber sehr gut mit dem Kontrast zart und hart arbeiten. Eine weitere Lösung ist das Vertrauen in die Kraft des Kunstwerkes. Vertraut man dem Bau in seiner Gestaltung, dann wird er auch nicht stören. Mittlerweile gibt es zwar die Möglichkeit den Beton durchzufärben, dies stellt aber durch die umständliche Reinigung des Maschinenwerks eine sehr kostenintensive Option dar.

Wo trifft das vielfältige Material an seine ästhetischen Grenzen?
Es verwittert schnell und Regen hinterlässt Spuren. Ob das aber ein Vor- oder Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden. Für viele Architekten macht gerade dies den Reiz des Materials aus. Ich persönlich gehöre nicht dazu.

Die Dokumentation „Beton – geliebt, gehasst und angewandt“ wurde mit dem Preis der Internationalen Wirtschaftsfilmtage ausgezeichnet.
Die DVD ist über „RAUM.FILM – Filmproduktion“ ab € 15,– (zzgl. Versandkosten) zu bestellen.

www.raumfilm.at
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